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Potsdam Neues Ärztehaus für Babelsberg
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10:15 12.10.2017
Das markante Eckhaus in der Rudolf-Breitscheid-Straße soll saniert werden und dann Platz für zwei weitere Praxen bieten. Quelle: Foto: Bernd Gartenschläger
Babelsberg

Zumindest für zwei Praxen aus dem auf der Kippe stehenden Ärztehaus im ehemaligen Strahleninstitut ist eine Lösung gefunden: Sie können in Babelsberg bleiben, und zwar an exponierter Stelle: Die Urologie sowie die Allgemeinmediziner-Praxis ziehen im Herbst 2018 in das Eckhaus gegenüber dem Rathaus Babelsberg und bilden dort mit den beiden bereits untergebrachten Praxen ein neues Ärztehaus für den Stadtteil. Das Gebäude in der Rudolf-Breitscheid-Straße, das seit vielen Jahren mit seiner grauen Fassade im Babelsberger Zentrum negativ heraussticht, wird zudem durch einen neuen Eigentümer denkmalgerecht saniert.

„Die Lösung hat sich für uns angeboten“, sagt Allgemeinmediziner Ulrich Wüllenkemper, der seit Jahren in der Kopernikusstraße praktiziert und lange für den Erhalt des dortigen Ärztehauses gekämpft hat. Dessen Zukunft ist weiter ungewiss. Wie berichtet, hat die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) das denkmalgeschützte Backsteinhaus trotz Protesten von Ärzten und Patienten an den Hamburger Immobilienfonds Evoreal verkauft, der es weiterveräußern will. Die Ärzte, die teils nur Jahresmietverträge hatten, fürchten, dass dort Luxuswohnungen eingerichtet werden und die Praxen vertrieben werden sollen. Auch Gesundheitsdezernent Mike Schubert (SPD) hat sich hinter den Kulissen für den Erhalt des Traditionsstandorts im ehemaligen Strahleninstitut eingesetzt. Doch die Stadt kann keinen direkten Einfluss auf den privaten Projektentwickler aus Hamburg nehmen, der nach eigenem Bekunden mehrere Interessenten für das Objekt hat.

Ein Schmuckstück im Herzen von Babelsberg

Im Haus in der Rudolf-Breitscheid-Straße werden die Ärzte nach der Sanierung, die nach MAZ-Informationen im neuen Jahr beginnen soll, gute Bedingungen vorfinden. „Die Räume sind größer und es gibt einen Aufzug, was für ältere Patienten wichtig ist. Zudem ist das Haus direkt am S-Bahnhof sehr gut gelegen, gegenüber gibt es zudem das Edeka-Parkhaus“, sagt Hartmut Kulka, Inhaber der Linden-Apotheke, die sich im Erdgeschoss des Hauses befindet. Neben der Apotheke gibt es in der ersten und zweiten Etage des Gebäudes bereits eine Allgemeinarztpraxis und eine Praxis für Diabetologie. In die dritte und vierte Etage sollen die Praxen Wüllenkemper und Radtke sowie die Urologie Dietrich ziehen. Die Räume müssen erst hergerichtet werden. Zudem will der neue Eigentümer das Dach erneuern und die Außenfassade originalgetreu mit Stuck restaurieren. Das Haus stammt aus dem Jahr 1906 und gehörte einer jüdischen Ergebengemeinschaft, wie Apotheker Hartmut Kulka weiß. Weil die teils hochbetagten Erben über die ganze Welt verstreut leben und keine Einigung über die mehrere Millionen Euro teuren Arbeiten erzielt werden konnte, blieb das Haus über viele Jahre unsaniert. Für viele Babelsberger also eine doppelt gute Botschaft: Sie bekommen direkt im Herzen des Stadtteils ein Ärztehaus und ein optisches Schmuckstück.

Den verbleibenden Medizinern in der Kopernikusstraße hilft das aber nicht weiter. Das Eckhaus in der Rudolf-Breitscheid-Straße ist dann voll belegt, Platz für weitere Praxen gibt es nicht. Gynäkologe, Zahnarztpraxis und Radiologie im ehemaligen Strahleninstitut schauen weiter einer ungewissen Zukunft entgegen. Für die Brunnen-Apotheke im Ärztehaus ist der Weggang von Allgemeinarzt und Urologe ein schwerer Schlag. Ein Großteil der Kunden kämen von den beiden Praxen, sagt Inhaberin Erika Rosenow. „Aber ich bin Kummer gewöhnt“, sagt die Apothekerin. 2009 sei wegen der seit Jahren unklaren Lage im sanierungsbedürftigen Ärztehaus die erste Praxis ausgezogen, 2013 folgte die nächste. Für sie sei jedenfalls klar: Ein Umzug lohnt sich nicht mehr, geeignete Räume zu finden ist zu schwer. „Wir machen erst einmal weiter und warten, was passiert“, sagt die 61-Jährige.

Unsichere Zukunft in der Kopernikusstraße

Das Ärztehaus in der Kopernikusstraße steht unter Denkmalschutz. Im damaligen Nowawes entstand es 1927 als Verwaltungsgebäude für die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK). Neben der Verwaltung wurden hier auch medizinische Einrichtungen untergebracht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Schwerpunkt auf Radiologie verlagert. Nach der Wende wurde das Strahleninstitut aufgelöst und das Gebäude zu einem Ärztehaus umfunktioniert.

Durch den Verkauf des Gebäudes durch die AOK ist die Zukunft für die Arztpraxen ungewiss. Die Krankenkasse begründet den umstrittenen Verkauf damit, dass sie mit den Beitragsgeldern wirtschaftlich umgehen müsse.

Die Stadtverordneten stimmten im Juli einem Antrag der Linken zu, wonach sich die Stadt für den Erhalt des Ärztehauses einsetzen solle. Versuche, etwa das Oberlinhaus als Käufer zu gewinnen, scheiterten bislang.

Von Marion Kaufmann

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