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Potsdam Mike Schubert: Der Zielstrebige aus Zentrum-Ost
Lokales Potsdam Mike Schubert: Der Zielstrebige aus Zentrum-Ost
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19:15 12.10.2018
Der Oberbürgermeister Kandidat Mike Schubert (SPD) vor seiner ehemaligen Schule, heute Peter-Joseph-Lenné-Schule. Er ist in der Gegend aufgewachsen. Quelle: Friedrich Bungert
Potsdam

Auf den letzten Metern vor der Oberbürgermeister-Stichwahl am 14. Oktober musste SPD-Kandidat Mike Schubert noch mal Federn lassen. Besser gesagt: Haare. Der Termin bei Henryk Braun in dessen gemütlichem Laden im Holländischen Viertel gehört seit 20 Jahren zum monatlichen Ritual von Schubert. Man kennt sich schon ewig, mag sich. Die haarige Harmonie – inklusive Menthol-Eukalyptus-Shampoo – erblühte, als Schubert einst einen Studenten-Job gleich nebenan im Kiez hatte.

Diese Fähigkeit, überall schnell Kontakte zu knüpfen und diese dann auch über Jahre zu pflegen, scheint überhaupt eine der großen Gaben des 45-Jährigen zu sein. „Ja, treu ist er“, bestätigt Henryk Braun, der Figaro mit dem fröhlichen Naturell, der die Wirbel in Schuberts „vollem, vitalem“ Haar als gutes Zeichen deutet. Würden diese doch für „eine gewisse Dynamik“ sprechen. Aber ganz im Ernst. „Ich habe viel Zuversicht, dass er neuen Schwung in die Stadt bringt – er hat den Menschen viel zugehört in den letzten Jahren“, sagt Braun, ehe er sich daran macht, Schubert mal kräftig den Kopf zu waschen.

Mike Schubert (SPD) will am Sonntag in der Stichwahl zum neuen Potsdamer Oberbürgermeister gewählt werden.

Bei der Damenwelt kommt der smarte Sozialbeigeordnete mit der präsidialen weißen Haarsträhne jedenfalls gut an. Zum Beispiel beim Seniorentreffen der Dahlweid-Stiftung im Kabarett Obelisk, das er an diesem Nachmittag besucht hat. „Weil er von hier ist, aus dem Osten – er versteht, wie es früher war“, sagt eine weißhaarige Frau in der Sekt-Pause. Schon interessant, den Kandidaten so live zu erleben, finden die rüstigen Rentnerinnen. Wobei: „Ganz so männlich wie auf den Plakaten ist er ja nicht, eher zierlich.“

Hier geht es zum Porträt von Kandidatin Marina Trauth

Aber: Ein „Leichtgewicht“ ist Schubert, aufgewachsen in Zentrum-Ost – deshalb beileibe nicht. Dazu hat er zu viel durchgemacht. Obwohl die Anfänge durchaus geborgen waren, behütet in einer großen Patchwork-Familie mit großem Bruder und Stiefgeschwistern. Der Vater hatte nach dem frühen Tod der Mutter wieder geheiratet. Schubert senior war ein ehemaliger Top-Sportler, Kanu-Cheftrainer am Luftschiffhafen, damals Armeesportklub, im Rang eines Majors der NVA. Schuberts frühes Koordinatensystem: der Babelsberger Park um die Ecke und die Schule – der heutigen Peter Joseph-Lenné-Schule gleich nebenan.

Schubert hat viele Hobbys

Dazu viele Hobbys wie Boxen in der Motorsporthalle Babelsberg und Ausflüge in die Filmwelt als Kinderdarsteller für die Defa ( „Spuk im Hochhaus“). Der große Bruch kam mit der Wende. Schubert brach seine Lehre im Geräte- und Reglerwerk in Teltow ab, seine Bewerbung für die Offizierslaufbahn zog er zurück – stattdessen machte er bei Hertie in West-Berlin eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. „Der Kunde ist König – das nimmt man mit.“

Mike Schubert (SPD) in Zentrum-Ost. Quelle: Friedrich Bungert

Bei Hertie hätte er bleiben können, doch es lockte die Selbstständigkeit als Versicherungsvertreter. Was danach folgte, ist schon oft medial beschrieben worden: Endstation Trabi, nachdem er anderswo kein Dach überm Kopf fand, weil das Traumprojekt an den Klippen der Realität zerschellt war. Aber Schubert will sich in der Rückschau gar nicht so sehr mit der Trabi-Geschichte aufhalten, obwohl die eigentlich perfekt in die Vorzeige-SPD-Lebensläufe – vom gesellschaftlichen Loser zum Hoffnungsträger – passen würde.

Vater ist eine Inspiration für Schubert

Lieber erzählt er vom Vorbild seines Vaters, der sich nie hatte unterkriegen lassen und nach der Wende unverdrossen in seinen alten Beruf als Tischler zurückgekehrt war. Eine Inspiration für den jungen Mike, sich auch selbst wieder aufzurappeln. „Dass man sich Situationen im Leben stellt und damit umgeht und weitermacht.“ Wenn Schubert von seinem Vater spricht, schwingt sehr viel Bewunderung mit.

Beim Fototermin in Zentrum-Ost im vergangenen September. Quelle: Friedrich Bungert

Bei anderen potenziellen – politischen – Vaterfiguren hat der neue Hoffnungsträger der Potsdamer SPD hingegen kein Problem, sich zu distanzieren, sobald es opportun erscheint. Im MAZ-Interview im Vorfeld des Hauptwahlgangs am 23. September hatte er erklärt: „Es gibt es schon ein paar Dinge, die man anders machen muss und die ich auch anders machen will als der derzeitige Amtsinhaber. Ich habe als erster Beigeordneter nicht ohne Grund Bürger-Sprechstunden gestartet. Ich habe gesagt, man muss das Rathaus wieder ein Stück weit öffnen.“

Jakobs geht über solche Seitenhiebe geflissentlich hinweg, auch er hat seinen Machiavelli gelesen. Stattdessen attestiert er seinem möglichen Nachfolger „ein sehr ausgeprägtes politisches Gespür für wichtige Themen“. Was auffällt: In letzter Zeit wiederholt der Rathaus-Chef fast mantramäßig, wie wichtig es sei, „zu erkennen zu geben, wofür man steht“. Über Schubert sagt er diesbezüglich: „Ich billige ihm zu, dass er eine Haltung hat.“

Schubert zeigt in einer Sache Haltung

Andere – auch Parteifreunde – sind da nicht unbedingt so großzügig, werfen ihm in manchen Dingen Sprunghaftigkeit, teilweise gar Aktionismus, vor. Haltung hat der Sozialbeigeordnete aber zum Beispiel gezeigt, als es darum ging, den muslimischen Gläubigen bei der Suche nach größeren Gebetsräumen half.

Beim „Tag der offenen Moschee“ am 3. Oktober war er deshalb auch ein gern gesehener Gast im umgebauten Heizhaus am Kanal, das jetzt dank Teppichboden und gelb eingefassten Fensterstöcken ein einladender Ort ist. Schubert ist zwar kein gläubiger Mensch, aber er glaubt daran, dass man Menschen in Not helfen muss. Das halbe Jahr, das er 2002 als Pressesoldat bei den Kfor-Truppen im Kosovo zugebracht hat, war ein großer Einschnitt.

Tag der offenen Moschee am 3.Oktober 2018 in den Räumen des Vereins der Muslime Am Kanal. Mike Schubert besuchte die Gemeinde. Quelle: Bernd Gartenschläger

 Noch heute, wenn er vom damaligen Elend, der Zerrissenheit des Landes erzählt, ist ihm die Emotion anzumerken. Zur Zeit des Bundeswehreinsatzes hatte er schon sein Fachabitur in der Tasche, studierte Wirtschaft und Politik in Potsdam – mit einer Unzahl an Nebenjobs, um das Studium zu finanzieren und die Schulden abzuzahlen: als Sendeassistent bei Antenne Brandenburg; im Marketing des Lindenparks. 1995 war er in die SPD eingetreten, hauptsächlich des großen S wegen. Wie wichtig der Sozialgedanke ist, hatte er schließlich bereits am eigenen Leibe erfahren.

Schubert wurde der Rücken gestärkt

Anfangs, so schildern es Weggefährten, war die Polit-Laufbahn des jungen Genossen, oft vom Prinzip „Versuch und Irrtum“ geprägt. Aber es habe immer Förderer gegeben, die dem „jungen Wilden“ Entwicklungspotenzial zubilligten. Einer dieser Unterstützer, auch im Privaten: Matthias Platzeck (SPD), der spätere Ministerpräsident, der Schubert zur Überbrückung ein paar Monate zur Untermiete bei sich wohnen ließ.

Oberbürgermeisterkandidat Mike Schubert (SPD) verfolgt mit Ehefrau Simone und den Kindern Clara (10) und Moritz (fast 8) die Bekanntgabe der Ergebnisse am Abend der Oberbürgermeisterwahl, 23. September 2018. Quelle: Martin Müller

Die Ex-Stadtverordnete Monika Keilholz – damals Vorsitzende in Schuberts erstem Ortsverein Stern/Kirchsteigfeld/Drewitz – erinnert sich an ihn als jemanden, „der umtriebig war, machte und tat“. Nur anfangs, da habe er das ehrenamtliche Engagement eher auf die leichte Schulter genommen, sich dann aber bald am Riemen gerissen. „Er wusste, was er wollte.“ Entmutigen- auch das eine weitere Konstante – hat Schubert sich nie lassen.

Weder als man ihm zunächst beschied, er sei noch zu jung für den Fraktionsvorsitz, noch später, als er den Büroleiter-Job beim damaligen Innenminister Dietmar Woidke (SPD) wegen allzu freimütiger Polit-Kritik an der Partei verliert, oder als die Wahl zum Sozialbeigeordneten 2016 in einem Herzschlagfinale mit der hauchdünnen Mehrheit von nur einer Stimme gewinnt. Aber schon in der Frühphase seiner SPD-Karriere im Ortsverein Stern/Drewitz/Kirchsteigfeld habe er aus einem Ziel nie einen Hehl gemacht, erinnert sich Monika Keilholz: „Er hat immer gesagt, er würde alles dafür tun, um in dieser Stadt Oberbürgermeister zu werden.“

Will Schubert auch Ministerpräsident werden?

Ob er denn auch irgendwann – vorausgesetzt, er wird Oberbürgermeister – das Ministerpräsidenten-Amt anpeilt? Bei dieser Frage wirkt Schubert das einzige Mal im MAZ-Gespräch sichtlich genervt. Schließlich ist ihm in letzter Zeit oft nachgesagt worden, ein Job-Hopper zu sein; einer, der umtriebig von einer Aufgabe zur nächsten springt und auf keiner Karriere-Sprosse lang verweilt. „Es gibt“, so Schuberts Antwort, „weder die Planung noch die Idee, etwas anderes zu machen.“

Von Ildiko Röd

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