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Pegida-Zug führt am Asylheim vorbei

Pegida-Demo am Mittwoch in Potsdam Pegida-Zug führt am Asylheim vorbei

Geschlossene Supermärkte, erhebliche Verkehrsbehinderungen, Glasverbot, Gegendemos: Die Potsdamer Pegida-Demo am Mittwoch wird zur Belastung für die Einwohner des betroffenen Stadtteils Schlaatz – und auch für die Polizei. Sie kündigt an, bei Straftaten konsequent einzuschreiten. Besonders heikel: Der Pegida-Zug führt am Asylheim vorbei.

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Der Rewe-Markt am Horstweg schließt am Mittwoch um 16 Uhr, weil neben seinem Parkplatz die Pegida ihren Stadtspaziergang beendet und eine Gegendemo des Bündnisses „Potsdam bekennt Farbe“ stattfindet.

Quelle: Rainer Schüler

Schlaatz. Wegen der Pegida-Kundgebung am Mittwoch im Schlaatz machen die beiden Rewe-Märkte am Horstweg und im Schilfhof ab 16 Uhr dicht. Man könne wegen der Sperrung der markteigenen Parkplätze den Geschäftsbetrieb „nicht uneingeschränkt aufrecht erhalten noch die erforderliche Sicherheit garantieren“, sagte Rewe-Sprecher Thomas Bonrath am Dienstag gegenüber der MAZ. „Natürlich geht diese Maßnahme nicht zu Lasten der Mitarbeiter.“ Die haben dann für den Rest des Arbeitstages frei, bezahlt natürlich.

Marktbetreiber büßt Hälfte des Umsatzes ein

Trotzdem gibt es Leidtragende der Situation: den Betreiber beider Märkte etwa, Peter Lehmann. Lebensmittelmärkte seiner Art und Größe machen einschlägigen Erfahrungen zufolge rund die Hälfte des Tagesumsatzes in den Nachmittags- und Abendstunden. Ihre Gewinneinbußen dürften bei mehreren Tausend Euro liegen. „Wenn sowas öfter passiert, ist das existenzbedrohlich“, sagt ein Händler. Die Erfahrung sage auch, dass der Kunde, der an einem Tage etwas nicht kaufen kann, es auch nicht am Folgetage tut; der Umsatz bleibt also verloren.

Auch der Rewe-Markt am Schilfhof macht wegen Pegida zu

Auch der Rewe-Markt am Schilfhof macht wegen Pegida zu.

Quelle: Rainer Schüler

Trotzdem macht die Rewe keinen Versuch, sich das eingebüßte Geld irgendwoher wieder zu holen. Man akzeptiere das Recht auf Versammlungsfreiheit und müsse die Sicherheit der Kunden garantieren, sagte Stephanie Behrens von der Abteilung Unternehmenskommunikation. Man habe zwar das Hausrecht auf den Parkplätzen, sperre aber beide. Den am Horstweg, weil direkt daneben die Anti-Pegida-Kundgebung des städtischen All-Parteien-Bündnisses „Potsdam bekennt Farbe“ läuft und dort der Endpunkt des Pegida-Stadtspaziergangs liegt. Den anderen, weil auch dort nicht auszuschließen ist, dass es zu Versammlungen und Konflikten kommt. Die Markt-Schließungen sind mit der Polizei abgestimmt worden.

Die Polizei hat mögliche Gefahrenstellen im Schlaatz sondiert

Die Polizei hat am Dienstag den Schlaatz abgefahren und Gefahrenstellen sondiert. Die Streckenführung für den Pegida-Spaziergang ist riskant, führt sie doch am Asylbewerberheim in der Straße Am Nuthetal vorbei. Das Heim und die Straße, auf der die Pegida von der Tram-Haltestelle Bisamkiez zur Haltestelle Magnus-Zeller-Platz zieht, sind durch die doppelgleisige Straßenbahntrasse, einen Wildfangzaun und eine Erschließungsstraße getrennt; das Heim ist gut absicherbar. Eine Zwangsauflage der Polizei ist es, dass Pegida das Heim schweigend passiert. Wenn nicht, wird der Demonstrationszug aufgelöst.

Das Asylbewerberheim am Schlaatz liegt rund 30 Meter neben der Pegida-Umzugsstrecke

Das Asylbewerberheim am Schlaatz liegt rund 30 Meter neben der Pegida-Umzugsstrecke.

Quelle: Rainer Schüler

Vor Rewe kommen sich Pegida- und Gegendemo am nächsten

Gewaltpotenzial gibt es überall entlang der Strecke. So hat sich eine Gegendemo linker Kräfte vom Bahnhof Babelsberg zum Bisamkiez angekündigt, und vor Rewe am Horstweg liegt der Raum der dichtesten Begegnung der Pegida mit „Potsdam bekennt Farbe“. Mit dem wollte sich eigentlich ein privates Team zusammentun, das eine musikalische Gegenveranstaltung zu Pegida organisieren wollte, aber am Horstweg-Rewe nicht durfte. So findet das generationsübergreifende Fest von 17 bis 22 Uhr am Platz auf dem Schilfhof statt als ein Open Air mit Tanzmusik und offenem Mikrophon. Tanzend und singend soll ein friedliches Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit gesetzt werden.

Der Demo-Mittwoch im Rückblick

– Pegida Potsdam ist “Neonazi-Veranstaltung“: Interview mit Anna Spangenberg, Leiterin des Brandenburger Aktionsbündnisses gegen Rechtsextremismus

– Der Demo-Abend vom 27. Januar im Video und in Bildern

– Potsdamer Demo-Abend ohne Ausschreitungen

– Der Liveticker zum Nachlesen

Verkehr erheblich beeinträchtigt

Wegen des Pegida-Umzuges wird der Verkehr von Bussen und Straßenbahnen eingeschränkt und kann nach Einschätzung der Stadt vorübergehend sogar zum Erliegen kommen. Ab zirka 17 Uhr ist mit erheblichen Behinderungen zu rechnen. Auch Straßensperrrungen sind nicht ausgeschlossen. Verkehrsteilnehmer müssen sich auf mehrstündige Einschränkungen einstellen, warnt die Stadt.

Glasverbot im Schlaatz ab 17 Uhr

Die Stadt hat erneut ein Verbot von Gläsern und Flaschen bei den Kundgebungen und in deren weiterem Umfeld ausgesprochen von der Kopernikusstraße bis zum Bisamkiez und am Stadtplatz des Schlaatz, gültig ab 17 Uhr. Ordnungsdezernentin Elona Müller-Preinesberger forderte alle Demonstranten zu einer friedlichen Meinungsäußerung auf: „Die sich teilweise während, aber insbesondere nach dem Ende der Versammlungen abspielenden Szenen haben nichts mit der Potsdamer Toleranz zu tun. Solchen Aktionen der autonomen Szene erteile ich eine klare Absage. So etwas schadet ausschließlich der Demokratie und dem Bild der Landeshauptstadt Potsdam auch über Brandenburgs Landesgrenzen hinaus.“

Polizei will konsequent einschreiten

Der Leitende Polizeidirektor Michael Scharf versicherte am Dienstag, das Versammlungsrecht sei „für alle ein Privileg des Grundgesetzes“ und werde durch die Polizei geschützt. „Ich sage aber auch sehr deutlich, dass wir bei der Feststellung von Straftaten konsequent einschreiten werden. Neben dem Schutz der Versammlungsteilnehmer und der Bürger ist mir auch der Schutz der eingesetzten Beamten vor Gewalttätigkeiten durch die autonome Szene ebenso wichtig“, so Scharf.

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150 Pegida-Demonstranten, mehr als 700 Gegendemonstranten und mehr als 1000 Polizisten: Das ist die Bilanz des dritten Demo-Abends in Potsdam. Es blieb friedlich – und die Pegida-Anhänger konnten zum Abendspaziergang aufbrechen. Die Polizei hatte zuvor alles abgeriegelt. Wir waren dabei.

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Von Rainer Schüler

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