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Garnisonkirche: Seltsame Seminare

Potsdamer Debatte Garnisonkirche: Seltsame Seminare

Die Debatte um die Garnisonkirchen-Baustelle und das Areal drum herum findet derzeit in einem sonderbaren Zirkel statt: Die Stadt Potsdam gibt 150 000 Euro für einen „Bürger-Dialog“ aus. Die breite Öffentlichkeit ist allerdings ausgeschlossen.

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Garnisonkirchen-Bogen und Rechenzentrum.

Quelle: FOTO: Dpa

Innenstadt. Am Mittwochabend ist das „Dialog- und Beteiligungsverfahren Plantage – Rechenzentrum – Garnisonkirche“ nach der Sommerpause in eine neue Runde gegangen. Dabei dreht es sich um die Zukunft des Areals rund um den früheren Standort Garnisonkirche, aber auch um die künftige Gestaltung der Plantage zwischen Yorck- und Dortustraße. Die Runde setzte sich aus Befürwortern und Gegnern des Wiederaufbaus der Kirche und aus „Prozessbeteiligten“ wie den Vertretern der Max-Dortu-Grundschule als Anrainern der Plantage zusammen.

Finanziell gesehen ist der Bürgerdialog nicht gerade ein Vergnügen zum Schnäppchenpreis. Die für den Dialog angesetzten Kosten sind „vergleichbar mit den Kosten für den Teil der Bürgerbeteiligung im Rahmen der Werkstatt Lustgarten“, erklärt Stadtsprecher Jan Brunzlow. Sprich: etwa 150 000 Euro. Organisiert und moderiert wird der Dialog im Auftrag des Sanierungsträgers von der Potsdamer „Complan Kommunalberatung“ (ck) rund um Geschäftsführer Hathumar Drost. Complan hat auch beim Bürgerdialog zum Potsdam-Leitbild den Hut auf.

Bei der Veranstaltung am Mittwoch, zu der keine Presse zugelassen war, ging es um den weiteren Ablauf des Dialog- und Beteiligungsverfahrens, das Complan in einem Entwurf für einen „Letter of Intent“ (zu Deutsch: Absichtserklärung) skizziert hatte.

Da gibt es einen bunten Vorhabenreigen: von der Gründung eines Begleitkreises „als Gremium zur gemeinsamen Verständigung über die Ausgestaltung des Beteiligungsprozesses“ bis hin zur Planwerkstatt Plantage mit Kindern und Jugendlichen, die noch in diesem Jahr stattfinden wird und deren Ideen in die Vorbereitungsunterlagen zum Realisierungswettbewerb Plantage im Jahr 2016 einfließen sollen.

Schönstes Schmankerl für Beteiligungsfans ist aber das „Szenarienbasierte Planspiel“. Es soll an zwei Wochenenden im ersten Halbjahr 2016 durchgeführt werden. Die Teilnehmer: nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Potsdamer, Vertreter der Bürgerdialog-Beteiligten sowie Bau- und Architekturexperten.

Bei dem Planspiel, an dessen Ende ein Bürgergutachten stehen wird, sollen sich die Teilnehmer „in einem gemeinsamen Prozess mit den Gestaltungs- und Nutzungsmöglichkeiten befassen. Die Grundlage bilden Entwicklungsszenarien, die in unterschiedlichen zeitlichen Etappen durchgespielt werden“, heißt es in der Absichtserklärung.

Spiel-Szenario 1: Der Neubau von Kirchturm und -schiff der Kirche wird bis 2030 nicht realisiert. Das Rechenzentrum bleibt als Kunst- und Kreativhaus bis mindestens 2045 erhalten – alternativ ist die Variante zu berücksichtigen, dass das Rechenzentrum als Kunst- und Kreativhaus scheitert.

Szenario 2: Der Kirchturm wird zwischen 2016 und 2019 errichtet. Das Schiff folgt in den Jahren 2019 bis 2023. Demzufolge kann das Rechenzentrum als Kunst- und Kreativhaus bis 2018 genutzt werden.

Szenario 3: Der Turm der Kirche wird zwischen 2016 und 2019 errichtet. Das Schiff wird nicht gebaut. Das Rechenzentrum bleibt als Kunst- und Kreativhaus bis mindestens 2045 erhalten. Alternativ ist die Variante zu berücksichtigen, dass die Nutzung des Rechenzentrums als Kunst- und Kreativhaus nicht fortgesetzt wird.

Gespielt wird aber nicht zum Spaß, sondern mit hehren Zielen: „Die Ergebnisse des Planspiels werden in einem Bürgergutachten zusammengefasst und an die Stadtverordnetenversammlung übergeben“, steht im „Letter of Intent“ zu lesen.

Bei den Teilnehmern der Dialogveranstaltung am Mittwoch fiel die Resonanz unterschiedlich aus. Für Lutz Boede (BI „Potsdam ohne Garnisonkirche“) bleibt „die Frage nach dem Spielraum, wenn das Ergebnis des Bürgerdialogs nicht verbindlich ist“. Ein weiterer Kritikpunkt: Die Nicht-Öffentlichkeit der Veranstaltung: „Angeblich sollte der Dialog doch transparent sein“, kritisiert Boede.

Willo Göpel vom Bauverein Stadtkanal: „Es hat sich gezeigt, dass gar nichts zu entscheiden ist. Mit den Hororaren für das Dialogverfahren hätte man besser hundert Meter Stadtkanal rekonstruieren können.“

Man habe die Anwesenden gebeten, „mögliche Hinweise und Wünsche in den kommenden Wochen zurückzumelden“, teilten die Veranstalter gestern mit.

Von Ildiko Röd

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