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Oberbürgermeisterwahl Potsdam Das war der MAZ-Talk zur OB-Wahl
Lokales Potsdam Oberbürgermeisterwahl Potsdam Das war der MAZ-Talk zur OB-Wahl
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14:43 30.08.2018
Zum Gespräch geladen: Die OB-Kandidaten für Potsdam mit MAZ-Chefredakteurin Hannah Suppa (Mitte). Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Besucheransturm beim MAZ-Talk zur Oberbürgermeisterwahl am Mittwochabend: Der Saal im Potsdam-Museum am Alten Markt platzte mit rund 200 Gästen aus allen Nähten, sogar draußen im Foyer standen etwa weitere 50, um sich auf einem Bildschirm die Live-Übertragung aus dem Saal anzusehen.

Das von Chefredakteurin Hannah Suppa moderierte Gespräch mit den sechs Kandidaten war der bislang am besten besuchte MAZ-Talk in Potsdam. Auf dem Podium: Mike Schubert (SPD), Martina Trauth (parteilos für die Linken), Götz Friederich (CDU), Janny Armbruster (Grüne), Lutz Boede (Die Andere) und Dennis Hohloch (AfD).

Schon der Auftakt war kreativ-locker, aber auch aussagekräftig.„Ich würde Sie bitten, sich selbst mit einem persönlichen Gegenstand ihrer Wahl vorzustellen – und das in höchstens 30 Sekunden“, sagte Hannah Suppa zu den Kandidaten, die während der Diskussion dann an verteilt an drei Stehtischen standen.

Mitten in der heißen Wahlkampfphase bat die MAZ die sechs OB-Kandidaten zum MAZ-Talk ins Potsdam-Museum.

Martina Trauth hatte das Brillenetui ihrer Großmutter mitgebracht – eine Erinnerung an eine Powerfrau, die Trauths Leben entscheidend mitgeprägt hat. Schubert hatte sein Laufshirt mitgebracht, ein Symbol für seine sportaffine Familie – sein Vater war Kanu-Trainer – und seine eigene Liebe zum Laufen. Hohloch kam mit umgehängter Ledertasche, die ihn seit Jahren durchs Studium, seinen Lehrerberuf und die Stadtverordnetentätigkeit begleitet.

Friederich hielt sein Handy in die Höhe – nicht nur stellvertretend für alles Moderne, Digitale, sondern auch weil es mit einem Urlaubserinnerungsfoto von seiner Frau verziert ist. Boede hatte einen Fußball mitgebracht – Zeichen seiner Fußballleidenschaft und Trainertätigkeit im Kinderfußballverein. Armbruster hatte auch etwas Persönliches mitgebracht: „Meinen Mann, er erdet mich und wir haben viel zusammen gewuppt.“

MAZ-Talk verpasst? Die komplette Diskussion im Video:

Potsdam wählt am 23. September den neuen Oberbürgermeister. Im Live-Stream können Sie jetzt den MAZ-Talk mit den OB-Kandidaten verfolgen.

Gepostet von MAZonline / Märkische Allgemeine am Mittwoch, 29. August 2018

Heftig diskutiert: die autofreie Innenstadt

Danach ging es gleich zum harten Kern der Debatte – zu jenen Problemen, die auch laut der Forsa-Umfrage im Auftrag der Märkischen Allgemeinen, die Potsdamer am meisten bewegen: die Verkehrssituation und der Mangel an bezahlbarem Wohnraum.

Viel diskutiert: die autofreie Innenstadt. Armbruster und Trauth sind zwar dafür, tun sich aber derzeit noch schwer, den genauen Radius zu lokalisieren. Boede hat da schon konkretere Vorstellungen: „Man muss das Holländische Viertel autofrei machen.“

Friederich verwies auf die Frage des Wie: „Einfach nur zu sagen ,Autos raus!’, geht nicht ohne Alternativangebote.“ Vorstellbar sei etwa ein Parkhaus unter dem Bassinplatz. Die Forderung des als autofahrerfreundlich geltenden Hohloch: eine Überarbeitung des Innenstadtverkehrskonzepts. Schubert favorisiert zwar das autofreie Zentrum, machte jedoch deutlich: Zuerst müssten die Vorbedingungen geklärt werden – etwa die Zufahrtswege für den Rettungsverkehr.

Streit beim Wohnraum – und der Rolle des OB

Beim Thema Wohnen kochte beim Friederich kurzzeitig das Adrenalin hoch. Grund: Schuberts Vorstellung, bei der Vergabe kommunaler Flächen der Pro Potsdam und den Genossenschaften den Vorrang zu geben – und Vorgaben für die Privaten zu machen. Vor allem die Aussicht, dass sich die Pro Potsdam dafür weiter verschulden muss, stellt für den CDU-Kandidaten ein rotes Tuch dar. „Da stelle ich mich ausdrücklich dagegen! Und es ärgert mich immer mehr, dass Sie sagen, man müsse Wachstum drosseln“, wetterte Friederich in Richtung Schubert.

Auch zwischen Boede und Trauth war nicht alles eitel Sonnenschein. Auf die Palme brachte Boede die Äußerungen der Linken-Kandidatin zur Rolle des Potsdamer Stadtoberhaupts bei den städtischen Gesellschaften. „Wenn Sie nicht mal wissen, dass Sie als Oberbürgermeister die Geschäftsführung anweisen können, dann sind Sie einfach ungeeignet fürs Amt“, echauffierte sich der Kandidat der Wählergruppe Die Andere. So könnte ein Rathaus-Chef zum Beispiel die Geschäftsführung des Klinikums „Ernst von Bergmann“ anweisen, wieder in die Tarifbindung einzusteigen.

Schubert wiederum erklärte sein Verständnis der Rolle des OB als Gesellschafter der Landeshauptstadt bei den städtischen Gesellschaften: „Ich finde es nicht schön, dass ein Oberbürgermeister als Gesellschafter Entscheidungen alleine fällt.“ Deshalb gefalle ihm die Idee, einen Beteiligungsausschuss zu gründen, der die Entscheidungen eines Rathauschefs oder einer Rathauschefin begleitet.

Jeder Kandidat stellt seine Vision der Stadt vor

Beim Aufregerthema Wohnen legten die Kandidaten ebenfalls ihre Visionen auf den Tisch. Während AfD-Mann Hohloch eine Lanze für den „sozialen Mix“ und für gezielte Konzeptvergaben bei Grundstücken plädiert, will Grünen-Kandidatin Armbruster auch an „heilige Kühe“ wie etwa einige Garagenstandorte ran, um Sozial- oder Studentenwohnungen umzusetzen. Auch den Wohnungstausch will Armbruster fördern.

Am Ende herrschte nach zwei prallvollen Stunden dann aber doch wieder Einigkeit auf dem Podium – dass jeder einzelne von einer Vision für die Stadt getragen ist, sei es die Spaltung in der Stadt überwinden (Trauth), Wohnungs- und Verkehrsproblematik gemeinsam mit dem Umland lösen (Schubert), eine staufreie, lebendige und vielfältige Stadt (Hohloch), eine moderne Stadt als Wissenschaftsstandort mit Studenten, die auch nach dem Studium bleiben (Friederich), eine Modellkommune für Klimaschutz mit einem lebendigen Kreativquartier in der Mitte (Armbruster) oder eine Stadt mit viel mehr bezahlbarem Wohnraum und mit funktionierenden Stadtteilen, ohne Zustände wie in Cottbus oder Chemnitz (Boede).

Von MAZOnline/Ildiko Röd

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