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Neubabelsberger Rathaus wird saniert

Restaurierung eines Potsdamer Kleinods Neubabelsberger Rathaus wird saniert

Einst war es das Rathaus der Villenkolonie Neu-Babelsberg, später wurde es als Musikschule genutzt – das auffallende Villengebäude am Johann-Strauß-Platz wird derzeit saniert. In dem Haus entstehen Wohnungen. Am Montag soll nun der historische Turm wieder aufs Dach gesetzt werden. Eine freiwillige Leistung der Eigentümer, weil die Denkmalbehörde das geschichtsträchtige Gebäude als nicht so wichtig ansieht.

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Das alte Rathaus von Neu-Babelsberg.

Quelle: Hellenthal

Babelsberg . In der früheren Musikschule am Johann-Strauß-Platz 3-4 geben sich die Handwerker die Klinke in die Hand. Das Gebäude wird von der Johann-Strauß GbR saniert und zum Wohnhaus umgebaut. 2013 hat die GbR die seit 2011 leer stehende Immobilie von der Stadt erworben. Bis Ende 2015 entstehen hier insgesamt sieben Mietwohnungen. Sechs davon sind 65 bis 110 Quadratmeter groß, die siebente im Dachgeschoss hat die stattliche Größe von 220 Quadratmetern. „Anfang 2016 sollen die Mieter einziehen“, erklärt Architekt Henner Rolvien vom baubegleitenden Babelsberger Architekturbüro Axthelm Rolvien, das nicht nur in Potsdam und Berlin, sondern auch international tätig ist.

Vor Beginn der Bauarbeiten musste viel abgerissen werden. 15 große Container mit Bauschutt wurden aus den früheren Unterrichtsräumen, die mit Lärmschutzplatten an den Wänden gedämmt waren, herausgeholt. Die vielen Um- und Einbauten für den Musentempel hatten die Substanz des Hauses, das 1908 als Rathaus der Villenkolonie Neubabelsberg errichtet worden war, stark geschädigt. Schwammbefall sowie Feuchteschäden im Souterrain und im Dachstuhl taten ein Übriges, so dass das Gebäude komplett trockengelegt werden musste. Unterdessen ist das größtenteils erneuerte Dach mit Biberschwanzziegeln eingedeckt, eine Erdwärme-Heizungsanlage installiert und die gesamte Haustechnik erneuert, sagt Rolvien.

Hier wurde Marika Rökk getraut

1908 wird das Gebäude als Rathaus der Villenkolonie-Gemeinde Neubabelsberg in der damaligen Rathausstraße (später Rathausplatz) erbaut. Von 1933 bis 1945 heißt der Platz Hindenburgplatz, seitdem Johann-Strauß-Platz.

1938 verliert das Rathaus seine Funktion. Die Villenkolonie Neubabelsberg wird in die Stadt Nowawes, die damals zum Kreis Teltow gehört, eingegliedert. Nowawes wird in Babelsberg umbenannt.

Laut Adressbuch 1938/39 sind im Haus u. a. Behörden, wie das Stadtbauamt und das Standesamt, untergebracht. 1940 wird hier Ufa-Star Marika Rökk mit dem Film-Regisseur Georg Jacoby getraut.

Von 1945 bis 1952 besetzen die Sowjets die Villenkolonie mit dem einstigen Rathaus.

Danach nutzt die Pädagogische Hochschule Potsdam das Haus als Ausbildungsstätte für die Musikerziehung ihrer Studenten. Damals verschwinden der Turm, der geschwungene Giebel und andere Zierelemente.

1990 zieht die Zweigstelle der städtischen Musikschule „Johann-Sebastian Bach“ in das Gebäude. 2011 erfolgt der Umzug in die Galileistraße Am Stern.

Die Decken sind ertüchtigt, neue Fenster eingebaut. Originalgetreu wiederhergestellt wird der Turm, der nach 1945 abgerissen wurde. Sein Sockel ist bereits hochgemauert. Die rekonstruierte Spitze wird am Montag aufgesetzt. Sie ist eine Holzkonstruktion mit einem Satteldach. Der Turm gehört zur Dachgeschosswohnung und ist eine freiwillige Leistung der Eigentümer. Sie hätten gern einen modernen Turm gebaut, denn das Haus besitzt keinen Denkmalschutz. Der wurde vom Landesamt für Denkmalpflege abgelehnt. Da die Unterschutzstellung fehlt, gab es auch keine Förderung, die dem Projekt sehr dienlich gewesen wäre, so der Architekt.

Zurzeit läuft der Innenausbau. In die Räume werden Holzdielenböden eingebracht, große Flügeltüren und eine hochwertige sanitäre Ausstattung. Alle Wohnungen erhalten Balkone oder Terrassen, die Quartiere im Erdgeschoss und im Souterrain zusätzlich einen Gartenteil. Die restliche Gartenfläche mit den schönen, alten Bäumen wird neu gestaltet und steht allen Mietern zur Verfügung. Nachdem das Haus so aufwendig saniert ist und den Platz aufwertet, sollte die Stadt die Anlage neu gestalten, meint Rolvien.

Historische Fotos zeigen den Platz mit gepflegter Grünanlage und Bäumen. Einst gab es hier auch eine Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Das Kunstwerk, das eine trauernde Mutter darstellte, missfiel den Nationalsozialisten. Sie ließen es entfernen.

Von Karin Markert

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