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Potsdam Oberlin-Klinik fürchtet „feindliche Übernahme“
Lokales Potsdam Oberlin-Klinik fürchtet „feindliche Übernahme“
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00:19 16.12.2017
Matthias Fichtmüller, Vorstand Oberlinhaus Quelle: Oberlinhaus
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Potsdam

Das Oberlinhaus in Babelsberg ist ein diakonisches Dienstleistungsunternehmen mit Betreuungs- und Bildungsangeboten sowie Einrichtungen zur schulischen, beruflichen, medizinischen und sozialen Rehabilitation. In der jüngsten Vergangenheit kam es zu einem internen Machtkampf, zu Übernahmegerüchten und Beurlaubungen von Mitarbeitern.

Matthias Fichtmüller, theologischer Vorstand des Oberlinhauses, berichtet gegenüber der MAZ über den Kurs der Oberlinstiftung und eine mögliche Übernahme.

In Ihrem Haus herrscht seit Monaten große Unruhe: Ein hochrangiger Mitarbeiter geht, Geschäftsführer einzelner Gesellschaften des Oberlinhauses sprechen sich offen gegen den Kurs des Gesamtunternehmens aus – im Kern wird immer auf die Umstrukturierungsmaßnahmen verwiesen, an denen sich alles entzündet. Sind sie als kirchliches Haus zu forsch in diesen Veränderungsprozess gegangen?

Zunächst: Wir haben das Oberlinhaus zukunftsfähig aufgestellt – und dafür in einem langen Prozess Veränderungen angestoßen, die der Straffung und Effizienz von Abläufen dienen sollten. Das besprechen wir bereits seit 2011. Dabei geht es darum, in den verschiedenen Tochtergesellschaften des Hauses nicht alles doppelt zu machen: Also Marketingkompetenzen, Personalfragen, Rechtliches sowie Finanzen und Controlling im Gesamtunternehmen Oberlinhaus zu bündeln – und künftig bei den Referaten des Vorstands anzusiedeln. Es gab beispielsweise in verschiedenen Gesellschaften unterschiedliche kaufmännische Software; Arbeitsverträge sind sehr unterschiedlich aufgesetzt worden – doch wir brauchen einheitliche Qualitätsstandards, um das gesamte Unternehmen zu steuern.

Das haben einige Mitarbeiter – insbesondere die Geschäftsführungen einiger Gesellschaften wie der Klinik oder der Behindertenhilfe offenbar als Entmachtung empfunden.

Das stimmt – einige Geschäftsführungen haben mit dieser Verlagerung von Verantwortung hin zum Vorstand das Gefühl: „Ich muss jetzt etwas abgeben“. Und das hat offenbar Verletzungen hervorgerufen, die zu einer Eskalation geführt haben.

Haben Sie den Veränderungsprozess nicht richtig kommuniziert?

Die Geschäftsführungen der Gesellschaften waren von Anfang an eng eingebunden. So haben wir uns gemeinschaftlich auf diesen Kurs verständigt – das gibt es sogar schriftlich. Aber was wir eingestehen müssen: Nicht alle Mitarbeiter im Haus hat das wohl so erreicht, wie es gemeint war. Wir haben daraus gelernt und setzen nun auf vollständige Transparenz, reden mehr miteinander, bieten viele Mitarbeiterversammlungen an.

Wenn die Geschäftsführer so eng eingebunden waren – weshalb haben vier Ihrer Führungskräfte dann im Juli einen Brief an den Aufsichtsrat geschrieben, um die Absetzung des Vorstandes, also von Ihnen und Herrn Koch, zu fordern?

Wenn wir das wüssten. Das war ein großer Vertrauensbruch – und wir können nur spekulieren. Zunächst waren wir davon ausgegangen, dass es eine persönliche, emotionale Geschichte einzelner Personen ist. Doch seit wenigen Tagen offenbart sich uns, dass da wohl ein Plan dahinterstecken muss.

Was soll das für ein Plan sein?

Man muss sortieren, was in den vergangenen Monaten passiert ist: Unser Haus wird seit Monaten systematisch schlecht geredet – und so destabilisiert. Geschäftsführer haben sich gegen den Vorstand gestellt, ein namhafter Operateur ist zum Ernst-von-Bergmann-Klinikum gewechselt und es gab den Versuch, Teile der Belegschaft mitzuziehen – und nicht nur das: Es gibt den Versuch, das Oberlinhaus in einzelnen Bereichen zu filetieren. Das heißt konkret: Der Versuch, die lukrative orthopädische Oberlinklinik in Potsdam zu übernehmen, der Versuch die Reha-Klinik in Bad Belzig zu kaufen und der Versuch ebenfalls zwei Teile aus der Behindertenhilfe zu erwerben.

Das sind harte Anschuldigungen.

Es gab und gibt konkrete Kaufangebote für einzelne Teile des Oberlinhauses.

Wer hat diese Kaufangebote gemacht?

Es gibt das Angebot von einer Geschäftsführung, die diesen Brief mit der Forderung zur Absetzung des Vorstandes damals geschrieben hat. Zudem hat der Oberbürgermeister der Stadt Potsdam, Jann Jakobs (SPD), Anfang Dezember in einer Gesprächsrunde im Rathaus klar gesagt: Die Stadt will 51 Prozent der Oberlin-Klinik, also unserer orthopädischen Fachklinik, übernehmen.

Die Stadt ist Eigentümerin des Ernst-von-Bergmann-Klinikums, Herr Jakobs damit Gesellschafter. Sie meinen also, dass die Stadt eine Übernahme Ihres Hauses in Gang setzen wollte?

Ich will keine Verschwörungstheorien konstruieren – ich kenne die Beweggründe nicht. Aber für mich macht es den Eindruck, als solle das hier in Richtung feindliche Übernahme gehen – zu Gunsten des Ernst-von-Bergmann-Klinikums. So fügen sich für uns die verschiedenen Vorgänge der vergangenen Monate zusammen: Der Brief der Geschäftsführer gegen uns, den Vorstand des Oberlinhauses; der Wechsel unseres Ärztlichen Direktors und weitere Abwerbeversuche von leitenden Oberärzten sowie weiterem Pflegepersonal Anfang Dezember – dazu die Kaufangebote. Unsere Orthopädie ist eines der Herzstücke des Oberlinhauses. Sie hat einen guten Ruf bundesweit – das weckt Begehrlichkeiten. Ich verstehe nicht, wie ein Oberbürgermeister sich auf so ein Spiel gegen ein diakonisches Haus einlassen kann.

Wie haben die Oberlin-Vertreter in der Gesprächsrunde im Rathaus, in der Jakobs den Übernahme-Vorstoß äußerte reagiert?

Natürlich haben unsere beiden Vertreter gesagt, dass ein Verkauf der Oberlin-Klinik nicht in Frage kommt. Im Übrigen kann weder Vorstand noch Aufsichtsrat die Klinik verkaufen. Das könnte nur die Mitgliederversammlung. Das ist ein Verein mit 220 treuen Oberlinern. Die werden nicht die Totengräber des eigenen Oberlinhauses sein. Das werden unsere Vereinsmitglieder niemals zulassen. Solange wir hier Vorstand sind, wird es keinen Verkauf geben. Für uns sind die Gespräche mit der Geschäftsführung des Klinikums Ernst von Bergmann beendet.

Was erwarten Sie von Oberbürgermeister Jann Jakobs?

Ich erwarte vom Oberbürgermeister, dass er seine Verantwortung gegenüber allen Menschen, die im Gesundheitsbereich in Potsdam arbeiten, auch wahrnimmt und dass er als Stadtoberhaupt die Destabilisierung, die vom Geschäftsführer seiner Klinik ausgeht, unterbindet. Ich erwarte weiter, dass wir zu dem zurückkehren, was wir einmal hatten in Potsdam: Eine geordnete Krankenhauslandschaft und ein vernünftiges Arbeiten. Da muss der Oberbürgermeister ordnungspolitisch eingreifen. Es wäre schade, wenn in den letzten Monaten seiner Dienstzeit ein Agieren sichtbar wird, bei dem Arbeitsplätze und der gute Ruf zweier Kliniken – Bergmann wie Oberlin – beschädigt wird. Das Interesse an einer städtischen Tochtergesellschaft darf nicht schwerer wiegen als die ausgewogenen Interessen einer ganzen Stadt.

In den vergangenen Monaten hieß es noch, dass Sie mit dem Ernst-von-Bergmann-Klinikum Kooperationsgespräche für eine engere, medizinische Zusammenarbeit führen.

Das haben wir auch. Und seit Kenntnis der Vorgänge haben wir diese Gespräche nun vor wenigen Tagen abgebrochen. Darüber werden wir am Mittwoch die Gesprächspartner informieren.

Die Sorge der Oberlin-Mitarbeiter ist natürlich, dass mit Ihrem Konzernumbau Personal eingespart werden soll. Wie viele Stellen sollen denn langfristig in Ihrem Haus durch die Zentralisierung wegfallen?

Gar keine. Wir haben eigentlich nur gesagt, dass wir die Kompetenzen bündeln wollen. Wenn man effizienter sein will, muss man natürlich auch auf die Verwaltungskosten achten. Gleichzeitig suchen wir in vielen Bereichen Fachkräfte.

Also gab es keine externen Berater, die Ihnen empfohlen haben, Stellen abzubauen?

Natürlich haben wir – wie jedes große Unternehmen – auch auf die Expertise externer Berater gesetzt, das ist ein normaler Vorgang. Und ja, wir haben auch mehr Personal als andere Kliniken. Ganz bewusst: Denn das ist unser Qualitätsanspruch. So haben wir im Bereich der Pflege auf den Stationen mehr Personal als andere Krankenhäuser. Dieses spürt jeder Patient. Die Menschlichkeit in der Pflege war und ist ein Markenzeichen der Oberlin-Klinik. Deshalb ist die Pflege das letzte, wo wir einsparen werden. Das, was der Patient spürt, ist eine Schwester mehr auf Station. So mag das Gerücht entstanden sein, wir hätten „zu viel Personal“.

Von Hannah Suppa und Ulrich Wangemann

Das Oberlinhaus ist mit rund 1800 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von über 100 Millionen Euro drittgrößter Arbeitgeber der Landeshauptstadt Potsdam. Jetzt scheint es so, als ob die Stadt Potsdam die Mehrheit der Klinikanteile übernehmen will. Der Oberlin-Vorstand ist empört.

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