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Potsdam Prinz von Preußen spricht über Familie und Monarchie
Lokales Potsdam Prinz von Preußen spricht über Familie und Monarchie
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01:16 09.11.2018
„Biografie und Geschichte – den eigenen Weg finden“ war das Thema der diesjährigen Oberlinrede von Georg Friedrich Prinz von Preußen.
Potsdam

Es ist ein besonderer Gast in einer besonderen Zeit: Georg Friedrich Prinz von Preußen, der Ur-Ur-Enkel des letzten deutschen Kaisers, hielt am Dienstagabend die traditionelle Oberlinrede in der Oberlinkirche auf dem Babelsberger Campus des Vereins. Beinahe auf den Tag genau 100 Jahre nach dem Ende der Monarchie konnte der Chef des Hauses Hohenzollern nicht umhin, als die Historie seiner eigenen Familie mit der Rede zu verknüpfen.

„Ob ich will oder nicht, ich bin mit der fast tausendjährigen Geschichte einer Dynastie verbunden“, sagte Georg Friedrich Prinz von Preußen. Im zivilen Leben arbeitet er als Unternehmensberater, lebt in Potsdam und besitzt eine Brauerei. Die Familie – das Haus Hohenzollern blickt auf 22 Generationen zurück – sei nicht zu ändern und müsse auch nicht geändert werden. Stattdessen sei es die Aufgabe des Familienoberhaupts, das Erbe einer solch ungewöhnlichen Familie zu bewahren und zeitgemäß zu präsentieren. „Meine Alltagssorgen unterscheiden sich nicht groß von denen anderer Potsdamer Väter“, bekannte der Prinz. Doch außerhalb des Alltags bringt das Prinzenleben einige Besonderheiten mit sich.

150 geladene Gäste lauschten der Rede. Quelle: Bernd Gartenschläger

Der Großvater Louis Ferdinand wurde im Potsdamer Marmorpalais geboren und wuchs auf Cecilienhof auf. Georg Friedrich selbst war als Teenager dabei, als die sterblichen Überreste Friedrichs II. und dessen Vater nach Potsdam überführt wurden. Nach dem Tod seines Großvaters wurde der Prinz mit nur 18  Jahren das Oberhaupt des Adelshauses. Nichts davon ist alltäglich, nichts davon ist leicht: „Den eigenen Weg zu finden war für mich zu dieser Zeit ungemein schwierig.“

„Ohne Familie keine Herkunft, keine Zukunft“

Trotz der zahlreichen Aufgaben, denen sich der junge Mann stellen musste, haderte er nicht mit seiner Herkunft. „Familie ist nichts, wovon man sich in irgendeiner Form lösen oder befreien müsste“, sagte Georg Friedrich Prinz von Preußen in seiner Rede. Niemand könne etwas für seine Herkunft und Geschichte, vielmehr sei es die Pflicht eines jeden Einzelnen, das beste aus dieser Herkunft zu machen. „Der gesellschaftliche Wandeln beschleunigt sich immer mehr und wenn wir uns alle mehr auf unsere Familien besinnen würden, könnten sich vielleicht viele Probleme der Welt von allein lösen“, so der Adelsspross. „Ohne Familie gibt es keine Geschichte, keine Herkunft, keine Zukunft.“

Dabei wuchs der Prinz ziemlich weit weg von allem Preußentum auf, sowohl räumlich als auch inhaltlich. „Ich wurde von meiner Mutter und meinem Großvater in Bremen immer davon ferngehalten, was vielleicht manchmal zu gut gemeint war“, sagt der Prinz. „Ich wollte ganz normal sein und fand die Fragen anderer Kinder erst einmal seltsam.“ Er gewöhnte sich dann aber schnell an die Neugier, die sein großer Name auslöste und wurde zum modernen Repräsentanten seiner Familie.

Nachbarschaftlicher Besuch in der Oberlinkirche

Seit sechs Monaten lebt er mit seiner Frau, Prinzessin Sophie, und den vier gemeinsamen Kindern in Babelsberg. Die Nachbarschaft zum Oberlinhaus ist ihm dabei sehr bewusst. Hier findet sich eine familiäre Verbindung: „Meine Ur-Ur-Großmutter Auguste Victoria feierte hier einst den Gottesdienst“, sagte Georg Friedrich Prinz von Preußen, „und ich betrachte den heutigen Abend auch als nachbarschaftlichen Besuch.“ Besonders beeindrucke ihn die Arbeit mit taubblinden Menschen. Diese hat ihre Anfänge noch in der Kaiserzeit, heute gibt es zwei Wohnbereiche für Menschen mit dieser Beeinträchtigung in Babelsberg.

Lange Tradition im Babelsberger Kiez

Die traditionelle Oberlinrede wird alljährlich von einem Prominenten in der Oberlinkirche gehalten. Thematisch befasst sie sich stets mit dem Kerngebiet der diakonischen Stiftungsarbeit: der Integration von Behinderten.

Zu den bisherigen Rednern gehörten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die frühere RBB-Intendantin Dagmar Reim und Brandenburgs Ex-Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD).

Der Oberlinverein besteht seit 1871, seit 1874 ist er im heutigen Babelsberg ansässig. Er unterhält unter anderem eine Klinik, eine Schule, mehrere Kindertagesstätten und Behindertenwerkstätten.

Laut Vereinsangaben betreuen die verschiedenen Tochtergesellschaften mehr als 30.000 Menschen.

1800 Beschäftigte arbeiten in den Einrichtungen. Damit ist das Oberlinhaus einer der größten Arbeitgeber in der Landeshauptstadt.

Namensgeber ist der elsässische Pfarrer, Pädagoge und Sozialreformer Johann-Friedich Oberlin (1740–1826).

Die Integration von Menschen mit Beeinträchtigungen kennt der Prinz sein Leben lang. Seine jüngere Schwester ist wegen einer Virusinfektion seit der Geburt behindert. Georg Friedrichs Umgang mit ihr ist einer der Gründe dafür, dass der theologische Vorstand des Oberlinhauses, Matthias Fichtmüller, den Prinzen als Redner eingeladen hat. „Ich habe die Bilder der Hochzeit des Prinzen im Jahr 2011 in Potsdam gesehen und mir ist aufgefallen, wie liebevoll und selbstverständlich er seine Schwester an der Hand geführt hat“, sagte Fichtmüller

„Unzählige Biografien vor uns haben Geschichte gemacht – wenn wir für die nächste und übernächste Generation sorgen, setzen wir die Geschichte fort“, schloss der Preußen-Prinz seine Rede. „Das Oberlinhaus macht es ebenso, denn auch hier finden wir eine große Familie.

Von Saskia Kirf

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