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Neues zur NS-Karriere von Herms Niel

Schenkung für das Potsdam-Museum Neues zur NS-Karriere von Herms Niel

Das Potsdam-Museum hat Dokumente zur NS-Karriere des Musikers und Komponisten Herms Niel bekommen. Der Potsdamer leitete den Musikzug der Reichsführerschule des Arbeitsdienstes und gilt als bedeutendster Marschliederkomponist des „Dritten Reichs“. Das Material soll in eine 2018/19 geplante Sonderausstellung „Umkämpfte Wege der Moderne“ einfließen.

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Herms Niel (l.) mit dem Reicharbeitsführer Konstantin Hierl, dahinter Minister Wilhelm Frick, auf einer undatierten Aufnahme.

Potsdam. „Herms Niel, den Namen lesen wir so oft in den Sendefolgen des Rundfunks. Und jedesmal ist es eine besondere Freude, seine schmissige Musik aus dem Lautsprecher zu hören.“ Mit diesen Worten eröffnete eine Illustrierte ihre Reportage über „Herms Niel und seine Marschmusik – Der Reichsmusikzug des Arbeitsdienstes“. Tragendes Bild ist eine Aufnahme des Dirigenten beim Reichsparteitag der NSDAP 1937 in Nürnberg.

Der Name Herms Niel (1888-1954), laut Wikipedia „der bedeutendste Marschliederkomponist des ,Dritten Reiches’“, ist eng mit Potsdam verbunden. Mitte der 1930er Jahre lief seine Karriere glänzend. Der Schlager „Im Rosengarten von Sanssouci“ war 1928 sein erster Hit.

Konzert des Musikzugs der Reichsführerschule des Arbeitsdienstes in preußischen Traditionsuniformen vor den Communs in Potsdam

Konzert des Musikzugs der Reichsführerschule des Arbeitsdienstes in preußischen Traditionsuniformen vor den Communs in Potsdam.

Quelle: Potsdam-Museum

Bereits im Ersten Weltkrieg Militärmusiker, gründete Herms Niel alias Ferdinand Friedrich Herrmann Nielebock, 1927 sein eigenes „Potsdamer Ritterschaftsorchester“. Unter dem Namen „Potsdamer Tonkünstler Orchester“ sollte der Klangkörper schon bald auf 60 Musiker anwachsen. 1933 komponierte Niel „Der Geist von Potsdam“, ein Werk, das nach Angaben des Potsdamer Musikwissenschaftlers und Herms-Niel-Biografen Thomas Freitag „Händelsche Melodik, berühmte Preußenmärsche und im Trioteil das Horst-Wessel-Lied bekenntnishaft vereinte“.

Im März 1934 wurde Nielebock zum Leiter des Musikzuges der Reichsführerschule des Arbeitsdienstes ernannt, die im Marstall und im

Hans Hörnigk

Hans Hörnigk: Parade des RAD-Musikzuges unter Leitung von Herms Niel vor den Communs in Potsdam um 1938

Quelle: Potsdam-Museum

Südcommun des Neuen Palais untergebracht war. Der Aufmarsch des Musikzuges in preußischen Traditionsuniformen und in der Uniform des Reicharbeitsdienstes ist ein Motiv, das sich mehrfach findet in einer Sammlung mit Malerei, Fotografien und Dokumenten, die jetzt über die Vermittlung von Thomas Freitag als Schenkung ans Potsdam-Museum ging.

Aufbewahrt wurden die Zeitzeugnisse in Bayern von Klaus-Peter Kobl, dessen Vater Fritz seit 1936 Mitglied und über viele Jahre Geschäftsführer des von Herms Niel geführten Musikzuges war. In einem im Juni 1946, mehr als ein Jahr nach dem Kriegsende, im Potsdamer Ortsteil Eiche aufgesetzten Zeugnis lobte Nielebock Kobl als „sehr gewissenhaften und ehrlichen Menschen“: „Ich kann diesen guten Kollegen und Kameraden nur einfach empfehlen und ihm nur wünschen, dass er auf seinen zukünftigen Arbeitsplätzen dieselbe Anerkennung findet.“

Auftritt des Musikzuges unter Leitung von Nielebock in Berlin um 1935

Auftritt des Musikzuges unter Leitung von Nielebock in Berlin um 1935.

Quelle: Potsdam-Museum

Das Fotoalbum Fritz Kobls liefert die Bilder zur Musikerkarriere Nielebocks nach 1933. Ein Auftritt des 50-Mann-Orchesters um 1935 in Berlin, der Dirigent in der Mitte des Bildes vor einem großen Hitler-Porträt. Nielebock mit dem Reichsarbeitsführer Konstantin Hierl auf einer undatierten Aufnahme. Bilder von Reichsparteitagen in Nürnberg mit Zehntausenden Angehörigen des Reichsarbeitsdienstes in Formation. Dazu die Reportage der Illustrierten mit Nielebock auf dem Dirigentensockel.

Eine Aufnahme von Nielebock mit der glühenden Hitler-Verehrerin Winifried Wagner 1940 am Rande der Bayreuther Festspiele. Fotografien von Auftritten des Orchesters im von der Wehrmacht besetzten Europa – in Frankreich, Norwegen, Belgien, Bulgarien, Ungarn. Schließlich, das steht als handschriftlich neben dem in einem Arbeitszimmer entstandenen Bild, „Fritz mit seinem Chef bei Besprechung – Fritz war Verwalter des Orchesters und auch Musiker (persönlicher Referent)“.

Nielebock, der mit Kompositionen wie „Denn wir fahren gegen Engeland“, „Erika“, dem „Panzerkampflied“ oder „Wir stürmen dem Siege entgegen“ nach Einschätzung seines Biografen Freitag „den kompletten Sound zu Hitlers Krieg“ geliefert hatte, blieb nach dem Kriegsende weitgehend unbehelligt. Kurzzeitig von der sowjetischen Militäradministration festgesetzt, gab er in der Kaserne Potsdam-Eiche ein gutes Jahr Unterricht für russische Musiker. Erst im November 1946 setzte er sich in das von den Briten besetzte Emsland ab.

Aufnahme von Nielebock beim  NSDAP-Reichsparteitag 1937 in Nürnberg

Aufnahme von Nielebock beim NSDAP-Reichsparteitag 1937 in Nürnberg.

Quelle: Potsdam-Museum

Im Dezember 1949 wurde in Hannover die „Entnazifizierung“ Nielebocks bekannt gegeben und begründet: „Der Betroffene ist kein politischer Mensch.“ Er sei vielmehr „ein etwas schwärmerischer, aber auch temperamentvoller Vollblutmusiker und daneben auch Verseschmied, der in erster Linie Tanzlieder, die von Mädchen und Liebe handelten, dichtete und vertonte“. 1954 wurde Nielebock in Potsdam-Eiche bestattet. Seine Grabstätte ist erhalten geblieben.

Wenke Nitz, Historikerin am Potsdam-Museum, begrüßte die Schenkung als wertvollen Zugang für die Sammlung des Hauses. Wie berichtet, ist das Museum für eine 2018/19 geplante Sonderausstellung „Umkämpfte Wege der Moderne. Potsdam und Babelsberg 1914-1945“ auf der Suche nach Zeugnissen der Potsdamer Zeitgeschichte.

Umkämpfte Wege der Moderne

Das Potsdam-Museum bereitet für 2018/19 eine Doppelausstellung „Umkämpfte Wege der Moderne. Potsdam und Babelsberg 1914-1945“ vor. Thema der Ausstellung sind Potsdam und Babelsberg als Schauplatz des Kampfes um die politische Gestaltungs- und Deutungshoheit.

Seit 2015 laufen die Vorbereitungen für die Sonderausstellung, mit der Forschungslücken zur Stadtgeschichte in der Weimarer Republik und der NS-Zeit geschlossen werden sollen. Die Ergebnisse sollen auch in die voraussichtlich 2023 neu gestaltete Dauerausstellung einfließen.

Von Volker Oelschläger

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