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Pegida-Anmelder: „Ich war überfordert“

Pegida in Potsdam Pegida-Anmelder: „Ich war überfordert“

Die erste Pegida-Demo in Potsdam ist am Montag völlig aus dem Ruder gelaufen. Linke Gegendemonstranten attackierten Polizisten und Pegida-Anhänger. Der Anmelder der Asylgegner macht der Polizei schwere Vorwürfe und gesteht Provokationen von Pegida-Seite ein. Angesprochen auf die Demo-Planung verstrickt er sich in Widersprüche.

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Auch mit Fahrradständern blockierten die Gegendemonstranten die Abfahrt des Pegida-Busses.

Quelle: dpa-Zentralbild

Potsdam. Wenn die Potsdamer Pegida am 20. Januar um 18 Uhr ein zweites Mal auf dem Bassinplatz aufmarschiert, will sie manches anders machen als bei der Premiere vom Montag, die im Chaos unterging. „Ich war leicht überfordert“, gestand Anmelder Christian Müller am Dienstag gegenüber der MAZ: „Auch die Polizei war überfordert. Wir alle hatten mit soviel Gegenwind nicht gerechnet.“ Die Polizei müsse beim nächsten Mal viel stärker Präsenz zeigen und Übergriffe verhindern. Als die Lage am Bassinplatz eskalierte, habe die Polizei ihn gebeten, den „Abendspaziergang“ durch Potsdam abzusagen, sie könne für die Sicherheit der „Spaziergänger“ nicht mehr garantieren und müsse neue Einsatzhundertschaften anfordern. Wenn die Pegida die Tour nicht absage, werde die Polizei das tun. „Da konnte ich nicht anders“, so Müller.

Potsdams Oberbürgermeister kritisiert Ausschreitungen

Bus-Unternehmer widersprechen dem Pegida-Aktivisten

Müller sagt, er habe als Privatmann bei einem Potsdamer Unternehmen zwei Reisebusse gechartert, die 100 Teilnehmer der Berliner Bärgida-Demo abholen und zu einer Demonstration nach Potsdam bringen sollten; das habe er dem Busunternehmen auch gesagt. Offenbar einem Mitarbeiter, nicht jedoch den Chefs. Die versichern, nichts von Bärgida, Pegida und einer Demonstration gewusst zu haben. Der Fahrer des angegriffenen Busses habe gleichfalls nichts von der Potsdamer Pegida-Demo gewusst, bis die Polizei den Bus in der Nähe des Bassinplatzes stoppte und die Fahrgäste befragte, ob sie für oder gegen Pegida demonstrieren wollen, erklärte gegenüber der MAZ einer der beiden Geschäftsführer. Der Bus sei von der Polizei zur Charlottenstraße geleitet worden, wo die Fahrgäste ausgestiegen seien. Sie liefen von dort zum Bassinplatz und wurden nach Müllers Darstellung sofort von linken Antifa-Aktivisten angegriffen, als einer von ihnen „unvorsichtigerweise“ die eigene Fahne entrollte. Steine und Schneebälle flogen, darunter Schneebälle mit Steinen darin. Ein weiterer Bus erreichte unbemerkt den Versammlungsort und verließ ihn auch unbemerkt wieder.

Kommentar: Randale stärkt die Pegida-Szene

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Potsdam, 11. Januar 2016: Die Pegida-Demo in Potsdam mit rund 150 Teilnehmern wird nach wenigen Minuten beendet. Doch aus den Reihen der Gegendemonstranten beginnen Krawalle, die die Potsdamer Innenstadt stundenlang lahmlegen.

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Pegida berichtet von eingetretener Tür – Bus-Unternehmer bestreitet

Die Polizei habe nach dem Aufbranden der Proteste entschieden, dass der Bus in Polizeibegleitung die Fahrgäste zurück nach Berlin fahren soll, berichtet der Unternehmer. Dann jedoch kam es zur Behinderung der Abfahrt durch Demonstranten an der Wilhelm-Galerie. Die Frontscheibe wurde beschädigt und der rechte vordere Scheinwerfer eingeschlagen. Eine eingetretene Tür, wie von Pegida berichtet, gab es nicht. Der Sachschaden wird auf 2500 Euro geschätzt. Das Unternehmen ist, wiederum entgegen der Aussage des Kundgebungsanmelders Müller, vandalismusversichert. Der beschädigte Bus brachte seine Fahrgäste zum Zentralen Omnibusbahnhof Berlin. Der Unternehmenschef versicherte am Dienstag gegenüber dieser Zeitung, künftige „Transferanfragen stärker hinterfragen“ zu wollen. Man lehne jegliche Form von Hass und Gewalt ausdrücklich ab, erst recht von der politisch rechten Seite, sagte er.

Demo-Anmelder gibt Provokationen zu

Pegida-Demonstranten hätten Angst gehabt, gibt Müller zu, vor allem auf dem von der Polizei geschützten Fußmarsch der Potsdamer Teilnehmer vom Bassinplatz zum Hauptbahnhof. Trotz der Polizeikette ringsrum hätten schneeumhüllte Steine und Flaschen mehrere Pegida-Leute getroffen, darunter eine Frau aus Groß Glienicke, Mutter von drei Kindern. „Die hatte eine blutende Platzwunde, bekam aber keinerlei ärztliche Hilfe“, kritisiert Müller. Auch seine eigene Verlobte und er hätten Steinwürfe abbekommen. „Ich erwarte, dass der Polizeischutz beim nächsten Mal besser funktioniert.“

Bei nächsten Mal sollen allerdings auch die Pegida-Leute „an die Leine genommen“ und aufgefordert werden, eigene Parolen möglichst zu unterlassen. „Natürlich gab es auch von uns Provokationen“, räumt Müller ein. Das habe die Lage angeheizt. Er werde dafür sorgen, dass am 20. Januar mehr Pegida-Ordner im Einsatz sind.

Von Rainer Schüler

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