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Nord-Dörfer lehnen Vergärungsanlage ab

Marquardt, Satzkorn und Uetz-Paaren Nord-Dörfer lehnen Vergärungsanlage ab

Essensreste, Kartoffelschalen, der Apfelgriebsch: Ab in die Biotonne damit! Und dann? Dann kann man den Biomüll vergären und Dünger und Fertigkompost herstellen und nebenbei Strom und Wärme erzeugen. Klingt gut. Riecht aber schlecht. Die Step will so eine Bioabfallvergärungsanlage bauen. Nur wo? In Michendorf ist sie abgeblitzt. Jetzt stellt sich Potsdams Norden quer.

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Biotonne

Quelle: dpa

Satzkorn. Die Potsdamer Ortsteile Marquardt, Satzkorn und Uetz-Paaren wehren sich gegen die Pläne der Stadtentsorgung Potsdam (Step), im Norden der Landeshauptstadt eine Vergärungsanlage für Bioabfall zu errichten. Sie befürchten schwerwiegende Konflikte – etwa durch unangenehme Gerüche, Lärm und zunehmenden Verkehr – und sehen ihre Gesundheit und Lebensqualität in Gefahr.

In Michendorf hatte die Step keine Chance

Dies und die Dimensionen der Anlage waren auch die Gründe, weshalb die Step mit dem Vorhaben Anfang 2016 bereits in Michendorf (Potsdam-Mittelmark) abgeblitzt ist. Dort hatte man die Fresdorfer Heide ins Auge gefasst. Nun rücken die alternativen Standorte neben der Zalando-Halle im Marquardter Friedrichspark und am Klärwerk Satzkorn in den Fokus der Planungen.

Der Widerstand in den Nord-Dörfern hat sich bereits formiert. Die Einwohner und Ortsbeiräte haben recherchiert, bei Anwohnern laufender Anlagen – etwa bei der von der Step als Referenz vorgestellten Anlage im nordrhein-westfälischen Witten – nachgefragt und ihre Argumente in einem Offenen Brief dargelegt. Resümee: „Die Standorte Marquardt/Friedrichspark und Satzkorn/Am Klärwerk sind für den Betrieb einer Bioabfallvergärungsanlage ungeeignet.“

Es stinkt, wenn die Tore zur Anlage offen stehen

Demnach sei der geplante Betrieb „in erheblichem Ausmaß“ geruchsbelästigend und durch Bakterien und Schimmelpilze auch gesundheitsgefährdend. Zwar würde die Anlage eingehaust. Um sie zu befüllen und Reststoffe zu entsorgen, müssten die Tore aber geöffnet werden. Im Sommer würden sie gar über längere Phasen offen stehen, „weil ansonsten eine Arbeit in der Anlage unmöglich“ sei.

Ein weiteres Argument gegen die Anlage ist die Logistik. Weil – das räumt die Step ein – für einen wirtschaftlichen Betrieb der Anlage Bioabfall aus umliegenden Gemeinden zugeliefert werden muss, ergeben sich zusätzliche Transportwege. „Die ohnehin schon prekäre Verkehrssituation in Potsdam wird somit noch verschärft“, heißt es in dem Offenen Brief.

Ortsbeiräte fürchten um die Zukunftschancen des Potsdamer Nordens

Die Anwohner und Ortsbeiräte sorgen sich aber nicht nur um ihr persönliches Wohl. Sie argumentieren auch mit den Zukunftschancen des Potsdamer Nordens. Der Friedrichspark etwa, ein ausgewiesenes Gewerbegebiet, beherberge derzeit Betriebe ohne Geruchsbelästigung. Eine Bioabfallvergärungsanlage, so die Befürchtung, wird nicht nur weitere Ansiedlungen verhindern, sondern womöglich bestehende Betriebe zum Abwandern bewegen.

Auch eine Entwicklung des Nordens als Wohnort werde auf Dauer behindert. Eine Anlage, die zum Himmel stinkt, werde sowohl Investoren als auch private Häuslebauer abschrecken. Überhaupt: Gern weise die Stadt den Potsdamer Norden als Naherholungsgebiet aus. „Die Lennésche Feldflur, die Obstplantagen, das Ufergebiet des Sacrow-Paretzer Kanals, der Schlänitzsee, kurz gesagt: Der Potsdamer ländliche Norden ist für Erholungsuchende attraktiv und soll in Zukunft nach Planung der Stadt Potsdam weiter aufgewertet werden. Unter diesen Gesichtspunkten ist ein stinkender Gewerbebetrieb kontraproduktiv.“

Von Nadine Fabian

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