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Potsdam Neubau von sechs Potsdamer Brücken nötig
Lokales Potsdam Neubau von sechs Potsdamer Brücken nötig
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19:40 15.04.2019
Die Hochstraßenbrücken der Nuthestraße L40 über Gleise der S- und Regionalbahn weisen einen „nicht ausreichenden Zustand“ auf. Quelle: Rainer Schüler
Potsdam

Potsdams Brücken bröckeln. Die Landesregierung gibt den Bauwerken, für die das Land selbst verantwortlich ist, im Schnitt nur ein „befriedigend“. Der Investitionsbedarf für mehrere Neubauten und Instandhaltung liegt bei 50 Millionen Euro. Das geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Landtagsabgeordneten Steeven Bretz und Rainer Genilke (beide CDU) hervor.

Insgesamt fünf Brücken an Bundesstraßen und zwölf Brücken an Landesstraßen sind der Verantwortung des Landesbetriebs Straßenwesen. Darunter befindet sich neben zahlreichen Autobrücken auch die Fußgängerbrücke an der B273 über den Fahrländer Hauptgraben, die mit der Note 1,1 die beste Bewertung auf der Bewertungsskala bis 4 erhalten hat. Die schlechteste Bewertung erhielt mit 3,5 die Wublitz-Querung von Grube nach Leest der Landesstraße 902. „„Diese Brücke ist am Ende ihres Lebens, die ist kaputt“, sagt Frank Schmidt, Leiter der Region West des Landesbetriebs. Sechs Brücken mit einem Zustand von 2,7 oder schlechter sollen erneuert werden. Fünf davon liegen auf der Nuthestraße L40.

Die Hochstraßen über die Regional- und S-Bahntrasse werden ab 2020 neu gebaut. Quelle: Rainer Schüler

Hochstraßen-Brücke wird teurer

Das größte Projekt ist der Neubau der zwei Hochstraßenbrücken über die Trasse der Regional- und S-Bahn. Die Brücke stadteinwärts bekam nur die Note 3,0 – bis 2,9 wird von einem „ausreichend guten Zustand“ gesprochen. Alles darüber ist in schlechtem Zustand und es besteht Handlungsbedarf, wird in der Antwort erklärt. Stadtauswärts wird die Brücke mit 2,7 zwar noch als gut bewertet – angesichts der logistischen Herausforderung dieses Projekts werden nacheinander aber gleich beide Brückenteile erneuert.

„Wir sind im Vergabeverfahren und wollen Ende Juni die Aufträge vergeben“, sagt Frank Schmidt. Die zwei Jahre alte Kostenschätzung von 19,5 Millionen Euro sei durch Baupreissteigerungen überholt – vor Ende der Ausschreibung will Schmidt aber keine neuen Zahlen nennen. „Anfang Januar 2020 fangen wir mit den eigentlichen Arbeiten an“, kündigt Schmidt an.

Neubau am Neuendorfer Anger

Zugleich werden auch die zwei Schnellstraßen-Brücken über den Neuendorfer Anger erneuert. Sie haben in beide Richtungen eine Note von 2,9 bekommen.

Etwas weiter stadtauswärts wurden die Brücken der Nutheschnellstraße über die Wetzlarer Straße mit 2,8 bewertet – nur ein kleiner Unterschied, aber Schmidt sagt: „Das ist noch top. Da haben wir vor drei Jahren die Decke erneuert und abgedichtet. Eindringendes Wasser ist das eigentliche Problem für eine Brücke“, sagt Schmidt. Wenn Wasser in Risse einsickert, platzt die Fahrbahnschicht ab und es werden auch Stützpfeiler und Widerlager angegriffen, wie es bei der Hochstraßenbrücke der Fall ist. Die Bauwerke über die Wetzlarer Straße habe er „mittelfristig“ im Auge, frühestens in zehn Jahren seien dort wieder Arbeiten nötig.

Die Brücke über den Horstweg wurde in Richtung Innenstadt im Jahr 2000 erneuert. Der hier abgebildete Bau in Richtung Teltow stammt noch aus den Siebziger Jahren und soll ernuert werden. Quelle: smirnova_v

Eine Brücke am Horstweg wird erneuert – frühestens 2025

Über den Horstweg ist der Zustand der zwei Schnellstraßenbrücken sehr unterschiedlich. Stadteinwärts wurde im Jahr 2000 ein Neubau errichtet, der jetzt die Note 1,9 erhalten hat. „Stadtauswärts steht noch die Originalbrücke aus den Siebziger Jahren, als die Schnellstraße errichtet wurde“, sagt Schmidt.

Diese Brücke hat eine Note von 2,9 und soll erneuert werden, sobald die Hochstraßenbrücke geschafft ist – „vielleicht 2025“, sagt Schmidt. Im Straßenerneuerungsplan der Stadt ist der Horstweg, der ebenfalls über weite Strecken marode ist, frühestens 2023 eingeplant.

Neubau über Wublitz geplant

Die schlechteste Bewertung einer Potsdamer Brücke in der Verantwortung des Landesbetriebs hat die Brücke von Grube über die Wublitz nach Leest. Die Note 3,5 bedeutet dort bereits seit etlichen Jahren eine Einschränkung der Achslast auf zehn Tonnen. Laut Grubes Ortsvorsteher Stefan Gutschmidt wurde die Brücke bereits 1951 errichtet.

Derzeit läuft das Planfeststellungsverfahren für eine Erneuerung. Die Stellungnahmen nach der öffentlichen Auslegung werden gerade ausgewertet. Wie viele Jahre dauert es noch, bis tatsächlich die Bauarbeiten beginnen? Darüber wollte Landesbetriebs-Leiter Schmidt auf MAZ-Anfrage nicht spekulieren.

Noch kein Förderantrag der Stadt für die Lange Brücke

Auch die Lange Brücke im Potsdamer Zentrum war Thema der Kleinen Anfrage. Dort ist der Landesbetrieb Straßenwesen allerdings nicht zuständig – sie gehört in die Verantwortung der Stadt Potsdam. Die Stadt hat einen Fördermittelantrag an das Land angekündigt, heißt es in der Antwort auf die Kleine Anfrage. Ein qualifizierter Förderantrag sei aber noch nicht eingegangen. Voraussichtlich 2023 soll mit dem Abriss des Bauwerks von 1961 begonnen werden. Die Kosten für einen Neubau wurden zuletzt auf rund 24 Millionen Euro geschätzt.

140 Brücken in Potsdam

In Potsdam gibt es über 140 Brücken. Für 58 dieser Bauwerke ist die Stadt Potsdam verantwortlich, für weitere 56 Brücken ist die Deutsche Bahn zuständig. Insgesamt 17 Brücken befinden sich in der Verantwortung des Landes.

Die übrigen Potsdamer Brücken werden unter anderem durch das Wasser- und Schifffahrtsamt und die Stiftung Preußische Schlösser & Gärten verwaltet.

Die älteste bekannte Brückenverbindung der Stadt ist die Lange Brücke. Sie wurde bereits 1317 erstmals erwähnt. Die 2009 eröffnete Trambrücke ist bereits der siebte Brückenbau an dieser Stelle.

Von Peter Degener

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