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Parkeintritt? Potsdam befragt seine Bürger

Streit um Parkeintritt Sanssouci Parkeintritt? Potsdam befragt seine Bürger

Seit Jahren wird darum gestritten, bald sind die Potsdamer gefragt: Die Stadt will zum Parkeintritt für die Schlossgärten eine Bürgerumfrage starten. Doch der Fragenkatalog kommt bei der Schlösserstiftung teilweise gar nicht gut an. Ob die Umfrage in dieser Form überhaupt stattfindet, entscheidet sich am 27. April.

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Frühling im Park Sanssouci.

Quelle: dpa

Potsdam. Wie „benoten“ die Potsdamer den Park Sanssouci, den Neuen Garten und den Park Babelsberg? Und: Wären sie bereit, einen Pflichteintritt für den Park Sanssouci zu bezahlen? Darum dreht sich im Kern eine Bürgerumfrage zu den Welterbeparks, die die Stadtverwaltung durchführen lassen möchte und die möglichst noch vor der Sommerpause abgeschlossen sein soll. Eine entsprechende Vorlage soll der Hauptausschuss am 27. April diskutieren.

Werden alle Potsdamer befragt oder nur ein Teil?

Die Umfrage wird auf repräsentativer Basis durchgeführt. Das heißt: Von den 142 500 Bürgern ab 16 Jahren mit Hauptwohnsitz Potsdam werden vier Prozent befragt – das sind 5700 Personen. Ihnen wird bis Ende Mai ein vierseitiger Fragebogen zugesandt, der innerhalb von drei Wochen ausgefüllt werden soll. Säumige bekommen einen Erinnerungsbrief und drei Wochen Verlängerung. Je nach Freigabe des Fragebogens können Ergebnisse Ende Juni/Anfang Juli oder – aufgrund der Sommerpause – Ende November/Anfang Dezember präsentiert werden.

Wozu der Aufwand?

Mit der Bürgerbefragung – Kosten: zehntausend Euro – sollen „Informationen zur tatsächlichen und gewünschten Nutzung sowie zur Wahrnehmung der Welterbe-Parks durch die Potsdamerinnen und Potsdamer gewonnen“ werden, heißt es in der Mitteilungsvorlage für den Hauptausschuss. Eigentlich geht es aber vor allem um eines: Parkeintritt für Sanssouci – ja oder nein? Hintergrund ist, dass Potsdam seit 2014 jährlich eine Million Euro an die Schlösserstiftung zur Behebung des Parkpflegedefizits überweist – als Gegenleistung bleibt der Eintritt in Park Sanssouci gratis. Aber wie geht es nach 2018 weiter, wenn der Vertrag ausläuft? Das Verfahren soll die Basis sein, damit die Stadtverordneten eine Entscheidungsgrundlage für weitere Gespräche mit der Stiftung haben.

Was ist die spannendste Frage?

Sie befindet sich auf der vierten Seite des Fragebogens und lautet: „Wären Sie bereit, einen Plichtbeitrag für den Besuch des Parks Sanssouci zu bezahlen?“ Ankreuzen kann man entweder „Ja, ich wäre grundsätzlich bereit, einen Pflichtbeitrag für den Besuch des Parks zu zahlen“ oder „Nein, der Park muss allen kostenlos zur Verfügung stehen“. Außerdem wird gefragt, wie viel Euro man bereit wäre, für den einmaligen Besuch oder eine Jahreskarte zu zahlen.

Worum geht es noch?

Jeder Park wird gesondert abgefragt. Es geht etwa darum, zu welchen Aktivitäten ein Park genutzt wird. Beispiele: Liegen auf der Wiese, Joggen, Baden im Strandbad Babelsberg, Baden an anderer Stelle, Durchfahrt mit dem Fahrrad, Durchlaufen, z.B. Arbeitsweg. Diese Aktivitäten können nach ihrer Nutzungsfrequenz angekreuzt werden: Täglich, wöchentlich monatlich, seltener, nie.

Warum ist der Fragebogen ein Highlight für verhinderte Lehrer?

Weil man darin den aktuellen Zustand eines Parks mit Schulnoten bewerten kann – von eins bis sechs! Abgefragt wird darüber hinaus auch, wie hoch die Wichtigkeit einzelner Kriterien bewertet wird. Beispiele: Ausstattung mit Bänken, Möglichkeiten zum Skaten, Nutzung des Parks im Winter zum Rodeln und Langlaufen, Angebot an Hundewiesen.

Wie begeistert ist die Schlösserstiftung von der Bürgerumfrage?

Bedingt. Die Stiftung soll schon im Vorfeld Bedenken geäußert haben, weil es im Fragenkatalog um Dinge geht, die explizit laut Parkordnung verboten sind. Es gibt „gewisse Irritation“, bestätigt Stiftungssprecher Frank Kallensee. Ein Welterbepark sei nun mal kein Freizeitpark. Sprich: Skaten, Rodeln und Hundewiese stehen im Widerspruch zu Parkordnung. Deshalb sieht man entsprechende Fragen im Fragebogen kritisch: „Es ist zu befürchten, dass Nutzungserwartungen geschürt werden, die so nicht erfüllbar sind.“ Bei den Parks handelt es sich um Gesamtkunstwerke mit zum Teil geschützten Biotopen.

Wie sind die Reaktionen auf den Fragenkatalog?

Geharnischte Kritik kommt von den Grünen. Sie vermissen Fragen zum Erhalt des Welterbes. „Es entsteht der Eindruck, als sei der Verwaltung die Rolle des Welterbes gleichgültig“, sagte Saskia Hüneke am Dienstag: „Wohl auch deshalb hat sie darauf verzichtet, den Fragebogen mit der Schlösserstiftung gemeinsam zu erarbeiten.“ Fraktionschef Peter Schüler: „Ohne Not provoziert die Stadtverwaltung hier einen Konflikt mit der Stiftung, insbesondere, wenn sie nach Nutzungen fragt, die in den Parks nicht zulässig sind.“

Was sagt die Verwaltung?

„Wir reden mit der Stiftung, aber das heißt nicht, dass wir ihre Anregungen eins zu eins übernehmen“, sagte Dieter Jetschmanegg, Fachbereichsleiter Kommunikation, Wirtschaft und Beteiligung, am Dienstag beim Pressetermin. Trotz der Einwände habe man sich für bestimmte Frage entschieden: „Weil wir glauben, dass wir sonst ein Stück an der Lebenswirklichkeit vorbeigefragt hätten.“

37 Prozent pro Eintritt

In einer Umfrage der MAZ zum geplanten Parkeintritt, die in der Brandenburger Vorstadt, in der Nauener Vorstadt und in der Jägervorstadt per Fragebogen durchgeführt wurde, erklärten sich 37 Prozent der Teilnehmer bereit, Parkeintritt zu zahlen.

17 Prozent der Umfrageteilnehmer lehnen einen Parkeintritt ab.
32 Prozent haben kein Verständnis für den Parkeintritt, würden aber notgedrungen einen Obolus entrichten.

14 Prozent sagen, die Bettensteuer reiche als Äquivalent.

Von Ildiko Röd

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