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Potsdam Parkgärtner machen massig Feuerholz
Lokales Potsdam Parkgärtner machen massig Feuerholz
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15:57 28.02.2016
In 20 Metern Höhe klettert Oliver Maronde in einem Baum der Schlossparkgärtnerei von Sanssouci herum und entfernt Totholz. Quelle: Friedrich Bungert
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Sanssouci

250 Besucher sind gekommen, 95 Raummeter in 45 Scheiten standen zum Verkauf. Nur rund 15 Prozent gingen auch weg und brachten etwa 1500 Euro ein – die Holzversteigerung von Sanssouci am Samstag war nicht wirklich ein Erfolg. „Wir hatten einen milden Winter; die Lager der Leute sind noch längst nicht leer“, erklärt Auktionator Heiko vom Parkrevier II in Sanssouci: „Hier hätte echt mehr weggehen sollen.“

Auktionator Heiko Muschick vom Parkrevier Sanssouci hatte wenig Arbeit und deshalb wenig Spaß. Das Holz ging fast nur zum Mindestgebot weg. Quelle: Friedrich Bungert

Rund 4000 Euro kommen nach kalten Wintern sonst so in die Kasse, berichtet Heinz Berg, der „ständige Vertreter des Generaldirektors“. Er hat trotzdem keine schlechte Laune, denn bei bestem Sonnenschein hat die Schlösserstiftung seinem Publikum beim alljährlichen Holztag viel Wissenswertes angeboten und eine Show der Extraklasse zwischen Himmel und Erde: Oliver Maronde gibt den fliegenden Menschen, seilt sich hinauf in 20 Meter Höhe und schwingt sich dort oben mit affengleicher Leichtigkeit von Ast zu Ast, um Äste abzusägen oder einfach wegzubrechen, zuweilen sogar den, auf dem er gerade steht. Der 27-Jährige hat sich bestens abgesichert, aber wie hat er das gemacht? Wie hat er das Seil, das ihn hält, da oben hin bekommen? Keiner hat den forschen Gärtner hochklettern sehen.

Maronde steht in voller Abseilmontur am Boden, am Gürtel baumelt eine Säge. „Hiermit“, sagt er und zeigt ein hühnereigroßes Säckchen: Mit diesem Wurfsäckchen hat er eine dünne Leine in 20 Meter Höhe katapultiert und nach mehreren Versuchen den anvisierten Ast getroffen; das Säckchen mit der Schnur fliegt knapp über den Ast und fällt auf der anderen Seite runter. Am dünnen Seil befestigt Maronde das dicke mit dem Kambiumschoner dran: ein extrabreit gepolstertes Stück Gurtband zum Schutz des Kambiums, der lebenden Schicht zwischen totem Innenholz und toter Rinde.

Das tot nicht ganz tot ist bei einem Baum, demonstriert Maronde beim Stammspalten mit Keil und Spalthammer. Mit mächtigen Schlägen treibt er den Keil in eine knapp meterlange, knapp meterdicke Baumscheibe eines gefällten Spitzahorns; Wasser quillt aus dem Holz. „Das Holz unter dem Kambium ist tot“, erklärt Maronde: „Aber es wird noch zum Wasserspeichern genutzt.“ Warum der Stamm innen drin so dunkel ist und der Rest so hell, will ein Steppke wissen: „Das Kernholz ist immer dunkler“, sagt der Gärtner. Doch das hier ist außerdem noch krank. Maronde kann mürbe Fasern heraus klauben. Dieser Baum war nicht zu retten. 10 bis 15 Prozent des Auktionsholzes sind Opfer von Stürmen geworden und waren eigentlich gesund, schätzt er. Das meiste Holz aber ist wegen Pilzbefalls am Fuß standunsicher geworden und musste gefällt werden, ehe der Wind es ungeordnet fällt. Aber es wird auch viel junges, gesundes Holz aus dem Bestand genommen, wo es nicht hin gehört, wo es wild aufwuchs, in Sichtachsen und Sichtfenster ragte.

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Überall im Park muss ausgeästet und gefällt werden. Man muss Windbruch und Wildwuchs beseitigen, Kranke Bäume entfernen.

Warum die Baum-Trommeln stets so etwa einen Meter lang sind, will jemand wissen. Die Maschine kann nur etwa 1,5 Tonnen ziehen, erklärt Maronde, und ein mächtiger Stamm kann es schnell mal auf eine Tonne Gewicht je Meter Länge bringen. Außerdem will man das Holz so schonend wie möglich aus dem umliegenden Bestand holen. In den Forsten werden oft die ganzen Stämme mit schwerer Technik oder Rückepferden zu den Sammelstellen gezogen; sowas geht in einem Schlosspark nicht.

Auf 70 Zentimeter Länge ist das Auktionsholz gesägt und maschinell gespalten worden in den drei Sanssouci-Revieren. Das macht den Käufern das Verfeuern leichter, denn sie müssen es selber nur noch einmal sägen, um die optimale Feuerlänge zu bekommen.

Robinie, Buche, Eiche brennen bestens. Sofort verbrennen wird es aber kein Kaminbesitzer; es qualmt zu stark. „Zwei bis drei Jahre soll es trocken lagern“, sagt Michael Zielske aus Bornstedt, der mit seiner Frau Andrea den ersten „Scheit“ ersteigert, den ersten Stapel: „Scheit A“ enthält 2,6 Raummeter Buche und geht fürs Mindestgebot von 96 Euro weg. Die Zielskes brauchen für ihre zwei Kamine vier bis fünf Raummeter Holz im Jahr, aber sie haben noch genügend Trockenholz gelagert. Das hier ist für spätere Winter gedacht.

Das Feuerholz von Sanssouci

Pro Jahr fallen rund 300 Raummeter Holz an: gebrochen im Sturm, erkrankt an Pilzen, Wildwuchs.

Zehn bis 15 Prozent davon fallen der Witterung zum Opfer.

Alljährlich im Februar oder März findet der Holztag der Schlösserstiftung statt, reihum in einem anderen Parkrevier. Während die drei Sanssouci-Reviere ihr Holz in 70-Zentimeter-Stücken anbieten, bekommt man es in den anderen Revieren als Meterware.

Der Preis ist gegenüber dem Handel nur halb so hoch und verlockend.

Um die meisten Scheite wird gar nicht gefeilscht an diesem Tage. „Geben Sie mir einen Zehner“. lacht ein „Konkurrent“: „Dann steigere ich mit.“ Heiko Muschick lacht gequält. Die Käufer haben keine Mühe und reiben sich die Hände; sie geben kaum die Hälfte dessen aus, was sie auf dem freien Markt bezahlen müssten. Bezahlen müssen sie sofort, abholen können sie es später, zwei Wochen ist dafür noch Zeit.

Doch man hat nicht nur Holz gebrochen, gesägt, gespalten und verkauft an diesem Samstagnachmittag in der alten Schlossparkgärtnerei zu Füßen des Orangerieschlosses. Vor allem die Kinder, etwa die Hälfte der Besucherschar, freuten sich über das Stockbrotbacken am Lagerfeuer und das Gesichterbasteln mit Baum- und Astscheiben. Dicht und lange umlagert war auch Iris Liehm auf ihrer hölzernen Dreibein-Ernteleiter im Apfelbaum, der die ersten Treibe und Knospen schiebt. Der ist Baum hier, mitten in der Gärtnerei, ist vernächlässigt, gibt die Gärtnerin gegenüber ihren Zuschauern offen zu. Wassertriebe recken sich senkrecht in die Luft; die muss man kappen. Die waagerechten Triebe sollen Früchte tragen. „Verkehrt machen können sie nichts“, beruhigt Liehm die Gäste: „Entscheiden sie selbst, wie der Baum aussehen soll!“ Sogar im Sommer könne man noch schneiden, sagt sie, es muss nur kurz über einer Knospe sein; die Schnittverletzung schließt sich wieder. Liehm und hat eine Allround-Regel, die sich jeder merken kann: „Ein Drittel so lassen! Ein Drittel kürzen! Ein Drittel weg!“

An einem der Handvoll Stände wartet ein langbärtiger Mann auf Kundschaft. Eberhard Bergner (65) nennt sich selbst „Chef-Imker von Sanssouci“; dass ein Honig „Sans Souci“ heißt, ist kein Problem für die Schlösserstiftung, die sonst recht rigoros gegen Menschen und Unternehmen vorgeht, die entgeltfrei den „Marken-Namen“ Sanssouci benutzen. „Ich werbe nicht damit. Ich verkaufe den Honig nur“, sagt Bergner und schwört, dass sein Produkt „mindestens 50 Prozent Sanssouci“ enthält. Seine Bienenstöcke hat der Mann aus Mechow in der Feldberger Seenlandschaft unterhalb der Orangerie stehen. Ausschließlich schonend kalt geschleudert und abgefüllt ist sein Produkt; derzeit ist das vor allem Lindenhonig. „Bei etwa fünf Grad werden die Bienen neugierig und hören auf mit dem, was sie sonst im Winter tun: die Vorräte auffressen, brüten und Wärme im Stock machen, so 30 bis 35 Grad“, erzählt er: „Bei acht Grad draußen wagen sie den ersten Flug.“ Der führt sie bis zu drei Kilometer weit weg vom Stock und ist der extrem verlockend, denn der Elfenkrokus blüht gerade reichlich. Und Bergner kennt sich aus mit allem, was blüht in Sanssouci: Bevor er nämlich als Rentner Imker wurde, war er 20 Jahre lang der Chefgärtner von Sanssouci.

Von Rainer Schüler

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