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„Nicht mit Absicht“ mit dem Tod gedroht

Prozess in Potsdam „Nicht mit Absicht“ mit dem Tod gedroht

Er war volltrunken und neben der Spur, weil sich die Freundin von ihm getrennt hatte. Das entschuldigt aber nicht, was André M. getan hat: Der 24-jährige Potsdamer hat im Mai 2015 einen Passanten in Babelsberg mit einem Revolver bedroht. Ein Verstoß gegen das Waffengesetz – auch wenn es sich „nur“ um eine Schreckschusswaffe handelte.

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Quelle: dpa

Potsdam. Vieles, was in jener Nacht gesagt wurde, hat Abram H. (39) inzwischen vergessen. Einen kurzen Satz aber, nur fünf Worte, wird er wohl auf ewig im Gedächtnis behalten. „Ich bringe dich jetzt um!“, sagt André M. (24) damals, zieht einen Revolver und hält ihn Abram H. direkt vors Gesicht.

Die Sache geht glimpflich aus an jenem 9. Mai 2015 um kurz nach 2 Uhr in der Frühe in der Babelsberger Großbeerenstraße. – Und auch am Dienstagmorgen im Potsdamer Amtsgericht, wo sich André M. wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz verantworten muss und am Ende eine 900-Euro-Geldstrafe erhält. Zudem standen vorsätzliche Trunkenheit im Verkehr, Beleidigung und Bedrohung zur Debatte. André M. gesteht alles, nur die Beleidigung nicht – er soll Abram H. als „Schwuchtel“ beschimpft haben.

André M. sieht aus wie ein braver Junge. Er ist schlank und gekämmt, trägt einen schwarzen Anzug. Weil er nuschelt und kaum zu verstehen ist, wiederholt Richterin Doris Grützmann, was er sagt. Nur die Entschuldigung nicht, um die er Abram H. unbeholfen bittet. Er wolle ihm noch sagen, „dass es irgendwie doof gelaufen ist und nicht mit Absicht“, sagt André M. Abram H. schüttelt ungläubig den Kopf: „Nicht mit Absicht?“

Der kleine Waffenschein

Eine Schreckschuss-, Signal- oder Reizstoffwaffe kann jeder kaufen, der sein 18. Lebensjahr vollendet hat. Mit der Quittung darf er die Waffe auch nach Hause transportieren. Innerhalb seiner Wohnung darf er die Waffe auch am Mann haben – also führen. Wer eine Schreckschusswaffe hingegen in der Öffentlichkeit führen möchte, braucht den „Kleinen Waffenschein“ (KW). Allerdings ist es auch damit nicht erlaubt, die Waffe zu Veranstaltungen mitzunehmen oder in der Öffentlichkeit (etwa zu Silvester) abzufeuern.

Der KW kann für 50 Euro auf jedem Polizeirevier beantragt werden. Voraussetzung ist, dass der Antragsteller 18 Jahre alt und zuverlässig ist und eine persönliche Eignung besitzt – wer zum Beispiel alkoholabhängig oder psychisch krank ist, besitzt diese nicht. Wenn der Antrag abgelehnt wird, wird dies im Bundeszentralregister und im Führungszeugnis vermerkt.

Die Käufe von legalen Waffen haben zugenommen. Auch die Zahl der kleinen Waffenscheine im Land Brandenburg ist im vergangenen Jahr gestiegen: von 6491 auf 7036. nf

Bier-Nachschub von Tankstelle geholt

Eigentlich waren es nicht die beiden, die am 9. Mai aneinander geraten. Es ist André M.s Kumpel, der sich mit Abram H. nach einem Kneipenbesuch anlegt. Als die ersten Beleidigungen fallen, steht André M. gerade an der Tankstelle auf der anderen Straßenseite und kauft Bier. Trotz der 1,74 Promille, die er schon intus hat, steigt er aufs Rad, fährt zu den Streitenden hinüber, die Situation löst sich auf. Wenig später geraten die Männer aber erneut aneinander und André M. zieht die Waffe. Weshalb? „Vielleicht, dass jeder schneller seiner Weg geht“, sagt der Angeklagte. „So was kommt von so was“, sagt Richterin Grützmann. „Wenn man eine Waffe mit sich führt, ist es auch wahrscheinlich, dass man sie benutzt. Das ist ein Grund, weshalb es das Waffengesetz gibt.“

Kleiner Waffenschein nur „blütenrein“

Bei der Waffe, die André M. bei der Festnahme zusammen mit einem Messer abgenommen wurde, handelt es sich um einen Schreckschussrevolver Kaliber 6 Millimeter. Zwar darf jedermann diese Waffe besitzen. Um sie aber in der Öffentlichkeit führen zu dürfen, ist eine Erlaubnis erforderlich. Diesen „Kleinen Waffenschein“ hat André M. nicht. Und er wird ihn jetzt wohl auch nicht mehr bekommen, denn dazu müsste sein Vorstrafenregister blütenrein sein. Das war es aber schon nicht, bevor der Auszubildende zum Maler und Lackierer ans Amtsgericht zitiert wurde. Demnach ist er schon mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt geraten – auch mit dem Waffengesetz.

Schusswaffenbesitz – ein „Dunkelfeld“

Wie es mit dessen Einhaltung in Potsdam bestellt ist, war in diesen Tagen Thema einer Kleinen Anfrage der CDU-Fraktion im Landtag. Antwort der Landesregierung: Zum illegalen Schusswaffenbesitz in Potsdam und dem Land Brandenburg könne man keine Aussage treffen, „da es sich naturgemäß um ein Dunkelfeld handelt“.

Der Potsdamer Landtagsabgeordnete und CDU-Kreisvorsitzende Steeven Bretz hält diese Antwort für „nicht zufriedenstellend“. Vor allem kritisiert er, dass die Regierung auf statistische Erhebungsprobleme bei der Datenbeschaffung verweist und auf einige der Fragen (etwa dazu, wie viele Personen in Potsdam die Erlaubnis zum Erwerb und Besitz von Schusswaffen und Munition haben; wie viele die Erlaubnis zum Führen einer Schusswaffe) erst gar keine Antwort gibt. „Die Landesregierung macht es sich sehr einfach und leistet damit einen unnötigen Beitrag zur Verharmlosung dieser Thematik“, so Bretz. Sein Vorstoß richte sich nicht gegen Schützenvereine und Sportschützen: „Es geht um Kriminalität und Missbrauch.“

Von Nadine Fabian

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