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Pflegenotstand in Potsdam

Fachkräfte wandern nach Berlin ab Pflegenotstand in Potsdam

Senioren in Potsdam finden kaum Plätze bei stationären und ambulanten Diensten. Denn Fachkräfte wandern wegen besserer Bezahlung nach Berlin ab. Stadt und Sozialministerium drängen auf eine Lösung der Misere.

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Pflegeplätze sind in Potsdam knapp.

Quelle: dpa

Potsdam. Senioren, die keinen Heimplatz bekommen, Pflegebedürftige, die unversorgt bleiben: Die Volkssolidarität warnt vor einer landesweiten Pflegekrise, die besonders Potsdam betreffe. „In einigen Regionen kann die pflegerische Betreuung und Begleitung durch die Wohlfahrtsverbände und Privatanbieter nicht mehr sichergestellt werden“, erklärte der Verbandsratsvorsitzende Bernd Niederland am Freitag.

„Die Versorgungssituation in der ambulanten und stationären Pflege ist in Potsdam angespannt“, bestätigt Sozialdezernent Mike Schubert (SPD). Pflegebedürftige könnten derzeit nicht zwischen verschiedenen ambulanten Pflegeanbietern wählen, weil es nicht genügend freie Angebote gebe. Der RBB hatte berichtet, dass in Potsdam Patienten zeitweilig völlig unversorgt blieben, weil Fachkräfte fehlten. Viele Pfleger wanderten nach Berlin ab, weil die Bezahlung dort besser sei.

Dem Land lägen keine Erkenntnisse darüber vor, dass die pflegerische Versorgung in Brandenburg und auch in der Stadt Potsdam ganz oder in Teilen nicht gesichert sei, erklärte der stellvertretende Sprecher des Sozialministeriums, Gabriel Hesse, am Freitag. Einfach sei die Lage aufgrund der demografischen Entwicklung mit einer Alterung der Bevölkerung aber nicht.

Die Pflegedienste können sich ihre Kunden aussuchen

„Wir können bestätigen, dass die Lage in Potsdam besonders schwierig ist“, sagt Claudia Gratz von der landesweiten Beratungsstelle „Pflege in Not“, die in Potsdam sitzt. Bei dem Servicetelefon können sich Betroffene und Angehörige, aber auch Pflegekräfte melden und Missstände melden. Personalmangel sei ein häufiger Grund für Anrufe. „Für Angehörige, die zu Hause pflegen, wird es immer schwieriger, einen Pflegedienst und andere Betreuungs- und Entlastungsangebote zu finden“, heißt es im Jahresbericht von „Pflege in Not“. Dieses Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage führe dazu, dass Pflegedienste sich ihre Kunden aussuchen könnten. „Gepflegte, bei denen sich die Pflege aufwendig oder problematisch gestaltet, haben es bei der Suche besonders schwer“, schreibt die Servicestelle. Die Anbieter wiederum könnten ihr Angebot nicht ausbauen, weil sich die Personalsuche schwierig gestalte. „Dies nehmen wir besonders im Umland von Berlin war.“

„Die Konkurrenz zwischen den Pflegeeinrichtungen findet nicht mehr nur um die Aufträge, sondern zunehmend um die Pflegekräfte statt“, heißt es auch aus dem Sozialministerium. „Der wachsende Personalbedarf in der Altenpflege kann aber nur gedeckt werden, wenn die Beschäftigungsbedingungen und die Bezahlung weiter verbessert werden“, so Sozialministerin Diana Golze (Linke). Es bestünden gravierende Lohnunterschiede zwischen den einzelnen Pflegeeinrichtungen. Deswegen sei ein allgemeinverbindlicher, bundesweiter Tarifvertrag für die gesamte Pflegebranche nötig, so Golze.

„Man kann dem Pflegepersonal nicht verdenken, wenn es aufgrund der besseren Bezahlung nach Berlin zur Arbeit fährt. Die Pflegekassen müssen die Kostensätze in der gemeinsamen Region angleichen und die Ungleichheit beenden. In einem gemeinsamen Arbeits- und Gesundheitsmarkt ist dies ein Unding“, so der Beigeordnete Schubert. Die Stadt sei aber nicht direkt für die Sicherstellung der Versorgung zuständig. Im Februar war erstmalig bei einem Runden Tisch Pflege mit 17 ambulanten Pflegediensten und zwei Krankenkassen über die Lage gesprochen worden. Zudem beraten das Sozialdezernat und das Jobcenter darüber, welche Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten bestehen, um schnell Pflegekräfte für Potsdam zu gewinnen.

Von Marion Kaufmann

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