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Potsdam Nur die Außenwände blieben stehen: AOK-Center eröffnet Anfang September
Lokales Potsdam Nur die Außenwände blieben stehen: AOK-Center eröffnet Anfang September
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00:20 03.06.2018
Blick hinter den Bauzaun des ehemaligen „Gastmahl des Meeres“: Hier entsteht ein Servicecenter der AOK Nordost: Niederlassungsleiterin Sabine Merboth präsentiert die alten Bauteile im großen Beratungssaal. Quelle: Bernd Gartenschläger
Innenstadt

Ende August bezieht die Krankenkasse AOK ihr neues Service-Center am Brandenburger Tor von Potsdam; am 3. September wird es offiziell eröffnet. Erwartet werden dann nicht nur Versicherte, sondern auch viele Gäste, die sehen wollen, was aus dem früheren Fischrestaurant „Gastmahl des Meeres“ geworden ist. Das hatte 1970 eröffnet und wurde im Herbst 2014 geschlossen. Marion und Ernst Brenning konnten im März 2005 als damals knapp 50-prozentige Teileigentümer des Eckhauses auch den Mehrheitsanteil von der Treuhand ersteigern und den Gaststätteninhaber Jürgen Rückert ausbooten, der noch ein paar Jahre weitermachte, aber 2014 aufgab.

Das „Gastmahl des Meeres“

„Gastmahl des Meeres“ war eine Fischgaststätten-Kette der DDR.

Erfunden hat das Konzept Mitte der 1960er Rudolf Kroboth (1920–1986), der Werbeleiter des VVB Fischfang Rostock und legendäre Fischkoch des DDR-Fernsehens.

Kroboth kreierte auch die meisten Rezepte für die „Gastmahl des Meeres“-Speisekarten und schulte einmal im Jahr die „Gastmahl“-Köche.

Die erste Filiale eröffnete am 28. Juli 1966 im thüringischen Weimar.

Es folgten noch im selben Jahr 15 weitere Lokalitäten.

Bis zur Wende 1989 war die Kette über 30 Mal in den größeren Städten der DDR zu finden; die Häuser gehörten zu den besten.

Auf der Speisekarte standen nicht nur Hering, Seelachs, Dorsch und Heilbutt, sondern auch international anmutende Gerichte wie „Italienisches Risi Bisi vom Fisch“, „Bremer Labskaus“ und „Russische Eier auf Kaviar“.

Nur eine Handvoll dieser Lokalitäten der maritimen Seite der DDR-Systemgastronomie sind übrig, etwa in Suhl, Görlitz und Sassnitz.

Die Brennings investieren rund 2,9 Millionen Euro in die anspruchsvolle Sanierung des über 250 Jahre alten Bürgerhauses und haben die AOK als Langfristmieter gebunden. Die war am Donnerstag erfreut, dass der Vermieter „nicht auf Gewinn- und Mietmaximierung aus“ war, wie Christian Klose als Chief Digital Officer sagte. Immerhin nutzt die Krankenkasse mehr als 800 Quadratmeter in zwei Stockwerken und bringt hier zahlreiche Bildschirme, Selbstbedienungs-Terminals und Computer unter; 20 Mitarbeiter wird es geben. Im Dachgeschoss werden Wohnungen ausgebaut.

Das Haus sieht außen so schön aus wie vermutlich zur Bauzeit; es wurde so gut wie nichts verändert. Doch vor allem im Hochparterre-Geschoss der früheren Gaststätte zeigt sich ein spannendes Nebeneinander von Historie und Moderne: Wo einst Fischfilets , -bouletten und -klopse für wenige DDR-Mark serviert wurden, sind die Deckenbalken von circa 1750 sichtbar erhalten worden, während im hinteren Teil des großen Kundenberatungsraums moderne Raumaufteilungen vorherrschen: glatte Wände Decken in weiß und dunkelblau. Die bogenförmigen Doppel-Kasten-Fenster reichen von kurz unter der Decke bis zum unhistorisch angehobenen Eichenparkett-Fußboden und sehen noch immer aus wie vor 250 Jahren, und so alt sind die Innenflügel aus Kiefernholz auch noch. Die Außenflügel dagegen wurden originalgetreu nachgefertigt und wieder mit mehreren Schichten Leinölarbe gestrichen – jede Schicht braucht einen Monat zum Aushärten.

Es war eine der beliebtesten Gaststätten von Potsdam und bis zur Wende stets gut gefüllt. Nach der Wende nahm das ab; das Haus wurde versteigert, die Gaststätte geschlossen. Jetzt zieht die AOK ein und sorgt wieder für Kundenbetrieb.

Der Blick durch die Fenster hinaus auf die Brandenburger Straße, zum Brandenburger Tor und zum Luisenplatz ist sichtlich verzerrt – eine skurrile Forderung des Denkmalschutzes, der verhindern wollte, dass die Scheiben spiegeln. So nahm man kein gewalztes Industrieglas, sondern maschinengezogenes, und das ist wellig.

Das Haus wird bis auf ein Detail streng denkmalgerecht saniert. Weil man die höher als der Gehweg liegenden Räume behindertengerecht erreichen können muss, baut man in den früheren „Fasseinwurf“ eine Hebebühne ein. Diese eigentlich nicht mal mannshohe Tür zum Keller wurde auf menschliche Größe erhöht und ein kleiner Durchgang davor gesetzt. Sogar dieser Eingriff ins Gehweg-Grundstück musste extra genehmigt werden.

Mehrere Um- und Ausbauten zu DDR-Zeiten waren gebäudefremd und nicht sachgerecht ausgeführt worden. So baute man zwei Geschosse auf, die bei einer Sanierung Anfang der 80er aber wieder abgenommen wurden. Und man zog zahlreiche Stahlträger in die Decke des Hochparterre ein, um für den Gaststättenbetrieb größere Räume zu schaffen. Tragende Wände fielen weg; Lasten wurden immer stärker auf Außenmauern verlagert. Das Haus war zudem auf ein Fundament aus Natursteinen gestellt worden, das man „statisch ertüchtigen“ musste. Das Dach konnte jetzt nicht im Stück neu gebaut werden, sondern man musste segmentweise vorgehen, weil die tragenden Mauern im Inneren inzwischen fehlten beziehungsweise jetzt versetzt wurden. Man entkernte das komplette Haus und konnte letztlich von ganz unten nach ganz oben und durch das abgenommene Dach in den Himmel schauen. Alle Umbauten wurden mit den Vermietern in zahlreichen Gesprächsrunden abgestimmt – ein langwieriges Verfahren, wie die AOK zugibt.

Aber nicht nur baulich liegen Alt und Neu, Historie und Moderne dicht nebeneinander. Auch inhaltlich. So bilden große Bildschirme an den Wänden eine Art Galerie zu den Angeboten der AOK; an Self-Service-Terminals kann man Formalitäten erledigen, etwa Adressen ändern und Auslandskrankenscheine ausdrucken. Auch seine Krankenakte soll man künftig einsehen und dabei dann auch festlegen können, welcher Arzt welche Informationen bekommen soll. Diese digitale Akte wird perspektivisch die Kundenkarte ersetzen, enthält aber nur Angaben ab der Erstellung des Dossiers. Frühere Krankheits- und Therapieverläufe kann niemand erfassen.

Von Rainer Schüler

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