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Ohrfeigen und Psychoterror: Strafe für WG-Mutter

Urteil für Ex-Betreiberin von Wilhelmshorster Mädchen-Asyl Ohrfeigen und Psychoterror: Strafe für WG-Mutter

Das Amtsgericht Potsdam hat die ehemalige Betreiberin einer Wohngemeinschaft für Mädchen und junge Frauen in Wilhelmshorst wegen Körperverletzung und Nötigung verurteilt. Der Prozess glich einem Nervenkrieg – vor allem, weil die Glaubwürdigkeit der Zeuginnen immer wieder in Zweifel stand.

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Das Justizzentrum an der Jägerallee beherbergt unter anderem das Amtsgericht.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Wilhelmshorst. Zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung hat das Potsdamer Amtsgericht am Montag die ehemalige Betreiberin einer Wohngemeinschaft für Mädchen und junge Frauen in Wilhelmshorst verurteilt. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Constanze Rammoser-Bode sah es als erwiesen an, dass sich Roswitha B. – von ihren einstigen Zöglingen „Rosi“ genannt – der Körperverletzung und Nötigung schuldig gemacht hat. Die Mittfünfzigerin muss als Bewährungsauflage 4000 Euro an die Opferhilfe zahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Sowohl Roswitha B. als auch die Staatsanwaltschaft können binnen einer Woche Rechtsmittel einlegen.

In dem Verfahren, das sich von vier geplanten Verhandlungstagen auf neun Verhandlungstage ausgedehnt hatte, standen sich zwei Lager erbittert gegenüber, die den Graben zwischen sich von Termin zu Termin tiefer zogen und in diesem Leben sicher keinen Frieden mehr schließen werden.

Auf der einen Seite etliche junge Frauen, die zwischen 2009 und 2014 mit dem Segen des Jugendamtes als „schwierige Mädchen“ in die Obhut der Angeklagten gegeben wurden und von Ohrfeigen und anderen tätlichen Übergriffen, von Beleidigungen, Einschüchterungen und Psychoterror berichten. Auf der anderen Seite die Angeklagte, die in ihrem Schlusswort vor Gericht keinen Zweifel daran ließ, dass sie die WG mit harter Hand führte, mitunter aber an ihre erzieherischen Grenzen stieß; die beteuerte, dass sie ihre Aufgabe gern erfüllt habe und dabei stets das Wohl der Mädchen im Sinne hatte – einige wenige halten ihr bis heute die Treue.

War dieses Verfahren wie von Roswitha B. und ihrem Verteidiger dargestellt eine Intrige? Eine späte Rache für ein strenges Regiment?

Immer wieder geriet während des Prozesses die Glaubwürdigkeit der einstigen WG-Bewohnerinnen ins Wanken. Dafür waren vor allem zwei Dinge ausschlaggebend. Erstens: der Anstoß des Verfahrens. Den gab ein Mädchen, dessen Mutter mit Roswitha B. ein offenbar problematisches Arbeitsverhältnis pflegte, das kurz vor der Anzeige endete. Zweitens: eine dem Gericht vorliegende Diskussion der Mädchen über den Nachrichtendienst Whatsapp darüber, ob und wofür man „Rosi“ anzeigen wolle.

„Das alles macht auch uns skeptisch“, räumte die Richterin ein. Umso intensiver habe sich das Schöffengericht mit den Aussagen der einzelnen Mädchen auseinandergesetzt. „Ich wüsste nicht einen Fall, in dem sie sich abgesprochen haben sollten“, so die Richterin. „Es gab Übergriffe: mit Druck, mit Worten, mit Körperverletzung.“ Möglicherweise sei die Situation in der WG aus dem Ruder gelaufen, weil Roswitha B. nicht wie in der Betriebserlaubnis gefordert „mindestens 1,5 pädagogische Fachkräfte plus Leitung“ einsetzte, sondern meist allein wirtschaftete. „Aber es war auch das Erziehungsmodell, das Ihnen vorschwebte: den Willen der Mädchen brechen.“

Während Verteidiger Steffen Voigt einen Freispruch beantragte, forderten Staatsanwaltschaft und Nebenklage eine anderthalbjährige Bewährungsstrafe. „Wir haben es hier im Verfahren nur mit der Spitze des Eisbergs zu tun“, betonten beide. Insgesamt waren 14 mutmaßliche Übergriffe angeklagt; vier Punkte wurden während des Verfahrens jedoch eingestellt oder zum Freispruch ausgesetzt, weil sie entweder verjährt oder nicht zu beweisen waren.

Von Nadine Fabian

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