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Neuer Museumschef in der Alexandrowka

Hary Soerijanto will den Zusammenhalt stärken Neuer Museumschef in der Alexandrowka

Der gebürtige Indonesier Hary Soerijanto (sprich: Surijanto), wohnhaft in Berlin, ist bereits seit diesem Sommer neuer Leiter des Museums Alexandrowka. In der kurzen Zeit seines Daseins hat Soerijanto schon viel auf die Beine gestellt. So hat er unter anderem einen Dokumentarfilm über die Bewohner des "Dorfes" gedreht, der am Freitag im Museum uraufgeführt wird. Überraschende Einblicke und Anekdoten inklusive.

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Hary Soerijanto.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Alexandrowka. Die Blätter an den Bäumen in der Alexandrowka werden zusehends weniger; auch die Touristen, die im Sommer noch in Scharen durch die Mini-Kolonie strömten. In der Alexandrowka selbst kann man aber erfreulichen Zuwachs vermelden: Das vom westfälischen Arzt Hermann Kremer begründete Museum, das Teil von seiner Potsdam-Stiftung ist, hat wieder einen neuen Leiter. Dessen Eckdaten: Jahrgang 1971; wohnhaft in Berlin - und gebürtiger Indonesier.

Dass Hary Soerijanto (sprich: Surijanto) seit diesem Sommer die Geschicke des Museums leitet, sorgt bei einzelnen Besuchern für gerunzelte Augenbrauen: Was denn ein Asiate mit dem urpreußisch-russischen Erbe zu schaffen habe, will manch selbsternannter Verteidiger des Traditionsgutes wissen, wenn Soerijanto am Kassentresen steht. Ein anklagender Unterton schwingt dann mit: So, als müsste man mindestens Iwan Rebroff oder Wilhelm Piefke heißen, um sich um diese Historie kümmern zu dürfen. Und dann kommt da ein Indonesier? Ein promovierter Naturwissenschaftler (Technische Chemie) gar?

Dabei hat Soerijanto in der kurzen Zeit seines Alexandrowka-Daseins schon ganz schön viel auf die Beine gestellt. So hat er unter anderem einen Dokumentarfilm über die Bewohner des "Dorfes" gedreht, der am Freitag im Museum uraufgeführt wird: "Ich wollte wissen, was die Bewohner über die Geschichte ihres Hauses wissen und wie die Geschichte der Alexandrowka weitergetragen wird." Überraschende Einblicke (etwa der Eingang des einzigen Luftschutzbunkers der Kolonie) und Anekdoten inklusive: Woran kann man zum Beispiel das erste "Musterhaus" erkennen? Antwort: An der eingravierten königlichen Krone nebst Jahreszahl. Für die musikalische Umrahmung der Dokfilm-Premiere werden zwei "Eingeborene" sorgen: Lutz Andres spielt vor dem Film auf; danach sorgt ein DJ, Sohn eines Kolonisten, für Tanzlaune. Man merkt: In kürzester Zeit ist Hary Soerijanto Teil des russisch-märkischen Mikrokosmos geworden. Er kommt sogar mit jenen Kolonisten klar, die als etwas eigenbrötlerisch gelten. Und er kennt die Insider-Storys wie jene von dem medienbekannten Potsdamer, der dem Vernehmen nach Interesse am Kauf eines Häuschens bekundet haben soll, aber nicht zum Zuge kam.

Hary Soerijanto verfügt über das Talent des aufmerksamen Zuhörens. Sein "Türöffner" ist dabei der Humor. Immer wieder blitzt Ironie in seinen Erzählungen auf, auch wenn er seinen eigenen Werdegang skizziert. "Das Lachen", erklärt er die Grundeinstellung in seiner Heimat, "macht das Leben leichter, das ohnehin schwer genug ist." Bei ofenwarmen Keksen (indonesisch, mit superleckerer Ananasfüllung!) und selbstgemachtem Johannisbeersaft erzählt er von dieser Heimat, einem Städtchen im Osten der Insel Java: "Sitobondo ist klein: Wenn man mit 60 Stundenkilometern im Auto fährt, ist der Ort nach einem Lied aus dem Autoradio vorbei." 200 Kilometer war die nächste gute Oberschule entfernt. Soerijanto Senior wollte, dass seine fünf Kinder das bekommen, was er sich selbst erträumt hatte: ein Studium. "Bildung ist sehr wichtig, mein Papa meinte: Geld kann man in einer Nacht verlieren, aber was man weiß, kann nicht weggenommen werden." Bei allen hat es mit dem Studium geklappt; eine Schwester lebt zum Beispiel als Betriebswirtin in Amsterdam.

Und was hat den Chemiker, der Anfang der 90er nach Deutschland kam und über die "Herstellung von Wasserstoff für mobile Anwendungen" promovierte, in die Alexandrowka verschlagen? Zum einen war es die Bekanntschaft mit dem Sohn des Museumspächters, der ihn auf den vakanten Posten aufmerksam machte. Nach zwölf Jahren als Wissenschaftler an der Technischen Universität war Soerijantos Zeitvertragsregelung ausgelaufen. Beim Angebot Alexandrowka griff er gern zu. Hier kann er seine zweite Leidenschaft ausleben, das Engagement für die Umwelt als Aktivist der Baumpflanzorganisation "Wikiwoods". Im Museum hat er schon ein Obstveredelungsseminar veranstaltet. Auch sonst steckt er voller Pläne für die Alexandrowka, die "viel mehr öffentliche Aufmerksamkeit verdienen würde", wie er findet. So wie er sich früher in seine Forschung reingekniet hat oder in die ehrenamtlichen Ferieneinsätze bei Caritas-Workcamps will er sich jetzt voller Kraft der Kolonie widmen. Beispiel: Die Wiederbelebung des Apfelfestes. "Von der Stadt, die das Fest bislang finanziert hat, gibt es dafür leider bis 2016 kein Geld mehr", bedauert der Museumschef.

Einst wurde die Kolonie als Zeichen der Verbundenheit zwischen Russland und Preußen gegründet. Mit Hary Soerijanto kommt noch mal eine neue Nuance in den internationalen Mix, schon rein kulinarisch: Am Freitag wird neben russischen Pelmeni auch italienische und asiatische Küche angeboten.

Von Ildiko Röd

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