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Pflegenotstand im ländlichen Potsdamer Norden

Grund zur Sorge Pflegenotstand im ländlichen Potsdamer Norden

Die CDU schlägt Alarm wegen des Pflegenotstands im ländlichen Potsdamer Norden. Deshalb fordert sie die Erstellung eines stadtweiten Konzeptes für stationäre und teilstationäre Pflegeeinrichtungen und die Reservierung der dazu notwendigen Flächen im Bebauungsplan

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Der Potsdamer ländliche Norden: Viel Natur – wenig Infrastruktur.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. „Es ist bereits heute schwierig, wohnortnah einen geeigneten Pflegeplatz zu bekommen“, sagt Fraktionschef Matthias Finken: „In Potsdam befinden sich die meisten Einrichtungen im innerstädtischen Bereich; der ländliche Raum mit den Ortsteilen Eiche, Golm, Grube, Bornim, Bornstedt, Nedlitz, Fahrland, Marquardt, Uetz-Paaren, Satzkorn ist weitgehend unterversorgt.“ Rund 20 Pflegewohnheime gibt es laut Stadtsprecher Jan Brunzlow in Potsdam. Für Bau und Betrieb sind weitestgehend Private zuständig.

Immer mehr Senioren in Potsdam – wie ist es später um die Pflege bestellt

Immer mehr Senioren in Potsdam – wie ist es später um die Pflege bestellt?

Quelle: Archiv

Die CDU hat ihre Forderung nach einem Standortkonzept zum Gegenstand eines Antrags gemacht, der am Dienstagabend im Bauausschuss diskutiert werden soll. Ziel des Vorstoßes sei, dass „die Kontakte der pflegebedürftigen Angehörigen leichter erhalten bleiben und weite Wege sowie lange Fahrzeiten vermieden werden können“, so Finken. Auf den Weg gebracht hat die CDU den Antrag aufgrund von Bitten älterer Bürger. Auch Krankenkassen hätten das Thema an die Fraktion herangetragen, berichtet Finken.

Tatsächlich ist Potsdam auf dem besten Wege, sich parallel zur Hochburg junger Familien zum Seniorenparadies zu mausern: 33 803 Potsdamer gehören zur Generation 65 plus – das sind 19,7 Prozent der Bevölkerung. Im Jahr 2020 wird ihr Anteil auf 20,9 Prozent gestiegen sein. Die Potsdamer werden immer älter. Und: Eine Studie des Berliner Forschungsinstituts Empirica aus dem Jahr 2016 hat gezeigt, dass die märkische Metropole bei den 60- bis 74-Jährigen eine große Zugkraft besitzt. Innerhalb von fünf Jahren ist diese Altersgruppe um sieben Prozent gewachsen.

Matthias Finken, CDU-Fraktionschef

Matthias Finken, CDU-Fraktionschef.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Schuld daran ist das Schwarmstadt-Phänomen. Darunter versteht man Orte beziehungsweise Regionen, in die Zuzügler bevorzugt einschwärmen. Auf der Empirica-Ranking-Liste schaffte es Potsdam deutschlandweit sogar auf Platz sechs der Schwarmstädte für Ältere – ungefähr gleichauf mit den Landkreisen an der Ostsee- und Nordseeküste und in der Alpenregion.

Doch was passiert mit der steigenden Zahl der flotten „Best Ager“ oder „Silver Ager“, wie die Werbung die agilen Rentner getauft hat, wenn sie zu Pflegefällen werden? CDU-Fraktionschef Matthias Finken fordert Vorsorge: „Was wir jetzt nicht tun und vorbereiten, fehlt, wenn wir es brauchen.“

Fachleute sehen die Chancen für eine bessere Verteilung der Seniorenwohnheime im Stadtgebiet eher skeptisch. Anja Hiller, Leiterin des Wohn- und Pflegeheims „Fontiva“ in der Leiblstraße, verweist auf die Probleme einer Ansiedlung im ländlichen Raum. Zum einen muss es sich für den Betreiber vom Bedarf her rechnen, denn: „Stationäre Pflegeeinrichtungen zu erbauen, ist sehr kostenintensiv.“ Hinzu kommt, dass derzeit händeringend nach Fachpersonal gesucht wird. „Pflegefachkräfte sind wie Goldstaub“, fasst die Fontiva-Leiterin die Situation zusammen.

Das Fontiva in der Leiblstraße

Das Fontiva in der Leiblstraße.

Quelle: Archiv

Noch etwas könnte den weiter entfernten Pflegeeinrichtungen zum Nachteil gereichen: Ärzte, die im ländlichen Raum praktizieren, seien rar, erläutert Hiller. Auch bei Notfällen wäre der Weg in das Klinikum „Ernst von Bergmann“ beziehungsweise in das St.-Josefs-Klinikum weiter als vom Zentrum aus. „Solange sich nichts am Pflegenotstand ändert, ist der CDU-Vorstoß zwar gut gemeint, aber zu wenig durchdacht“, so Hiller.

Sozialdezernent Mike Schubert (SPD) zeigt sich hingegen offen: „So wie bei Kitas müssen wir auch Unterkünfte für Senioren und teilstationäre Pflege bei den Planungen von Neubaugebieten mitbedenken.“

Von Ildiko Röd

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