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Neue Chance für den Gutshof in Uetz

Marodes Denkmal soll zu Wohnungen umgebaut werden Neue Chance für den Gutshof in Uetz

Es gibt wahrlich schönere Anblicke als den heruntergekommenen Gutshof in Uetz. Einer aber sieht den Reiz und das Potenzial des Anwesens. Sven Herbst, Chef der Valerum Invest AG, hat die denkmalgeschützte Immobilie gekauft und will sie zu modernen Wohnungen umbauen. Der Plan klingt vielversprechend, immerhin hat der Investor beeindruckende Referenzen vorzuweisen.

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Das Gutshaus in Uetz, der Langstall und die drei Kornspeicher sollen 34 Wohnungen beherbergen.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Uetz. So dick der Taubendreck auch die Balken verklebt, so garstig es bei jedem Schritt unter den Sohlen knirscht, dass man meint, jeden Augenblick durch die Decke zu brechen und in die Tiefe zu rauschen – Sven Herbst kann sehen, wie es in nicht allzu ferner Zukunft sein soll. Kann die lichtdurchfluteten Räume, sehen, die Dachterrassen und Loggien, die Wohn- und Kinderzimmer, die eleganten Bäder und Küchen. „Man braucht nur ein bisschen Fantasie“, sagt Sven Herbst. „Ein bisschen Fantasie und 20 Millionen Euro.“

Sven Herbst ist der neue Eigentümer des denkmalgeschützten aber zerfallenden Uetzer Gutshofes mit seinen gut 190000 Quadratmetern Land. Und er könnte der Retter eines Ladenhüters werden, von dem so mancher glaubte, dass er nicht mehr an den Mann zu bringen ist. Aber Sven Herbst hat Erfahrung mit solch kniffligen Kandidaten. Sein Unternehmen, die Valerum Invest AG, ist darauf spezialisiert, reizvolle, ruinöse Häuser zu kaufen, komplett durchzuplanen und nach dem Verkauf der Wohnungen auch zu sanieren.

Dabei kann Valerum eine Referenzliste vorweisen, die mehr als nur Hoffnung für das Uetzer Schatullguts schürt – die geradezu ein Versprechen ist. So hat die AG gemeinsam mit ihrem Baupartner, der Lewo Unternehmensgruppe, seit 2005 – vornehmlich in der Boomtown Leipzig – an die 80 Objekte saniert und erfolgreich auf den Markt gebracht – rund 66000 Quadratmeter Wohnfläche. Darunter finden sich so geschichtsträchtige Objekte wie die 1912 erbaute Leipziger Dependance der Dittersdorfer Filz- und Kratzentuchfabrik und die Globuswerke, wo zu DDR-Zeiten Reinigungsmittel wie Elsterglanz und Klarofix produziert wurden.

Das Schatullgut Uetz

Im Jahre 1836 kaufte König Friedrich Wilhelm III. Uetz, das bis 1945 königliches Schatullgut war.

Die Gutsanlage besteht aus dem Gutshaus, einem Langstall und drei Speichern. Der Hof liegt zwischen Dorfmitte und westlichem Dorfausgang an der Uetzer Dorfstraße und steht unter Denkmalschutz.

Das Gutshaus und die Speicher wurden nach einem Brand 1901 neu errichtet. Der Langstall wurde in den 1860er Jahren gebaut.

Zu DDR-Zeiten gehörte der Gutshof zur LPG Obstproduktion Marquardt. Dort waren unter anderem die Werkstatt, Büros, Küche, Unterkünfte für Erntehelfer untergebracht. nf

„08/15 kann jeder“, sagt Sven Herbst. „Für uns muss es schon etwas Besonderes sein.“ Und genau das sei der Gutshof: 34 Wohnungen von 80 bis zu 140 Quadratmetern sollen hier entstehen – vornehmlich für Familien, die ins Grüne wollen und trotzdem eine gute Verkehrsanbindung an die Großstadt schätzen. Mit dem Denkmalschutz, sagt Sven Herbst, habe er sich beraten und auf eine Linie geeinigt, noch bevor er seine Unterschrift unter den Kaufvertrag setzte. „In der nächsten Woche wollen wir den Bauantrag stellen und im Mai mit dem Verkauf beginnen.“ Läuft alles optimal, sind die Wohnungen in zweieinhalb Jahren bezugsfertig.

Bei dem Projekt hat Sven Herbst das große Ganze im Blick – dazu gehören auch der an die Autobahn grenzende Reiterhof, den seine Lebensgefährtin betreibt, und die umliegenden Felder. Der Reiterhof soll schon in den kommenden Wochen um- und ausgebaut werden – mit der Baugenehmigung rechne er täglich, sagt Sven Herbst. Den Uetzern wird er seinen Pläne Ende April im Ortsbeirat präsentieren.

„Eine große Chance für Uetz“ nennt Jens König das Vorhaben. „Wir haben 20 Jahre vergeblich gehofft, dass etwas passiert und lange Angst gehabt, dass unser Gutshof als Invest-Ruine endet“, sagt der stellvertretende Ortsvorsteher. „Wir sind froh, wenn’s wirklich vorangeht und das Gut erhalten bleibt.“ – Immerhin habe man schon einmal große Pläne für das Anwesen geschmiedet. Nach dem Zweiten Weltkrieg als Teil der LPG genutzt, wollte der Nachwende-Eigentümer daraus zunächst ein prunkvolles Golf-Resort machen, später einen Solarpark bauen. Doch der Großteil der Gebäude liegt seit Mitte der 90er brach.

Info: Sven Herbst ist eingeladen, sein Projekt am 26. April im Ortsbeirat vorzustellen. Die öffentliche Sitzung in der Uetzer Dorfstraße 15 beginnt um 19.30 Uhr.

Von Nadine Fabian

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