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Mitreißender Saisonauftakt

Nikolaisaal Potsdam feiert mit Promis und Straßenfest Mitreißender Saisonauftakt

Seit 15 Jahren gibt es den Nikolaisaal im Herzen Potsdams wieder. Das wurde zum Saisonauftakt vier Tage lang gefeiert – im Saal, vor dem Saal und auch drumherum. Höhepunkt war wie in den Jahren zuvor das Fest in der Wilhelm-Staab-Straße.

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Till Brönner begeisterte das Publikum am Sonntag.

Quelle: Detelv Scheerbarth

Stadtmitte. Der Nikolaisaal feierte am Wochenende mit einem rauschenden Fest seinen fünfzehnten Geburtstag. Wie es sich für einen Teenager in den wilden Jahren geziemt, dauerte die Party gleich mehrere Tage. Sie fand ihren Abschluss in der Saisoneröffnung, die traditionell vom Straßenfest begleitet wurde.

Kurz nach dem Veranstaltungsauftakt ist schon jeder Platz in der Wilhelm-Staab-Straße besetzt, doch die Tanzwütigen stört das nicht

Kurz nach dem Veranstaltungsauftakt ist schon jeder Platz in der Wilhelm-Staab-Straße besetzt, doch die Tanzwütigen stört das nicht

Quelle: Christel Köster

Die Konzertsaison 2015/16 im Nikolaisaal eröffnete mit tief aufwühlenden Akkorden. Kaum war Antonello Manacorda ans Pult gestürmt, stürzte er sich auch schon ins Chaos. Auf dem Programm stand kein Werk des 20. Jahrhunderts, wie der Hörer angesichts der rhythmisierten Cluster hätte meinen können, sondern die barocke Tanz-Symphonie „Les Éléments“ von Jean- Féry Rebel aus dem Jahr 1737.

Die Streicher intonieren die ersten Takte vielleicht etwas zu kalt und hysterisch, bringen dann aber die zehnteilige Schöpfungsgeschichte kraftvoll zum Leuchten. Das Werk spannt einen hochtheatralischen Bogen vom anfänglichen Chaos über Etappen wie „Erde und Wasser“, „Luft“, „Vögel“ und „Jagd“ bis hin zur subtilen Ordnung höfischer Tänze.

Noch ganz andere dramatische Register sollten an diesem Konzertabend gezogen werden. Igor Strawinskiys „Pulcinella-Suite“ von 1922 ist ebenfalls ein facettenreiches Nummernprogramm, in dem der Avantgardist der Moderne temperamentvolle Klangbilder des italienischen Barocks aufgreift und lustvoll paraphrasiert. In gestenreichen Passagen können die Orchestermusiker auch solistisch brillieren. Der Fagottist Christoph Knitt gestaltet einen atemberaubenden Lauf, Lars Karlin darf einmal richtig ulkig in die Posaune pusten und auch der Konzertmeisterin Yuki Kasai werden aparte Höchstleistungen abverlangt.

Die Weltmusik-Superstars Bratsch bei ihrem Auftritt auf dem Straßenfest

Die Weltmusik-Superstars Bratsch bei ihrem Auftritt auf dem Straßenfest.

Quelle: Christel Köster

Vor dem Eingang zum Nikolaisaal soll das Straßenfest erst um 20 Uhr beginnen, doch die Erfahrung lehrt: wer einen Sitzplatz ergattern will, erscheint deutlich früher. Es ist dann auch keineswegs der Mangel an Bierbänken und Lehnstühlen, sondern der Ansturm auf diese, der so manchen zwingt, seinen Wein im Stehen zu trinken. Gar nicht so schlimm, schließlich lässt es sich leichter Nachschub an köstlichem Rebensaft besorgen, wenn man sich nicht erst aus der Sitzgruppe hieven muss – die Versorgung mit besten französischen Tropfen ist auf dem Straßenfest unter dem frankophonen Motto „Oh lá lá“ stets sichergestellt. Das Ambiente ist natürlich kein Zufall, wie die kaufmännische Leiterin des Nikolaisaals Heike Bohmann erklärt: „Die diesjährigen Musikfestspiele haben Frankreich zum Thema, wir sehen das hier daher als eine Art Probe an.“ Während draußen auf der Straße ganz unbürokratisch Potsdamer Lokalprominenz und tanzwütige Gäste mit überraschten Touristen zu den bittersüßen Chansons der World-Gypsy-Popgruppe Yukazu und den Weltmusik-Superstars Bratsch Hüfte und Tanzbeine schwingen , geht es im Saal ungleich förmlicher zu.

Nach der Pause betritt Filmstar Katja Riemann in einem aufregenden Kleid mit Baumdekor die Bühne und positioniert sich bescheiden im Orchester zwischen Violinen und Schlagzeug. Sie hat die Sprecherrolle in Camille Saint-Saëns „Karneval der Tiere“ (1886) übernommen, drängt sich aber niemals vor die Musiker. Ihrem Vortrag merkt man an, wie intensiv sie sich mit dem kuriosen Textbuch von Roger Willemsen auseinandergesetzt hat. Es beginnt mit einer kuriosen Publikumsbeschimpfung, lockert die Stimmung im Konzertsaal sichtlich auf und bezieht einen Gutteil des Humors aus der unmittelbaren Gegenwart, wenn etwa von „Legebatterien“ die Rede ist. Katja Riemann verfällt niemals in banale Emphase. Einfühlsam wechselt sie immer wieder den Duktus ihrer Rede, bleibt aber immer eine dezente Vermittlerin im Team. Der nicht ganz ausverkaufte Saal ist zu Recht absolut begeistert. Die qualitätsvolle Arbeit der Kammerakademie Potsdam ist längst nicht mehr nur ein Thema für Eingeweihte. Mitte Oktober wird die KAP mit dem wichtigsten deutschen Musikpreis Echo als „Ensemble/Orchester des Jahres“ ausgezeichnet.

Ein Mann und seine Trompete

Ein Mann und seine Trompete: Deutschlands wahrscheinlich erfolgreichster Jazz-Star Till Brönner (44) stellte Sonntagabend mit Band und Orchester (Leitung: Magnus Lindgren) vor ausverkauftem Nikolaisaal sein „The Movie Album“ vor – mit einer Auswahl ganz persönlicher Filmmusik-Hits.

Quelle: Detlev Scheerbarth

Von Karim Saab und Saskia Popp

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