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Nurejew und das Biest

Elke Heidenreich liest im Nikolaisaal vom schönen Tänzer und seinem Hund Nurejew und das Biest

Die Wichtigkeit vieler Dinge wird erst durch ihren Gegensatz deutlich. Als Rudolf Nurejew seinen Hund Oblomow auf einer New Yorker Party zum ersten sieht, kann dieser Gegensatz kaum größer sein.

Das fette, hässlich Vieh liegt träge auf dem Boden. Nurejew, der beste und schönste Tänzer seiner Zeit, möchte nichts zu tun haben mit diesem Biest und freundet sich doch mit ihm an. „Oft umgeben sich wunderschöne Menschen mit unscheinbaren Freunden, um noch mehr zu glänzen.“Als Elke Heidenreich gestern im vollen Nikolaisaal diese Passage aus ihrer Geschichte „Nurejews Hund – Was Sehnsucht vermag“ las, füllte ein heiteres Kichern den Saal.

Elke Heidenreich, Schriftstellerin, Moderatorin, Journalistin und Literaturkritikerin, eine, die zahlreiche Werke über Musik herausbrachte und die es schaffte, in Deutschland anspruchsvoller Literatur die Schwere zu nehmen, brachte gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten und Komponisten Marc-Aurel Floros etwas auf die Bühne, das die beiden symphonische Fantasie nannten. Am Ende war es eine musikalische Lesung in drei Teilen, begleitet von der Kammerakademie Potsdam. Eine Uraufführung.

Über den Köpfen der Musiker schwebte immer wieder das Bildnis des Tänzers. Ein Körper wie eine Statue, das Gesicht stolz erhoben. Ein Übermensch. Dann sah man wieder den Hund. Einen unförmigen Dickwanst mit Glubschaugen. Heidenreich erzählte von der Freundschaft dieses ungleichen Paares Nurejew und Oblomow, vor allem erzählte sie davon, was große Sehnsucht zu schaffen vermag. Der plumpe Hund beobachtet sein Herrchen Tag für Tag beim Tanz. Während er frisst, schmatzt und grunzt. Er versteht die Schritte des Balletttänzers nicht, doch er liebt ihn für seine Anmut. „Manchmal ist eine Sehnsucht so groß, dass sie das Weltgebäude verrückt“, sagte Elke Heidenreich. Der Hund schafft das Unschaffbare. Als Nurejew stirbt, gibt es für ihn nur eine einzige Möglichkeit, diese Sehnsucht auszuleben. Er muss selbst tanzen.

Zurückgenommen saß die Autorin am Bühnenrand, während die Streicher des Kammerorchesters ihre beiden Protagonisten bei einem Spaziergang durch New York begleiteten. Während das Xylophon unterstrich, dass die zwei nicht zusammengehören können, und die Pauke einen Streit markierte. Wenn sie las und ihre sonore Stimme den Raum füllte, ihre Hände den Hund bei seinem Tanz begleiteten, wirkte die für ihre Präsenz bekannte Autorin in ihrer Darbietung beinahe leise. Ein Gegensatz, der ihrer Geschichte noch mehr Poesie verlieh. (Von Marion Schulz)

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