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Oberbürgermeisterwahl Potsdam „Das Hotel Mercure gehört zur Stadt“
Lokales Potsdam Oberbürgermeisterwahl Potsdam „Das Hotel Mercure gehört zur Stadt“
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01:16 15.09.2018
Angela Willuhn verstand sich mit Lutz Boede auf der Mercure-Terrasse offenkundig gut. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Beim „Kaffee-Date“ der MAZ sind Leser aufgerufen, sich mit einem Oberbürgermeister-Kandidaten ihrer Wahl in ihrem Wunschcafé zu treffen. Diesmal: Angela Willuhn, gelernte Verkäuferin vom Stern, und Lutz Boede (Die Andere).

 

Angela Willuhn: Ich habe das Hotel Mercure als Treffpunkt vorgeschlagen, weil das für mich eine Art Symbol ist. Ich bin in Potsdam geboren. Der Hafen, Mercure und Freundschaftsinsel – das waren Familienausflugsziele. Wir hatten später Betriebsfeiern oben im 17. Stock. So ein Gebäude darf man nicht wegnehmen. Die Geschichte der DDR gehört genauso zur Stadt.

Lutz Boede: Für mich ist es immer so: Wenn ich im Bahnhof ankomme und das Hotel sehe, weiß ich: Ich bin wieder zu Hause.

Willuhn: Ihre Wahlplakate sprechen mir aus der Seele. Die Frage ist nur: Wie soll das alles umgesetzt werden? Zum Beispiel die Mietpreisbremse.

Boede: Die ist ja sogar sehr einfach umzusetzen. Der Oberbürgermeister hat zwei wichtige Funktionen. Er ist Leiter der Verwaltung. Und er ist in allen städtischen Gesellschaften – etwa der Pro Potsdam – der Gesellschaftervertreter. Er fasst dann einen Gesellschafterbeschluss darüber, dass die Mieten nicht mehr erhöht werden, wenn nichts an der Wohnung gemacht wurde. Dann weist er die Geschäftsführung der Pro Potsdam darüber an.

Willuhn: Das hätte ich nicht gedacht, dass das so einfach geht. Also hätte der Oberbürgermeister auch bei den Stadtwerken viel mitzubestimmen? Das wäre nämlich der nächste Punkt: Warum sind die krassen Gehaltsunterschiede zwischen Verkehrsbetrieb, Step oder Bäderlandschaft – die ja alle zu den Stadtwerken gehören – so extrem? Zwischen einer Sachbearbeiterin in der Bäderlandschaft und einer bei den Stadtwerken im Hauptgebäude liegen da ja Welten.

Boede: Das verstehe ich auch immer nicht. Sie haben diese Unterschiede auch im Klinikum. Da gibt es Tochtergesellschaften, da verdienen die Beschäftigten noch viel weniger. Die Stadt ist mit dem Klinikum im Kommunalen Arbeitgeberverband in eine Mitgliedschaft ohne Tarifbindung gewechselt. Die zahlen jetzt einen Haustarif, der deutlich unter dem öffentlichen Tarif liegt.

Willuhn: Ich weiß, ich habe da eine Weile gearbeitet als Servicekraft über eine Leiharbeitsfirma. Dadurch kriegt man dieses Personalproblem mit. Ich ziehe meinen Hut vor den Krankenschwestern und Ärzten, was die leisten. Deshalb kann ich das alles nicht verstehen.

Boede: Das einzige, was immer erhöht wird, sind die Gehälter der Geschäftsführung.

Willuhn: Ein großes Problem ist auch der Nahverkehr. Zu bestimmten Zeiten ist das katastrophal. Ich bin auf Öffentliche angewiesen und fahre gerne mit ihnen, weil ich von A nach B komme in der Stadt. Aber ich bin im Moment gesundheitlich angeschlagen und brauche einen Sitzplatz. Die Bahn ist so rammelvoll, dass ich nicht mal rein kann. Da stehen dann auch noch Rollatoren, Kinderwagen.

Boede: Auch bei der Personalentwicklung ist der Oberbürgermeister jahrelang nicht seinen Verpflichtungen nachgekommen. Im Prinzip muss man nicht überrascht sein: Nächstes Jahr gehen viele Leute in Rente. Man kennt die Altersstruktur der Belegschaft. Da muss man sich vorbereiten. Wenn man den Leuten immer weniger bezahlt und die Mieten immer höher werden, überlegen sich die Leute, ob sie in Potsdam wohnen und arbeiten können.

Willuhn: Wichtig ist für mich der dritte Havelübergang. Wann kommt er?

Boede: Ich bin ja kein Fan davon.

Willuhn: Ich weiß, jetzt sind wir mal unterschiedlicher Meinung.

Boede: Man könnte einen dritten Havelübergang für Rad oder Bahn schaffen, damit habe ich kein Problem. Aber eine dritte Straße für Autoverkehr zieht noch weiteren Verkehr herein. Die meisten, die nach Potsdam kommen, sind Pendler. Weit über 80 Prozent wollen ins Zentrum. Die Umfahrung ist ja eine Tangente. Das Problem löst man nicht mit einer Umfahrung, wenn die Leute in die Mitte rein wollen.

Aufgezeichnet von Ildiko Röd

Von Ildiko Röd

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