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Pegida-Demo: Moderater Anfang, dann Hetze

Pegida am 3. Februar in Potsdam Pegida-Demo: Moderater Anfang, dann Hetze

Erstmals hatte sich die Potsdamer Pegida am Mittwoch ein reines Wohngebiet als Aufmarschgebiet auserkoren, und sie konnte ihren „Stadtspaziergang“ ohne schwere Zwischenfälle absolvieren. Es gab moderate und Hetzreden, aggressive Sprechchor-Duelle mit Gegendemonstranten. Die Polizei hatte mit rund 1000 Beamten aus vier Bundesländern die Lage voll im Griff.

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Pegida in Potsdam bleibt friedlich

In der Nähe des Rewe vom Horsteg demonstrieren Anwohner am Schlaatz lautstark von ihren Balkons aus gegen den Pegida-Aufmarsch am Mittwochabend.
 

Quelle: Julian Stähle

Schlaatz.  Auch die nunmehr vierte Pegida-Demo von Potsdam ist ohne schwere Zwischenfälle abgelaufen. Erstmals zogen am Mittwochabend die Ausländer- und Islamfeinde durch ein Wohngebiet und erlebten lautstarke, massenhafte Ablehnung ebenso wie stillschweigende Zustimmung. So hing am Startpunkt des so genannten Stadtspaziergans am Bisamkiez ein „No Pegida“-Transparent einen Balkon über „Merkel muss weg“. Allmählich und völlig unbehelligt von Gegnern sammelten sich an der dortigen Straßenbahnhaltestelle die Pegida-Anhänger, erst 30, dann 50, bald 100.

Eine Viertelstunde verspätet fing Pegida-Anmelder Christian Müller (M) seine Kundgebung an

Eine Viertelstunde verspätet fing Pegida-Anmelder Christian Müller (M.) seine Kundgebung an.

Quelle: Julian Stähle

Auf 130 summierte sich die Truppe in der Dunkelheit, während sich 100 linke Demonstranten nach ihrem Protestmarsch vom Bahnhof Babelsberg aus zum Bisamkiez entlang der Umzugsstrecke verteilten, die am Asylbewerberheim vorbei zur Haltestelle Magnus-Zeller-Platz und weiter zum Rewe-Markt am Horstweg führen sollte. Dort hatte sich das Allparteienbündnis „Potsdam“ zu einer Gegenkundgebung versammelt; auf rund 300 Teilnehmer legte sich die Polizei hier fest.

Moderat fing Pegida an, machte mit Hetze weiter und endete verhalten

Mit moderaten Tönen find die Pegida ihren Umzug an: Nach einem Lautsprecher-Glockenleuten und der Berufung auf den Gleichheits- und Freiheits-Artikel des Grundgesetzes schwor Pegida-Anmelder Christian Müller sein Gefolge auf Gewaltlosigkeit und einen Schweigemarsch vor dem Asylheim ein. Auch Erstredner Herbert Heider mahnte Friedfertigkeit an, ehe er die Asylpolitik der Bundesregierung in Frage stellte. So unaufgeregt wie er gesprochen hatte, setzte sich dann der Demonstrationszug entlang der Tram-Gleise in Bewegung, vorneweg rund 50 Einsatzpolizisten, durchaus nicht alle in voller Kampfmontur.

Durchaus nicht alle Polizisten trugen die volle Kampfmontur

Durchaus nicht alle Polizisten trugen die volle Kampfmontur.

Quelle: Julian Stähle

Polizeipräsident Hans-Jürger Mörke war in Zivil gekommen; Einsatzleiter Michael Scharf in Uniform.

Weiträumige Sicherungsmaßnahmen der Polizei verhinderte Gewalt

Jenseits der Gleise und des Wildfangzauns schirmte eine Fahrzeugkolonne im Schritt-Tempo die Erschließungsstraße am Asylheim ab; die Polizei blockierte alle Seitenstraßen und die Hausaufgänge. Fast alle Balkons waren mit Schaulistigen besetzt. Die Pfeifkonzerte blieben weit entfernt und leise; der Pegida-Marsch blieb wortlos am Asylbewerberheim. Doch schon 100 Meter weiter wurde es dann laut, denn am Magnus-Zeller-Platz kamen sich Gegendemonstranten und Pegida-Leute auf 50 Meter nahe. Über die Polizeiketten bekämpften sich die Sprechchöre: „Nazis raus!“ und „Haut ab!“ auf der einen Seite, „Wir sind das Volk“ und „Deutschland den Deutschen“ auf der anderen Seite. Die Trillerpfeifkonzerte der Gegendemonstranten wurden ohrenbetäubend, die Pegida-Parolen immer lauter.

Aus den Kleingärten am Rand des Schlaatzes versuchten Gegner erfolglos, an den Pegida-Zug zu kommen, doch aus dem Wohngebiet heraus drängten einige auf den Fußweg neben der Umzugsstraße und attackierten die Islamfeinde mit Sprechchören. Die Polizei hielt sie auf Abstand und drängte sie an der nächsten Seitenstraße ab.

Verbale Ausfälle gegen Bundesregierung, Ausländer und den Islam

Hundert Meter vor dem Rewe-Parkplatz Horstweg bildete die Demonstration des Bündnisses eine lautstarke Barriere; der Umzug stoppte. Anmelder Müller einigte sich mit der Polizei, den Marsch nicht fortzusetzen, sondern die Abschlusskundgebung schon vor dem geplanten Endpunkt abzuhalten. Die wurde denn auch der Höhepunkt des Pegida-Abends, weil der Deutsch-Italiener „Graziano“ eine knappe halbe Stunde lästerte und hetzte gegen Antifa und Gegendemonstranten, gegen die Bundesregierung, gegen Ausländer und den Islam. Der Mann, der sich einen „italienischen, römischen Christen“ nennt und sich landauf landab bei Legida-, Bärgida- anderen Pegida-Demos in Rage redet, erreichte nicht nur das Niveau von Goebbels-Tiraden, sondern auch den lauten Beifall der Kundgebungsteilnehmer, die nach einer moderaten Abschlussrede den Rückweg antraten zum Magnus-Zeller-Platz. Doch statt dort in Straßenbahnen gelotst zu werden, begleitete die Polizei den schwindenden Umzug zur Heinrich-Mann-Allee, wo noch rund 30 Anhänger die Tram erreichten und unter massivem Polizeischutz in die Züge stiegen in Richtung Hauptbahnhof. Der war laut Einsatzleiter Scharf aber nicht der Hauptanreisepunkt. Die allermeisten Pegida-Anhänger seien völlig unauffällig und individuell gekommen und ebenso wieder verschwunden, sagte er.

 Übermacht der Pegida-Gegner, doch es gibt weitere Pegida-Demos

Den rund 130 Pegida-Leuten standen bis zu 1000 Gegner gegenüber: am Rewe-Parkplatz, bei einer schwach besuchten Musikveranstaltung am Marktplatz und entlang der Strecke. Die Polizei hatte rund 1000 Männer und Frauen zum Schutz der Demo aufgeboten, Räumfahrzeuge und zwei Wasserwerfer – sie kamen nicht zum Einsatz. Auf dem Rewe-Parkplatz ließen die Wasserwerfer am Ende all ihr Wasser ab.

Pegida-Anmelder Christian Müller war zufrieden mit seiner Aktion und kündigte der MAZ gegenüber die nächste für den nächsten Mittwoch an, „wahrscheinlich am Bahnhof Rehbrücke.“ Dann droht Pegida 5.

Von Rainer Schüler

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