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Potsdam Neues Gleis, aber die Probleme bleiben
Lokales Potsdam Neues Gleis, aber die Probleme bleiben
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14:47 12.04.2016
Dauern an: Gleisbauarbeiten zwischen Potsdam und Berlin. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Babelsberg

Eine von Verkehrsfachleuten bereits seit Jahrzehnten gestellte Forderung an den Bahnverkehr zwischen Potsdam und Berlin könnte zumindest teilweise umgesetzt werden: Zwischen der Nuthebrücke in Babelsberg und dem Hauptbahnhof soll bis zum Frühjahr 2019 ein zweites Gleis für die S-Bahn entstanden sein. Das stellte ein Bahnsprecher jetzt in Aussicht. Voraussetzung sei aber eine Klärung der noch offenen Finanzierungsfrage, die bislang immer zwischen Bund und Land hin und her geschoben wurde. Zwischen fünf und sechs Millionen Euro rechnet die Bahn inzwischen an Investitionskosten für die sehr kleine Lösung.

Zweites Gleis nur eine Notlösung

Gemessen an den bis zu 100 Millionen Euro, die an Investitionen für den vollständigen zweigleisigen Ausbau der S-Bahn-Strecke zwischen Wannsee und dem Potsdamer Hauptbahnhof gerechnet werden, wäre das natürlich ein Klacks.

Allerdings gleich in mehrfacher Hinsicht: „Das ist allenfalls ein kleine Notlösung“, kommentiert Jens Wieseke vom Berliner Fahrgastverband, der auch für Brandenburg zuständig ist, die Bahn-Ankündigung. Der eigentliche Knackpunkt der nach wie vor eingleisigen Verbindung, die immer wieder zu Verspätungen und Zugausfällen führt, wäre der zweigleisige Ausbau auf dem Abschnitt Griebnitzsee-Wannsee. Das wird vom Bahnkundenverband genauso gesehen.

Doch nicht nur das: Selbst wenn der zweigleisige Miniausbau zwischen Babelsberg und Hauptbahnhof kommt und wenigstens kleine Verbesserungen der Störungsanfälligkeit der S-Bahn zwischen Bundes- und Landeshauptstadt bringen würde, wird er zwei Jahre später schon wieder vorläufig nutzlos sein.

Nach den gerade angelaufenen Gleiserneuerungsarbeiten, die das Potsdamer Zentrum über Monate immer wieder vom S-Bahnverkehr abschneiden (MAZ berichtete), will die Bahn 2021/2022 fünf Brücken der Trasse in Babelsberg sanieren und ausbauen. Jeweils für ein Jahr wird daher die S-Bahn- und die Regional-/Fernbahnanbindung nach Berlin vollständig gekappt.

Das Chaos war absehbar

„Das ist katastrophal, war aber absehbar“, sagt Karsten Müller, Vorsitzender des Bahnkundenverbandes in Potsdam-Mittelmark. Die Bahnverbindung zwischen Potsdam und der Berliner Innenstadt ist eine der wichtigsten Pendlerstrecken der Region. Rund 14 000 Potsdamer arbeiten in Berlin. Umgekehrt zieht es etwa die gleiche Zahl Berliner zum Arbeiten in die brandenburgische Landeshauptstadt. Dazu kommen zahlreiche Studenten. Etwa jeder zweite Potsdamer Student wohnt in Berlin.

Die Brücken seien „marode“ und nach der Vereinigung ohne jegliche Sanierung geblieben, so Müller: „Das muss gemacht werden.“ Betroffen sind die Brücken der S- und Fernbahnstrecke über die Karl-Liebknecht-Straße, die Wattstraße, die Anhaltstraße, die Plantagenstraße und die August-Bebel-Straße. Außerdem soll der Bahndamm verbreitert werden. Abschnittsweise sollen zunächst über ein Jahr hinweg die Teile der Regional- und Fernbahnstrecke und dann der S-Bahn-Trasse in Angriff genommen werden. Für die S-Bahn und den Regionalverkehr Richtung Berlin sowie die wenigen verbliebenen Fernzüge heißt das jeweils mindestens zwölf Monate Zwangspause.

Sorgen über Sorgen

Sorgen bereitet nicht nur der wiederum unterbrochene Bahnverkehr. Auch denkmalpflegerische Bedenken werden laut. Der S-Bahnhof Babelsberg steht unter Schutz. 1862 unter dem Namen „Neuendorf“ ursprünglich als Sonderhalt für die Hofzüge des preußischen Königs an der Stammbahn eingerichtet, hing seine verkehrspolitische Bedeutung später immer wieder von den Ereignissen der deutschen Geschichte wie dem Mauerbau 1961 und deren Fall 1989 ab.

Unklar ist, inwiefern auch Teile der Brücken Wattstraße und Karl-Liebknecht-Straße mit zum Bahnhofsensemble gehören und damit ebenfalls unter Schutz stehen. Befürchtet wird auch, dass eventuell nötig werdende Lärmschutzmaßnahmen nach der Sanierung die Sicht auf das Bauwerk versperren. „Die Denkmalbehörde der Stadt muss in jedem Fall in die Planungen einbezogen werden“, fordert die Architektin und SPD-Stadtverordnete Babette Reimers. Zudem müsse für den Lärmschutz zunächst einmal eine Datengrundlage geschaffen werden.

Die Stadt begrüße „die geplante Investition und langfristige Information“ zunächst einmal, sagt Sprecher Jan Brunzlow. Der Denkmalschutz könne in der Zwischenzeit bis zum Baubeginn noch intensiv mit der Bahn besprochen werden. Das sichert auch das Verkehrsunternehmen zu, verweist aber auf ein noch ausstehendes Planfeststellungsverfahren durch das Eisenbahnbundesamt.

Von Gerald Dietz

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