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„Ornament & Versprechen“ im Kunstkontor

Studie zur Überwachung am Potsdamer Jungfernsee „Ornament & Versprechen“ im Kunstkontor

Die Künstlergruppe „Ornament & Versprechen“ mit Steffen Mühle, Mike Geßner und Mike Bruchner präsentiert in der Galerie Kunst-Kontor am Jungfernsee in Potsdam mit „Peeping Tom ... 2016“ eine Studie zur alltäglich gewordenen Rundumüberwachung. Eröffnung ist am Sonntag.

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Steffen Mühle, Mike Geßner und Mike Bruchner (v.l.) sind „Ornament & Versprechen“.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Stimmen in einem kranken Kopf: „ich bin so frei / die hin- und herbewegung / ich hoffe sie am verabredeten ort zutreffen“. „Peeping Tom ... 2016“ ist der Titel der Ausstellung, der sie zum Wispern bringt. Die Wände der Galerie Kunst-Kontor von Friedrike Sehmsdorf sind bestückt mit den Fragmenten von Hochsitzen, Aussichts-, Beobachtungstürmen. Jeder von ihnen ist anders zerschlissen. Schmale Leisten markieren die Sichtbahnen. Manchmal greifen sie ausfächernd in den Raum, manchmal stehen sie waagerecht wie die Kanonenrohre eines angreifenden Panzerfahrzeugs.

„Peeping Tom“ (GB 1960) ist der Titel eines Filmklassikers über einen Psychopathen, der Frauen vor der laufenden Kamera tötet. Die Potsdamer

Entwurf mit Wachturm und Affen

Entwurf mit Wachturm und Affen.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Künstlergruppe „Ornament & Versprechen“ verwandelt das Thema. Der Mörder wird zum Spanner, der Spanner wird seriell, die Beobachtung zum alltäglichen Vorgang. Die Ausstellung ist aufgebaut in einem Viertel, in dem fast jedes Grundstück mit einer eigenen Kameraüberwachung ausgestattet ist. Sie passt zum generellen Streit um Videoüberwachung. Und sie passt, weil die alte Staatsgrenze mit ihren Wachtürmen am Jungfernsee noch in Erinnerung ist.

„Ornament & Versprechen“ präsentieren einen Prototypen des Wachturms kunstvoll unter Glas und Variationen davon ungeschützt, dafür fein angemalt. Manche von ihnen greifen in den Raum, manche fingern spinnenhaft an der Wand. Das Unbehagen ist greifbar. Das Summen eines Geräts irgendwo im Haus bleibt hängen wie ein Sirenenton.

Gleich vorn neben dem Eingang steht das Hirn. Ein Schrank mit einer Treppe, deren Stufen fast zwei Meter in die Höhe führen und auf der anderen Seite kopfüber wieder hinab. Aus dem Speicher am Boden quillt Papier mit Sätzen, mit Satzfetzen, mit dem ganzen irrsinnigen Kram, der sich beim Spionieren so ansammelt: Beobachtungen, Gedanken, Tagträume, Quatsch.

Mit „Peeping Tom ... 2016“ begehen der Grafikdesigner Mike Geßner (53), der Fotograf Steffen Mühle (56) und der Maler Mike Bruchner (51) das neunjährige Bestehen von „Ornament & Versprechen“. Gegründet 2007,

„Tarnkappe“

„Tarnkappe“.

Quelle: Bernd Gartenschläger

ist der Name der Gruppe eine hintersinnige Absage an das berühmte Traktat „Ornament und Verbrechen“ von Adolf Loos (1870-1933), der 1910 gegen jede Art von Schmuck, Verzierung und Wiederholung um ihrer selbst willen wetterte.

„Ornament & Versprechen“ zelebrieren auch im Kunst-Kontor das Spiel mit der Serie. Jedes ihrer Wachturmfragmente hat eine eigene Farbe, doch die eigentliche Konstruktion bleibt sich ähnlich. Der unter das Glas gesetzte Prototyp hingegen wird in der Ausstellung mit vier hochwertigen Fotoprints verherrlicht, die jeder eine andere Farbe als Untergrund und allesamt das gleiche Tapetenmuster haben: Ein Turmspringer, der sich in der Luft rollt.

Vor der Galerie wächst das Motiv des fragmentierten Wachturms ins Riesenhafte. Der Rumpf dieser Konstruktion steht auf dem Rondell am Bertiniweg, die Kanzel ruht wie ein abgeschlagener, beiseite gestellter Kopf auf dem Rasen vor der Galerie. Was fehlt, ist eine Kamera.

Die Ausstellung wird am Sonntag um 16 Uhr eröffnet. Eine Vor-Eröffnung gibt es am Sonnabend zur Kunstgenusstour von 15 bis 21 Uhr.

Info Bertiniweg 1 A, bis 22. Oktober, Di/Mi 15-19 Uhr, Do 15-20 Uhr, Sa 13-18 Uhr; KontaktTel. Tel. 0331/581 73 66.

Von Volker Oelschläger

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