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Neuer Streit um Lindenstraße

Fraktion Die Andere bezichtigt Potsdam der Ignoranz gegenüber Verbänden von NS-Opfern Neuer Streit um Lindenstraße

Ignoranz gegenüber Verbänden von NS-Opfern wirft Lutz Boede als Geschäftsführer der Fraktion Die Andere der Stadtspitze vor. Er bezieht sich dabei auf Antworten des Oberbürgermeisterbüros auf eine kleine Anfrage der Fraktion zur Eröffnung der letzten von insgesamt fünf Ausstellungsabteilungen der Gedenkstätte Lindenstraße 54 für die Opfer politischer Gewalt im 20. Jahrhundert.

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Die Lindenstraße 54 wurde 1995 von den Stadtverordneten zur Gedenkstätte ernannt.

Quelle: Joachim Liebe

Potsdam. Das sogenannte NS-Modul dokumentiert die Lindenstraße 54 in den Jahren 1933 bis 1945 als Sitz des "Erbgesundheitsgerichts" und der dem NS-Regime verpflichteten Amts- und Landgerichte sowie als Haftanstalt des benachbarten "Volksgerichtshofs".

Die Andere fragte die Stadtspitze, warum zur Eröffnung am 12. September die Arbeitsgemeinschaft Bund der "Euthanasie"-Geschädigten und Zwangssterilisierten, die Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz und die Vereinigung der Verfolgten des NS-Regimes ‒ Bund der Antifaschisten (VVN‒BdA) "weder um ein Grußwort gebeten noch eingeladen" worden seien. Antwort aus dem Büro des Oberbürgermeisters: Es sei "üblich, Ausstellungen mit Beiträgen der Vertreter der Institutionen zu gestalten, die an der Erarbeitung und Finanzierung der Ausstellung beteiligt waren ... Leider war es dem letzten uns bekannten lebenden Opfer aus der NS-Zeit der Gedenkstätte nicht möglich, an diesem Abend an der Eröffnung dabei sein zu können".

Eine weitere Frage der Anderen betrifft die Berücksichtigung von "Vorschlägen und Wünschen", die Vertreter der Opferverbände im Frühjahr im Rahmen eines Workshops zur Gestaltung der Gedenkstätte geäußert hätten. Genannt werden eine Änderung des Namens der Gedenkstätte, eine gleichberechtigte Vertretung der vor und nach 1945 in der Lindenstraße Verfolgten in den Gremien einer geplanten Stiftung für die Gedenkstätte, sowie die Einrichtung eines eigenen Gedenkortes für die NS-Opfer in oder vor der Gedenkstätte.

Statt einer Antwort verweist das Büro des Oberbürgermeisters auf die von den Stadtverordneten am 30.Januar beschlossene Gründung einer Stiftung Gedenkstätte Lindenstraße, der "wesentliche Fragen der inhaltlichen Gestaltung" überlassen bleiben sollen. Stiftungssatzung und eine Verwaltungsvereinbarung mit dem an der Stiftung beteiligten Kulturministerium würden vom Oberbürgermeister im November in einer Vorlage "zur Beschlussfassung" in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. "Darin werden sich auch Vorschläge bezüglich des Beirats finden."

DIE GEDENKSTÄTTE LINDENSTRAßE 54

Die Lindenstraße 54 wurde 1995 von den Stadtverordneten zur Gedenkstätte ernannt. Die lange Zeit als Gefängnis und Gericht genutzten Gebäude sollten in den folgendem Jahren zu einem Gedenk-, Erinnerungs- und Lernort für die Opfer politischer Verfolgung und für die Aufarbeitung der Diktaturgeschichte des 20. Jahrhunderts werden.

Eine fünfteilige Dauerausstellung informiert mittlerweile über die Geschichte der Lindenstraße vor 1933, in der NS-Zeit von 1933 bis 1945, als vom sowjetischen Geheimdienst genutzter Gerichts- und Gefängniskomplex von 1945 bis 1952, als Untersuchungsgefängnis der DDR-Staatssicherheit von 1952 bis 1989, sowie als Haus der Demokratie ab 1990.

Bis 2011 wurde die Lindenstraße 54 als Außenstelle des Potsdam-Museums betrieben. Auf Stadtverordnetenbeschluss wird sie seit Januar 2012 eigenständig geführt. Im Januar 2014 soll die Gedenkstätte in einer von der Stadt und dem Kulturministerium gemeinsam gegründeten Stiftung aufgehen. 

Von Volker Oelschläger

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