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Potsdam Passanten malträtiert und Polizisten bespuckt
Lokales Potsdam Passanten malträtiert und Polizisten bespuckt
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19:40 26.04.2016
Quelle: dpa
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Potsdam

Mit einem Amoklauf vergleicht Staatsanwalt Thomas Jaschke die drei Tage im Leben von Alexander K., derentwegen er seit Dienstag vor dem Amtsgericht steht. Im Herbst 2014 und im Sommer 2015 hat K. in der Potsdamer City Angst und Schrecken verbreitet. Die Vorwürfe: versuchte räuberische Erpressung, versuchte gefährliche Körperverletzung, vorsätzliche Körperverletzung in fünf Fällen, Diebstahl, Bedrohung, Beleidigung, Verstoß gegen das Waffengesetz, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. „Ich kann Ihnen nicht sagen, was an diesen Tagen in meinem Kopf abging“, sagt Alexander K.

Erst die Mülltonne umgetreten, dann geprügelt

Auf offener Straße ist der heute 30-Jährige ausgerastet. So soll er am Abend des 22. Oktober 2014 in der Friedrich-Ebert-Straße auf Höhe des Holländischen Viertels zwei Passanten angegriffen haben. Der Grund: Die Männer hatten ihn angesprochen, weil er eine Mülltonne umgekickt hatte. Für ihre Zivilcourage gab’s von Alexander K. einen gezielten Faustschlag ins Gesicht und Fußtritte. Einem der Männer riss er die Brille von der Nase, steckte sie ein und zog weiter durch die Gutenberg- zur Jägerstraße. Dort attackierte er einen weiteren Mann und wollte ihm den Rucksack wegnehmen. Ein Zeuge schritt ein.

Doch Alexander K. hatte noch nicht genug, marschierte weiter zur Brandenburger Straße und randalierte im „Kaiser’s“. Er nahm Waren aus den Regalen und warf damit um sich. Die Polizisten, die ihn in Gewahrsam nahmen, bespuckte er.

Autofahrer als Hurensohn beschimpft

Aufgefallen ist Alexander K. auch am 7. Juli 2015. An der Aral-Tankstelle in der Potsdamer Straße soll er grundlos einen Autofahrer als Hurensohn und Arschloch bezeichnet, ihn getreten und geschlagen haben. Am 21. Juli kam es an der Tram-Haltestelle in der Charlottenstraße erneut zur Eskalation. Dort beschimpfte Alexander K. eine Frau vor ihren kleinen Kindern aufs Übelste. Laut Anklage brüllte er unter anderem „Scheiß Ausländer“ und gab der Frau eine Ohrfeige. Einem Zeugen, der ihr zur Hilfe eilte, versuchte er, eine Bierflasche an den Kopf zu werfen; einer Zeugin schlug er auf den Hinterkopf. Als weitere Passanten hinzu kamen, drohte er „Ich knalle euch alle ab, ich werde euch alle umlegen.“ Tatsächlich hatte Alexander K. an diesem Nachmittag eine Schreckschusspistole dabei.

Zu der Episode an der Tankstelle schweigt Alexander K. Zu den anderen beiden Vorfällen gibt er bereitwillig Auskunft. Beide Male sei er sehr betrunken gewesen. „Zehn Bier und eine halbe Pulle Whisky“ seien es wohl gewesen, so der Angeklagte. Seit Jahren nehme er auch Antidepressiva. Wie sie im Suff wirken, sei verschieden. „Ich habe durch die Taten aber festgestellt, dass mich das ein bisschen aggressiv macht“, so Alexander K.

Mehrere Entgiftungen sind gescheitert

Mit 14 habe er angefangen zu trinken. „Ich lebte auf dem Dorf und war in der Jugendfeuerwehr – da ist Alkohol recht präsent.“ Bis vor ein paar Jahren habe er auch Drogen genommen. „Ich war schon öfter in der Entgiftung.“ Erst im Januar habe er einen neuen Entzug begonnen, weil er mit 30 endlich sein Leben auf die Reihe bekommen wolle. Die Klinik habe er nach sechs Wochen allerdings vorzeitig verlassen. „In der Reha ist alles sehr langweilig – ich habe mehr an Alkohol gedacht, als wenn ich draußen bin und meinen Sport mache.“ Alle zwei Wochen besuche er eine Gesprächsrunde für Alkoholiker. Nur zu seinem Geburtstag vor ein paar Wochen habe er einen Rückfall gehabt. Die Frage des Staatsanwaltes und der Richterin, ob er vor der Verhandlung Alkohol getrunken habe, verneint Alexander K. vehement: „Ich möchte jetzt wirklich etwas anderes für mich.“

Auf ein Urteil müssen er und all die Menschen, die er malträtiert hat, noch unbestimmte Zeit warten. Das Verfahren wurde auf Antrag des Staatsanwalts ausgesetzt, um einen forensisch-psychiatrischen Sachverständigen einzuschalten. „Wir haben es hier mit ungewöhnlichen Taten, sehr viel Alkohol und einer langen Alkoholproblematik zu tun“, so Thomas Jaschke. „Medikamente spielen eine Rolle, auch Drogen.“ Wie sich all das auf die Schuldfähigkeit des Angeklagten auswirkt, ob weitere Taten zu befürchten sind, ob Alexander K. gar eine Gefahr für die Allgemeinheit ist – das alles sei zu bedenken. „Am Ende geht es nicht um Sanktionen, sondern um eine auf den Angeklagten zugeschnittene Reaktion.“

Von Nadine Fabian

Bisher fehlt noch immer jede konkrete Beschreibung der unbekannten Täter, die am Sonntag einen Mann in der Nähe der Langen Brücke niedergestochen haben sollen. Zudem habe sich noch immer kein Zeuge des möglichen Tathergangs gemeldet.

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