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Potsdam Oscar-Jubel in Babelsberg
Lokales Potsdam Oscar-Jubel in Babelsberg
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20:24 05.03.2018
Gerd Nefzer mit einem Filmplakat von jenem Film, für den er seinen ersten Oskar gewonnen hat. Der Schwabe arbeitet seit fast 30 Jahren auch von Babelsberg aus. Quelle: Foto: Ralf Hirschberg
Babelsberg

In der Oscar-Nacht gab es nicht nur in Los Angeles Jubel. Auch in den Babelsberger Studios haben nach der Bekanntgabe der Oscar-Gewinner Sektkorken geknallt. Denn ein Goldjunge kommt nach Potsdam. Der Spezialeffekte-Künstler Gerd Nefzer, der seit fast 30 Jahren auch in Babelsberg wirkt, hat einen Oscar für seine Arbeit an dem Science-Fiction-Film „Blade Runner 2049“ gewonnen. Vor allem für das Wetter war der 52-Jährige verantwortlich. Ihm gelang es, die für den Film charakteristische düstere Stimmung zu kreieren. Er wurde mit einem Visuelle-Effekte-Team aus London ausgezeichnet und nahm mit ihm gemeinsam die Auszeichnung auf der Bühne im Dolby Theatre in Los Angeles entgegen. Die Männer waren für ihre Arbeit im Vorfeld auch mit dem begehrten British Academy Film Award (BAFTA) geehrte worden.

Richard R. Hoover, Paul Lambert, John Nelson und Gerd Nefzer (v.l.n.r.) nehmen während der 90. Oscar-Verleihung auf der Bühne im Dolby Theatre die Auszeichnung für die besten visuellen Effekte für den Film «Blade Runner 2049» entgegen. Quelle: Invision/AP

„Ich hätte nie gedacht, es mal zu den Oscars zu schaffen.“

„Das fühlt sich großartig an, fantastisch!“, sagte Nefzer dem Magazin „Der Spiegel“. „Es ist ein super Moment in meinem Leben. Ich hätte nie gedacht, dass ich es als deutscher Spezial-Effekte-Künstler mal zu den Oscars schaffe“, sagte er.

Spezialeffekte vs. Visuelle Effekte

Im Unterschied zu den Visuelle-Effekte-Künstlern arbeitet Gerd Nefzer als Spezial-Effekte-Profi am Filmset. Seine Kunst entsteht nicht am Computer. Seine Effekte müssen real umgesetzt werden. So ist er gefragt, wenn etwa Schüsse fallen oder, wie in „Blade Runner 2049“, das Wetter eine Rolle spielt. In dem Science-Fiction-Film sorgte er für viel Wind, Regen und Nebel.

Visuelle Effekte wären nichts für den gebürtigen Schwaben, hat er einmal verraten. „Ich bin kein Computer-Mensch“, sagte er in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur in Hollywood.

Die Oskar-Jury macht zwischen Visuellen und Spezialeffekten indes keinen Unterschied. Sie verleiht einen Oskar für beide. Die Kategorie heißt „Visuelle Effekte“. In diesem Jahr waren unter den Gewinnern Vertreter beider Disziplinen vertreten.

„Das ist ein verdienter Preis für den ‚Wettermacher‘ dieses spannenden Science-Fiction-Films“, sagt Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs. „Der Oscar ist gut für den Filmstandort Babelsberg und er ist gut für die Landeshauptstadt.“

Auch das in Potsdam ansässige Filmförderunternehmen Medienboard Berlin-Brandenburg ist begeistert. „Gratulation an Gerd Nefzer für den VFX-Oscar für ‚Blade Runner 2049’“, sagt Geschäftsführerin Kirsten Niehuus. „Die Hauptstadtregion inspiriert zu internationalem Arthouse- und Blockbuster-Kino der Spitzenklasse.“ Nicht weniger groß war die Freude beim Medienboard über die Auszeichnung des Transgender-Dramas „Eine fantastische Frau“. Die chilenisch-deutsch-amerikanische Koproduktion des chilenischen Regisseurs Sebastián Lelio wurde als bester fremdsprachiger Film prämiert. Das Medienboard förderte ihn mit 200 000 Euro. „Fantastisch. Nach zahlreichen internationalen Preisen nun der Auslands-Oscar – mehr geht nicht!“, sagt Niehuus. „Herzlichen Glückwunsch an das Team um Sebastián Lelio, der den Film in Berlin fertiggestellt hat.“

Schnell wieder nach Hause, der nächste Film wartet

„Der Oscar-Erfolg stärkt das Ansehen unseres Medienstandortes“, sagt Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD). „Das ist auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.“ Der Minister hebt in diesem Zusammenhang die Erhöhung der Filmförderung des Bundes hervor. Zusätzliche 75 Millionen Euro pro Jahr sind im Bundeskulturhaushalt vorgesehen. Insgesamt steigt die Fördersumme für Kinofilme somit auf 150 Millionen Euro. „Das wird einen wichtigen Anreiz für nationale und internationale Großproduktionen schaffen, damit der Medienstandort Deutschland international konkurrenzfähig bleibt“, so Gerber.

Gerd Nefzer ist von solchen Gedanken derzeit weit entfernt. Er muss zunächst wieder nach Deutschland kommen. Derzeit dreht er in Babelsberg für die internationale Produktion mit dem Titel „The Girl in the Spiders Web“.

Am Anfang verlieh Nefzers Unternehmen nur Filmautos und -waffen

Der Schwabe stieg als junger Mann in die Firma seines Schwiegervaters, Karl Nefzer, in Hall ein. Schon damals trug sie den Namen „Nefzer Special Effect“. In den 1980er Jahren verlieh sie allerdings noch Filmautos und -waffen. Gemeinsam mit seinem Schwiegervater und dessen Sohn, Uli Nefzer, baute er den Spezialeffekte-Bereich des Unternehmens auf. Um der Filmbranche auch geografisch nahe zu sein, öffnete Nefzer kurz nach der Wende ein Büro in Babelsberg, wobei Hall der Hauptsitz des Unternehmens blieb.

Mit der Zeit schufen Gerd Nefzer und seine Mitarbeiter eine Firma, die in der Branche sehr gefragt ist. So konnten sie zahlreiche internationale Aufträge an Land ziehen. Gerd Nefzer gestaltete die Spezialeffekte in Filmen wie „Grand Budapest Hotel“ oder „The Monuments Men“ oder „Bridge of Spies“ . Und doch war die 90. Oscar-Nacht seine erste. Eine erste, die sich offenbar lohnte.

Von Annika Jensen

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