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Olympiagold kommt bald nach Hause

Goldmedaille von 1932 Olympiagold kommt bald nach Hause

Sie war verschollen, dabei hatte sie Horst Hoeck viel bedeutet: Die olympische Goldmedaille. Seine Tochter, Karin Isermann, hat das wiedergefundene Olympiagold aus Kleinmachnow am Donnerstag erstmals in Händen gehalten. Jetzt will seine Tochter das Grab des Vaters mit der Trophäe besuchen. Doch bis dahin müssen einige Hürden überwunden werden.

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Kleinmachnows Bürgermeister Michael Grubert (SPD) und Horst Hoecks Tochter Karin Isermann mit der Goldmedaille von 1932.

Quelle: Christel Köster

Kleinmachnow. Zum ersten Mal in ihrem Leben hat Karin Isermann am Donnerstag die olympische Goldmedaille ihres Vaters Horst Hoeck in Händen gehalten. Der Kleinmachnower Bürgermeister Michael Grubert (SPD) empfing die 75-Jährige am Donnerstag in seinem Büro und holte das Fundstück eigens aus dem Tresor der Stadtkasse.

„Diese Medaille hatte einen sehr großen Wert für meinen Vater. Das war etwas, das ihn an seine sportlichen Erfolge erinnerte und das er fassen konnte. Er hatte sich nach dem Verlust immer eine Nachahmung gewünscht, aber so etwas gibt es nicht“, erzählte Isermann. Hoeck hatte die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 1932 in Los Angeles als Ruderer gewonnen. Sie war vor wenigen Tagen in einem Tresor im ehemaligen Wohnhaus des 1969 verstorbenen Sportlers in Kleinmachnow gefunden worden.

Mit der Olympia-Medaille zum Grab

Bei Hoecks Flucht nach West-Berlin in der Nachkriegszeit, blieb die Medaille in der Sowjetischen Besatzungszone. Karin Isermann wurde 1939 geboren und entstammt der ersten Ehe Hoecks mit der Schauspielerin Margot Ruth Lüchen. Sie ist sein erstes Kind. Ihr Halbbruder Horst Hoeck hatte sie nach Medienberichten über den Fund informiert. Die Berlinerin meldete sich daraufhin im Kleinmachnower Rathaus, wo sie gemeinsam mit ihrem Mann das historische Edelmetall betrachte.

„Es ist sehr traurig, dass mein Vater den Fund nicht mehr miterleben konnte, aber ich werde mit der Medaille zu seinem Grab gehen und ihm zeigen, dass sie wieder in Familienbesitz ist“, kündigte Isermann an. Von der Existenz der Medaille erfuhr sie erst in den Fünfziger Jahren durch ihren Vater. Wo genau sie versteckt war, habe aber nicht einmal dieser gewusst. Bei Bauarbeiten in dem als Kita genutzten Haus kam am Montag der Tresor mit der Medaille zum Vorschein. Bevor Karin Isermann die Goldmedaille von der Gemeinde übergeben wird, werde ihr Anspruch durch ihren Erbschein überprüft, versicherte Bürgermeister Grubert. Isermann sagte am Donnerstag, dass sie Alleinerbin sei und die Ansprüche der anderen Erben schon lange geklärt wären.

Kleinmachnows Bürgermeister Michael Grubert (SPD) holte die Medaille für Karin Isermann aus dem Tresor der Stadtkasse

Kleinmachnows Bürgermeister Michael Grubert (SPD) holte die Medaille für Karin Isermann aus dem Tresor der Stadtkasse.

Quelle: Peter Degener

Hürden im Erbrecht

So einfach ist es laut Götz Schulze, Zivilrechtsprofessor der Universität Potsdam und Richter am Oberlandesgericht, allerdings nicht. „Die Medaille gehört nun auch zum Nachlass und gehört allen damaligen Erben zu gleichen Teilen, wenn diese nicht verzichtet haben oder abgefunden worden sind.“ Das schließt die insgesamt vier Kinder Hoecks und mögliche Erben seiner dritten Ehefrau mit ein. Wenn Karin Isermann tatsächlich einen Erbschein hat, der sie als Alleinerbin aufweist, „wäre das überraschend, aber auch ein Erbschein kann natürlich angefochten werden“, sagt Schulze.

Matthias Gerschwitz, der die Familiengeschichte recherchiert und unter dem Titel „Molle und Medaille“ veröffentlicht hat, geht aber davon aus, dass sich die vier Kinder intern geeinigt haben. Er hatte gleich nach dem Fund mit Horst Hoecks gleichnamigen Sohn über den Medaillenfund gesprochen. „Er wollte die Angelegenheit Karin Isermann als ältestem Kind überlassen“, sagt Gerschwitz.

Die Vorderseite (links) und Rückseite der olympischen Medaille von 1932

Die Vorderseite (links) und Rückseite der olympischen Medaille von 1932.

Quelle: Peter Degener

Die Gestaltung der Olympia-Medaille

Die Gestaltung der olympischen Siegermedaillen ist seit den ersten Spielen der Neuzeit 1896 immer wieder verändert worden. Stets entschied das Internationale Olympische Komitee nach einem künstlerischen Wettbewerb.

Für die Sommerspiele 1928 in Amsterdam wurde der Entwurf des Florentiner Bildhauers Guiseppe Cassioli (1865-1942) gewählt. Sein „Trionfo“ („Triumpf“) zeigt die Siegesgöttin Nike mit einem Siegerkranz und Palmwedel vor dem römischen Kolosseum als Sportstätte. Auf der Rückseite wird der triumphierende Sieger auf den Händen anderer Athleten getragen.

Die Vorderseite mit der Siegesgöttin blieb in leichten Variationen und Modernisierungen bis zu den Sommerspielen in Sydney im Jahr 2000 erhalten.

Seit den Spielen in Athen 2004 wird die griechische Herkunft der Olympiade betont. Seitdem schreitet eine geflügelte Nike aus dem Athener Panathinaiko-Stadion. Im Hintergrund ist die Akropolis zu sehen und erstmals zieren seitdem die Olympischen Ringe die Medaillen der Sommerspiele.

Die Rückseite wird seit den Sommerspielen in München 1972 individuell von den Austragungsorten gestaltet.

Um den Hals gehängt wurden die Medaillen den Siegern erstmals 1904 in St. Louis. Doch das blieb eine Ausnahme. Meist wurden die Medaillen in kleinen Schmuckkästchen überreicht. Bei den Sommerspielen 1960 in Rom wurde die Ehrung mit einer Medaille an einem Band wieder aufgenommen und seitdem zur Tradition.

Für die Winterspiele werden seit jeher eigene Medaillen gestaltet. pede

Medaille als Erinnerung an den Vater

„Mein Vater war witzig, engagiert, großzügig und hat vielen Menschen geholfen, die aus der sowjetischen Besatzungszone geflohen waren“, beschreibt seine Tochter Horst Hoeck. Außerdem sei er auch „gut aussehend und eitel“ gewesen. Eine Menge Frauen in Berlin kannten ihn, erzählt Isermann. Eine Menge Frauen in Berlin kannten ihn, erzählt Isermann. Auf seinem Grab haben nach seinem Tod 1969 auch immer wieder „fremde rote Rosen“ gelegen.

Am Berliner Olympiastadion erinnert diese Stele an die deutschen olympiasieger von 1932

Am Berliner Olympiastadion erinnert diese Stele an die deutschen olympiasieger von 1932.

Quelle: Olympiastadion Berlin GmbH

Künftig werde Isermann die Medaille bei sich zu Hause als Erinnerung an ihren Vater aufbewahren. „In einen Tresor kommt sie bestimmt nicht mehr!“, scherzte sie. Ob sie irgendwann öffentlich ausgestellt werden wird, könne sie noch nicht sagen. Erst einmal bleibe sie im Familienbesitz.

Doch auch für die Gemeinde Kleinmachnow bleibt etwas von der Goldmedaille. „Frau Isermann hat uns erlaubt, einen Abdruck für das Heimatmuseum zu machen und will uns Fotos aus der Kleinmachnower Zeit ihres Vaters zur Verfügung stellen“, sagte Grubert.

Die Kopie soll schon in den nächsten Tagen in Auftrag gegeben werden.

Von Peter Degener

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