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Noch fünf Minuten für Neil Young

Neues Studio, neues Glück: Das Bürgerradio „Frrapo“ sendet nun aus dem Haus 2 im Freiland-Zentrum Noch fünf Minuten für Neil Young

Noch hat Neil Young fünf Minuten. Fünf Minuten Weltschmerz zu kantigen Gitarrenriffs. Zu lang für Adrien Buhr-Rentle. Weit beugt sich der 41-Jährige über das Mischpult, setzt die Finger an den Regler: „Wenn ich ihn runterziehen soll, sag’ Bescheid.

“ Ute Apitz lugt unschlüssig hinter ihrem Mikro hervor. Neil Young ist schließlich keiner, den man einfach so runterpegeln kann. „Wir können den Song ja leise unter das Gedicht legen“, schlägt sie vor. Eine Frau, ein Wort.

Was während der Sendung „Utensilie“ über den Äther läuft, entscheidet sich oft innerhalb nur weniger Liedzeilen. Die Kabarettistin aus Ketzin will es so. Das Spontane liege ihr mehr als aufwendiges Planen, sagt sie. Seit über einem Jahr sendet Apitz auf der Frequenz 90,7 – Freies Radio „Frrapo“. Sie ist eine von dutzenden Freiwilligen, die den Äther jeden Montag von 18 bis 2 Uhr mit Inhalt füllen.

Bisher war das denkbar umständlich. Im Café 11-Line in der Charlottenstraße hatten sich die Radio-Laien im Mai 2011 ein improvisiertes Studio eingerichtet. Doch dort fehlte es an Platz für professionelle Technik. Eine Alternative musste her – spätestens, als ein Radiomacher aus Cottbus seinen abgelegten Produktionstisch anbot.

Seit vier Wochen sendet Radio „Frrapo“ nun aus dem Haus 2 im Freiland, Jugendkulturzentrum an der Friedrich-Engels-Straße. „Es ist noch eine Baustelle“, sagt Adrien Buhr-Rentle entschuldigend. Kaum zehn Quadratmeter misst das neue Studio. Überall liegen Kabelrollen. Ein offener Werkzeugkasten versperrt den Eingang. Ausgerechnet während der aktuellen Sendung ist eines der Pegelmessgeräte durchgeschmort. Diagnose: Überhitzung. Doch die Aufregung währte nur kurz. Immerhin kennt sich Buhr-Rentle aus mit der Technik. „Ich hatte schon früher ein Sammelsurium in meinem Keller“, sagt er. „Dort habe ich hobbymäßig Radio gemacht.“ Buhr-Rentle ist der klassische Autodidakt.

Alle zwei Wochen übernimmt er den Sendebetrieb im kleinen Studio. Der Lehramts-Student ist überzeugt vom Konzept des freien Radios. „Das sind alles unbekannte Leute, die in ihren Hinterzimmern irgendwas machen, was frisch ist“, sagt er. „Frrapo“ sende das, was in normalen Medien oft nicht zu hören sei – etwa das Campusradio „Funk Up“, die Philosophie-Sendung „Salatschatten“ oder eben Ute Apitz’ Interviewformat.

Einmal im Monat lädt sie einen lokalen Autoren ein – auch Uwe Carow, Preisträger des brandenburgischen Lyrik-Literaturpreises, hat zugesagt. Neben seinen Neil Young-Platten hat der Potsdamer einige seiner Gedichte mitgebracht. Die sind nicht gerade leichte Kost. Aber sie passen wunderbar zur Musik. Immer wieder, während Carow Verse über Verzweiflung und Düsternis ins Mikro presst, zerschneidet er mit scharfen Gesten die dicke Studioluft. Im Gespräch aber lächelt er viel. Bei Ute Apitz werden die Gäste selbst zu Programmmachern. Das gehört zum Konzept, sagt sie. „Mir geht es nicht um mich, sondern darum, was die Gäste erzählen wollen.“

Der Wortanteil ist hoch bei Radio „Frrapo“. Darauf legen die Macher viel Wert. Trotzdem wollen sie nicht zum reinen Info-Sender werden. In welche Richtung das Programm steuern soll, wird immer wieder diskutiert – natürlich auf Augenhöhe. Hierarchien sind verpönt.

Die Macher sind sich einig, dass es künftig mehr Übertragungen von Live-Konzerten aus dem Café nebenan geben wird. Dort haben die Betreiber eine kleine Radio-Ecke eingerichtet – urgemütlich, mit braunen Ledersesseln und Kopfhörern. Wer wissen will, was sich im Studio tut, hat dort den direkten Draht.

Verlässliche Zahlen darüber, wie viele Hörer montags ab 18 Uhr einschalten, gibt es bisher nicht. „Das können ein paar Hundert sein oder ein paar Tausend“, sagt Adrien Buhr-Rentle. Das große Problem sei die schwache Frequenz, mit der der Kanal sendet. „In Potsdam-West und Nord ist der Empfang kompliziert“, erklärt der 41-Jährige – doch ausgerechnet dort vermuten die Radiomacher ihr Publikum. „Unser Ziel ist, das gesamte Stadtgebiet abzudecken“, sagt Buhr-Rerntle. „Daran arbeiten wir.“ (Von Judith Görs)

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