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Potsdam Oberlympische Vorfreude
Lokales Potsdam Oberlympische Vorfreude
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07:30 10.06.2016
Lea Voitel (19) ist Verteidigerin im E-Hockey und froh, dass ihren Rolli so schnell nix umhaut. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Babelsberg

Eine Außenseiterin ist sie nicht, darauf legt Lea Voitel wert. Aber wehe, es kommt ein Angriff von außen, dann ist sie da! Und wie! Lea Voitel fiebert den Oberlympics entgegen, dem größten inklusiven Sportfest des Landes, das kommenden Mittwoch zum 10. Mal beim Berufsbildungswerk des Oberlinhauses (BBW) stattfindet. Die 19-Jährige trainiert E-Hockey. Fünf Spieler hat ein Team: einen Torwart, zwei Stürmer, zwei Verteidiger. Lea gehört zur Abwehr und ist froh, dass ihren schweren Elektro-Rolli so schnell nix umhaut. „In einem Turnier“, sagt sie, „kann’s ganz schön hart zur Sache gehen.“ Die Stürmer in ihren leichteren Sportrollis machen im Eifer des Gefechts öfter mal mit dem harten Hallenboden Bekanntschaft. Autsch!

Für Lea Voite sind es die ersten Oberlympics, da sei sie ganz schön aufgeregt. Seit September 2015 absolviert sie am BBW ein berufsvorbereitendes Jahr. In ein paar Wochen beginnt dort ihre Ausbildung zur Kauffrau für Tourismus und Freizeit; sie möchte unbedingt ein Studium dranhängen. „Ich schreibe so gern“, sagt Lea. „Journalismus interessiert mich, aber das klappt mit der Behinderung nicht.“

Bei der Geburt bekam Lea Voitel zu wenig Sauerstoff, dadurch wurden die für die Bewegung zuständigen Bereiche des zentralen Nervensystems geschädigt – es kam zu einer spastischen Tetrapaese, zu einer Art Lähmung, die auch Leas Sprache beeinflusst. „Mich nervt nicht, dass ich im Rollstuhl sitze. Was mich nervt, ist dass mich andere so schwer verstehen. Das geht sehr aufs Selbstbewusstsein.“ Dabei ist die blonde junge Frau alles andere als schüchtern – das zeigt schon ihr Outfit. Apfelgrüne Chucks leuchten an ihren Füßen, am liebsten schlüpft sie Shirts mit Hard-Rock-Café-Aufdruck. In Barcelona hat sie eins gekauft, in Prag, London, Berlin... „Ich reise gern“, sagt Lea. Rolli hin oder her – sie erfüllt sich ihre Träume. Dazu gehören auch Konzerte ihrer Lieblingsbands. Das sind Die Toten Hosen und Die Ärzte – und sie hat sie beide an einem besonderen Ort gesehen: in Ferropolis, der Stadt aus Eisen. Zwischen gigantischen Baggern, die wie stählerne Dinosaurier anmuten – was ist da schon ein Rolli?

Die Oberlympics

Vor 16 Jahren, am 11. Mai 2000, wurden im Potsdamer Berufsbildungswerk die ersten Oberlympics ausgetragen. Der Name leitet sich ab aus (Johann Friedrich) Oberlin und Olympics für die Olympischen Spiele.

Rund 500 Teilnehmer des Berufsbildungswerks (BBW) sind dabei. Zudem Schülerteams vom Einsteingymnasium (45 Schüler), vom Filmgymnasium (20), von der Fontaneschule (60) und der Oberlinschule (80). Auch 28 Schüler, die am BBW das Berufsorientierungsprogramm absolvieren, sind aktiv mit dabei – dies sind Schüler der Schule am Plessower See, der Türk-Schule und der Schule Am Hirtenweg aus Hamburg.

Traditionell kooperiert das BBW bei den Oberlympics mit dem Department Sport und Gesundheitswissenschaften der Universität Potsdam. 65 Studenten vor allem des Studiengangs Sporttherapie und Prävention werden Schiedsrichter und Anleiter sein. Erzieher-Schüler der BBW-Fachschule unterstützen die einzelnen Stationen ebenfalls als Schiedsrichter und Betreuer.

Angelehnt an die Olympischen Spiele 2016 bereitet die BBW-Küche zum Mittag für alle Teilnehmer eine brasilianische Spezialität vor.

Schirmherr ist Minister Günter Baaske (SPD). Gefördert werden die Oberlympics unter anderem aus Mitteln der Mittelbrandenburgischen Sparkasse. Außerdem helfen erstmalig zehn Mitarbeitende der Bank of Scotland, Niederlassung Berlin ehrenamtlich bei der Organisation.

Von Nadine Fabian

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