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Oasen inmitten der Betontürme

Schlaatz – der verkannte Potsdamer Stadtteil Oasen inmitten der Betontürme

Der Potsdamer Stadtteil Schlaatz ist jüngst wegen eines Kriminalfalls bundesweit bekannt geworden: Bei der Suche nach dem vermissten Elias (6) halfen hunderte Schlaatzer. Doch wie lebt es sich tatsächlich in der Siedlung an der Nuthe, die lange als Problemkiez galt? Ist dort alles grau? Nein, im Gegenteil.

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Integrationsgarten-Projektleiterin Carla Villwock und David Shpirt aus der Ukraine, der in seiner Freizeit dort gärtnert.

Quelle: Peter Degener

Potsdam . Wer an den Wohnblöcken vorbeischaut, entdeckt überall am Schlaatz Kleingärten. An der Alten Zauche begrenzen große Sparten das Wohngebiet, aber auch mitten in den Höfen gibt es kleine Parzellen. Für Peter Högerl steht fest: „Der Schlaatz ist das grünste Neubaugebiet der Stadt“.

Seit fast 30 Jahren bewirtschaftet der 67-Jährige einen sogenannten Mietergarten nur wenige Meter von seiner Wohnung entfernt. Mittlerweile ist er der Vorsitzende des dazugehörigen Vereins. 50 solcher Kleingartenparzellen sind über den gesamten Stadtteil verteilt. „Das sind sozialverträgliche Kleingärten, die beim Bau des Schlaatzes mitgeplant worden sind. Hier dürfen keine Lauben stehen, aber dafür kostet die Pacht fast nichts“, schwärmt er zwischen seinen Obstbäumen und Weinranken. Auch empfindliches Obst gedeiht dank der geschützten Lage in den Höfen.

Doch nicht jeder Garten liegt so geschützt und im Blick vieler Nachbarn. In der Nähe der Nuthe existiert eine besondere Oase, die jahrelang immer wieder zerstört worden ist, weil sie allen Menschen offen stehen soll. Auf einer ursprünglich als Schulgarten gedachten Fläche, die nie genutzt worden war, legte der Brandenburgische Kulturbund 1999 einen der ersten Integrationsgärten in Deutschland an. Statt einer Sandwüste herrscht dort heute auf über 3500 Quadratmetern eine Frucht- und Blütenpracht mit „Grenzen aus Gras“, wie Carla Villwock es nennt. Sie begleitet das Projekt bis heute im Auftrag des Kulturbunds. Der Grundgedanke: „Asylbewerber sollen hier etwas anpflanzen und das Gefühl bekommen, etwas geben zu können und nicht immer nur nehmen zu müssen. Sie sollten mit ihrer Ernte zum Beispiel auch mal ihren Nachbarn eine Freude bereiten können.“

Das Angebot wurde dankbar angenommen. Derzeit bewirtschaften 13 Familien kleine, jeweils „bettlakengroße Parzellen“, wie Villwock sagt. Doch Obstbäume, üppige Blumen- und Staudenbeete gehören ebenfalls zum Garten. Ein Imker kümmert sich um Bienenstöcke – sie sind in einem Wagen untergebracht.

Doch rasch wurde der Integrationsgarten Opfer von Anschlägen, Vandalismus und rassistischen Schmierereien. Achtmal brannte es in den folgenden zehn Jahren, die Täter wurden nie gefunden. „Aber die haben das Gegenteil erreicht, wir sind danach immer stärker geworden“, sagt Villwock im Nachhinein. Beim letzten Brand 2009 wollten die Initiatoren schon aufgeben, aber der Zuspruch und die Solidarität – auch von Potsdamer Unternehmern – setzte noch einmal enorme Kräfte frei. Heute steht keine Holzlaube mehr, sondern ein massives Haus auf dem Grundstück. Und es gibt Videoüberwachung. Seitdem ist es ruhig geblieben. Fast jeden Tag ist der Garten geöffnet und dient mit seinen Bänken im Schatten als grünes Klassenzimmer für Schüler und als Oase für alle Bewohner des Schlaatzes, die dort aus über 80 Herkunftsländern zusammentreffen.

LESEN SIE AUCH : „Menschen aus 80 Nationen wohnen im Viertel „Am Schlaatz“

Von Peter Degener

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