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Neue Kurzzeitpflege auf Bergmann-Campus

Pflege in Potsdam Neue Kurzzeitpflege auf Bergmann-Campus

Auf dem Campus des Bergmann-Klinikums gibt es nun 19 Kurzzeitpflegeplätze, die schon jetzt stark nachgefragt sind. Perspektivisch braucht Potsdam mehr Plätze für Pflegebedürftige, die vorübergehend stationär betreut werden müssen.

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Die Kurzzeitpflege befindet sich im ehemaligen Bettenhaus des Bergmann-Klinikums.

Quelle: Foto: Kaufmann

Potsdam. Der Klinikaufenthalt ist beendet, aber die Familie hat noch nicht alles für die Pflege zu Hause vorbereitet oder der Platz in der Reha ist erst später frei. Die Rentnerin wird in den eigenen vier Wänden von ihrer Tochter gepflegt, aber nun ist diese selbst krank. Was dann? Für diese Fälle gibt es in Potsdam ein neues Angebot: Die Ernst von Bergmann Care gGmbh hat auf dem Klinikcampus eine Kurzzeitpflege mit 19 Plätzen eingerichtet. Dass dieses Angebot in der wachsenden Landeshauptstadt dringend benötigt wird, zeigt die Nachfrage: Drei Wochen nach dem Start ist die Einrichtung, die am Dienstag offiziell eröffnet wurde, fast komplett ausgelastet.

Vier, maximal acht Wochen können die Pflegebedürftigen die Betreuung in Anspruch nehmen, erläutert René Schulz, Abteilungsleiter Pflege bei der Care gGmbh, einer vor eineinhalb Jahren gegründeten Tochtergesellschaft der Hoffbauer-Stiftung und des Bergmann-Klinikums. „Wir sind zu 80 bis 100 Prozent ausgelastet“, so Schulz.

„Wir haben den Bedarf in Potsdam“, sagt auch Klinik-Pflegedirektorin Steffi Schmidt. „Es wird wohl nicht bei 19 Plätzen bleiben“. In den beiden Seniorenhäusern auf Hermannswerder und am Charlottenhof bietet Care insgesamt drei weitere Kurzzeitpflegeplätze. Vorteil der Einrichtung auf dem Bergmann-Campus: Fachärzte sind im Notfall schnell zur Stelle.

Dass es in Potsdam bei allen Pflegeformen zu Engpässen kommen wird, sei schon früh absehbar gewesen, so Sozialdezernent Mike Schubert (SPD). „Wir sind in einer sehr schwierigen Situation.“ Bis 2035 wird Prognosen zufolge der Anteil der Potsdamer über 80 Jahre um 66 Prozent steigen. 2013 sei noch ein Bedarf von rund 30 Kurzzeitpflegeplätzen für Potsdam berechnet worden. „Nun wurde für 2018 bereits mit 68 erforderlichen Plätzen geplant“, so Schubert.

Der Pflegenotstand in der Landeshauptstadt beruht wie berichtet auch auf einem Fachkräftemangel. „Es war eine schwierige Suche nach engagiertem Personal“, so Einrichtungsleiterin Angela Sievers. Auch durch Unterstützung der Agentur für Arbeit sei es aber gelungen, ein gutes Team zusammenzustellen. Zwölf Mitarbeiter, teils in Teilzeit, arbeiten in der Kurzzeitpflege, darunter auch zwei Männer. Eine Vollzeitstelle soll noch besetzt werden.

Pflegeausbildung soll breiter gefächert werden

Eine Mitarbeiterin konnte direkt nach der Ausbildung an der Hoffbauer-Altenpflegeschule übernommen werden. Die Bezahlung, die zumindest bei privaten Diensten in Potsdam oft schlechter ist als im benachbarten Berlin, sei weniger das Problem, ist Frank Hohn, Geschäftsführer der Hoffbauer gGmbH überzeugt. „Man verdient nicht so schlecht in der Altenpflege.“ Der anstrengende Beruf müsse auch auf andere Weise attraktiv gemacht werden. Ein wichtiger Ansatz aus seiner Sicht: eine generalistische Pflegeausbildung, die einen späteren Wechsel in andere Bereiche jenseits der Seniorenbetreuung ermöglicht. „Die durchschnittliche Verweildauer von Mitarbeitern in der Altenpflege beträgt nur sieben Jahre“, so Hohn. Wer sicher sein könne, dass er mit seinem Generalwissen auch in anderen Gesundheitsbereichen eine Chance hat, entscheide sich vielleicht zunächst eher für den Beruf des Altenpflegers. Der übliche Schichtdienst sei zudem nicht familienfreundlich – für einige Frauen, die in der Branche dominieren, ein Grund, den Job aufzugeben.

Auch über das Für und Wider von entlastenden Pflege-Robotern, wie sie derzeit auf der Hannover-Messe gezeigt werden, müsse in Zeiten des demografischen Wandelns zumindest diskutiert werden, erklärte Hohn am Rande der Eröffnungsfeier am Dienstag.

Pflegekassen geben Zuschuss

Die Pflegekassen übernehmen in der Regel zumindest einen Teil der Kosten einer Kurzzeitpflege. Die anfallenden Pflegekosten werden mit einem Pauschalbetrag von 1612 Euro pro Jahr bezuschusst.

Ab Pflegegrad 2 hat man seit 1. Januar zudem Anspruch auf 100 Prozent des nicht genutzten Budgets der sogenannten Verhinderungspflege, insgesamt also 3224 Euro pro Jahr.

Für Selbstzahler liegen die Kosten laut Pflege-Abteilungsleiter René Schulz bei 100 bis 120 Euro pro Tag.

Von Marion Kaufmann

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