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Potsdam Ohne Sylvio Lienert hätte Hollywood Probleme
Lokales Potsdam Ohne Sylvio Lienert hätte Hollywood Probleme
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20:30 18.07.2016
Der Stalingradfilm „Duell – Enemy at the Gates“ (2000) wurde überwiegend in Krampnitz gedreht – und die Lienerts halfen kräftig mit. Quelle: dpa
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Kartzow

Wenn Hollywood ein Problem hat, klingelt das Telefon von Sylvio Lienert. Sein Handy bestimmt das Leben des gelernten Baufachwirts und langjährigen Obstbauern. Er ist der Mann für die Lösungen. Das wissen die Leute vom Film. Kaum ein Set in der Region gibt es noch, das Lienert und sein Team nicht mit aufgebaut hätten. Steckt mitten in der Nacht jemand fest, müssen sofort zehn Tonnen Material nach Görlitz gefahren oder spontan eine Straße gebaut werden, wählt einer aus der Crew die Nummer des „Filmservice Lienert“ in Kartzow. Der ist immer erreichbar. Und egal, ob der Chef selbst den Hörer aufnimmt oder seine rechte Hand Michael Bredow, die Telefonate verlaufen immer gleich: Wann? Wo? Wie viele? Ja, machen wir. 24 Stunden am Tag, jede Woche, jeden Monat, seit sieben Jahren. „Rufen die an, geht es los“, sind sich die beiden einig.

Zum Film kam Sylvio Lienert schon 1999. Nach der Wende war er zunächst Blumenhändler, hatte dann als Obstbauer begonnen. Heute betreibt er mehrere Selbstpflückerplantagen im Nordwesten Potsdams und einen Hofladen in Priort. Doch damals lief das Geschäft erst an, die frisch gesetzten Bäume mussten erst einmal Früchte tragen. Also verdingte sich Lienert bei einer Spezialeffekt-Truppe. Das nahe Studio Babelsberg war nach längerer Durststrecke auf Expansionskurs, orientierte sich international. In der ehemaligen Kaserne Krampnitz drehte Oscar-Preisträger Jean-Jacques Annaud sein Stalingrad-Drama „Duell – Enemy dafür, dass es krachte, qualmte und aussah, als tobe hier eine Schlacht.

Sie helfen Hollywood: Sylvio Lienert (l.) und Michael Bredow Quelle: Marcel Kirf

Nach zehn Jahren machte der da schon eher nebenberufliche Obstbauer sich selbstständig, gründete dem Drehort-Verantwortlichen, dem sogenannten Location Manager so viel Arbeit abzunehmen wie möglich. Zehn Festangestellte beschäftigt er inzwischen. Sie stellen Zäune zur Absicherung und als Sichtschutz, verlegen Fahrbahnplatten in unwegsamem Gelände, bringen die temporäre Infrastruktur für die Filmcrew mit: Biertischgarnituren und Zelte, Maskenspiegel, Stromgeneratoren, mobile Toiletten, Abwasser- und Frischwasseranlagen.

„Bei der Drehort-Vorbereitung für den Film ,A Cure for Wellness’ (von ,Fluch der Karibik’-Regisseur Gore Verbinski, der im kommenden Jahr startet) haben wir zwanzig Container Müll aus den ehemaligen Krankenhausgebäuden in Beelitz-Heilstätten geholt“, erzählt Lienert von einer relativ aktuellen Produktion. Anschließend säuberten sie die Wände, verputzten und strichen sie neu. Viele ihrer Landwirtschaftsmaschinen vom Obsthof, den heute seine Ehefrau managt, setzen Lienert und seine Leute auch an Drehorten ein: riesige Rasenmäher, Reinigungsgeräte, Traktoren. Für Steven Spielbergs Spionage-Thriller „Bridge of Spies“ rückten sie das letzte verbliebene Flugzeug auf dem ehemaligen Berliner Flughafen Tempelhof ins Bild. Für George Clooneys Kriegsdrama „Monuments Men“ lebte Michael Bredow einige Wochen im Harz, um direkt auf jeden Wunsch reagieren zu können. Für eine andere Produktion, über die sie noch nicht sprechen dürfen, hat der „Filmservice Lienert“ in Sachsen gerade 35 Meter Hecke gepflanzt.

„Alles aus einer Hand ist unser Motto“, erklärt Michael Bredow, der früher einmal Computertechniker war. „Und wir machen alles möglich“, ergänzt sein Chef, „das Aufgabenspektrum wächst von Mal zu Mal, wir haben noch nie nein gesagt.“ In Kartzow haben sie gerade einen „Filmhof“ ins Leben gerufen: sechs Filmfirmen unter einem Dach. Neben dem „Filmservice Lienert“ ist eine Stuntcrew dabei, ein Caterer, ein Metallbau- und Effektunternehmen, ein Location Manager und ein Props- & Model Maker, der Kulissen und Requisiten herstellt. Die Lager sind voll. Und die Auftragsbücher noch voller. Urlaub ist kaum noch möglich für Lienert und Bredow – ebenso wenig wie ein längeres Gespräch. Denn gemessen daran, wie oft das Firmenhandy klingelt, gibt es viele Probleme beim Film. Probleme, die die Kartzower lösen werden.

Von Marcel Kirf

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