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Pläne für Naturfriedhof in Groß Glienicke

Bestatter setzt auf Potsdams Norden Pläne für Naturfriedhof in Groß Glienicke

Der Hamburger Unternehmer Andreas Villavicencio will nordöstlich der Waldsiedlung in Groß Glienicke einen Naturfriedhof eröffnen, doch die Stadt sieht keinen Bedarf dafür. Auch die evangelische Kirchengemeinde des Potsdamer Ortsteils will mit einer Friedhofserweiterung Platz für „Ruhe unter alten Bäumen“ schaffen.

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Kolumbarium in der Friedhofskapelle von Groß Glienicke.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam/Groß Glienicke. Ein privater Investor will am Rand der Waldsiedlung in Groß Glienicke einen Naturfriedhof eröffnen. Die Stadt sieht allerdings keinen Bedarf dafür: „Es wäre in der heutigen Zeit wirtschaftlich nicht vertretbar, gänzlich neue Friedhöfe zu erschließen, obwohl auf den vorhandenen Arealen genügend freie Flächen und ausreichende Angebote an Grabarten zur Verfügung stehen“, heißt es einer auf Bitten des Ortsbeirates abgegebenen Stellungnahme der Verwaltung.

Der Hamburger Unternehmer Andreas Villavicencio, der auf der Kieler Förde nach eigenen Angaben noch einen weiteren Naturfriedhof plant, will mit seiner Firma Arboleum in einem Laubwald nordöstlich der Waldsiedlung auf zehn Hektar eine naturnahe Bestattung ermöglichen. Auf das Waldstück sei er durch den Bundesforst aufmerksam gemacht worden, sagte er am Dienstag auf MAZ-Anfrage. Sein Plan sei es, den Friedhof langsam zu entwickeln. Pro Hektar seien 1000 Bestattungen möglich. Mit Potsdam und Teilen Berlins gebe es ein großes Einzugsgebiet.

Die Stadt verweist in ihrer Stellungnahme auch auf den evangelischen Friedhof an der Glienicker Dorfstraße. Dort sei „genügend Fläche vorhanden, um die prognostisch steigenden Beisetzungszahlen der kommenden Jahrzehnte abzusichern“. Nach Angaben des Gemeindekirchenrates, Burkhard Radtke, ist eine Friedhofserweiterung in ein angrenzendes Waldstück geplant, in dem mit „Ruhe unter alten Bäumen“ auch naturnahe Bestattungen ermöglicht werden sollen. Mit den Vorbereitungen dafür sei „lange vor dem Antrag“ Villavicencios begonnen worden, so Radtke. Mit der Stadt werde bereits seit fünf Jahren über einen Flächentausch verhandelt.

Der Hamburger Unternehmer, der nach eigenen Angaben seit eineinhalb Jahren an dem Groß-Glienicker Friedhofsprojekt arbeitet, verweist auch auf vergleichbare Naturfriedhöfe in der Umgebung. Zwar sei ein „gänzlich privat betriebener Friedhof“ in Brandenburg „nicht möglich“, so die Stadt unter Berufung auf das Landesbestattungsgesetz. Doch Naturfriedhöfe mit privaten Betreibern gibt es etwa mit dem Friedwald in Nuthetal und dem Ruheforst in Nauen. Auch die Heinz-Sielmann-Stiftung in Dallgow-Döberitz plant unweit von Groß Glienicke einen Naturfriedhof.

Auf Villavicencios Arboleum würden Bestattungen in den Qualitätsstufen Standard, Premium und Exzellent zwischen 2500 und 7500 Euro kosten, so sein im Ortsbeirat vorgestellter Prospekt. Die Liegezeit würde 25 Jahre betragen, könne aber „beliebig bis zu 99 Jahre verlängert werden“. Die Stadt warnt in ihrer Stellungnahme nicht zuletzt davor, dass der Privatbetreiber in eine wirtschaftliche Schieflage geraten könnte: Für die Bewirtschaftung gebildete Rücklagen aus Grabnutzungsrechten gingen in die Konkursmasse ein und wären „für den Friedhofsträger nicht greifbar“.

Villavicencio erfuhr nach eigenen Worten erst durch die MAZ-Anfrage von der Absage.

Naturfriedhof contra Umgehungsstraße

Der geplante Naturfriedhof Arboleum würde auf der Trasse einer früher geplanten Ortsumgehung für Groß Glienicke liegen. Das hat Unternehmer Andreas Villacencio gestern gegenüber MAZ bestätigt. Allerdings sei diese Trassenführung nicht mehr aktuell.

Finanziert werden sollte die Straße vom Investor des Villenparks in der Waldsiedlung. Ende 2016 war jedoch bekannt gegeben worden, dass die für den Bau nötige Befreiung aus dem Landschaftsschutzgebiet abgelaufen ist.

Ganz vom Tisch sind die Pläne jedoch nicht. Der Ortsbeirat bat die Stadt bei ihrer Stellungnahme zum Friedhof auch um Auskunft, ob damit „eine Ortsumgehung möglich bleibt“. Die Prüfungen dazu wurden jedoch zunächst ausgesetzt, weil es zum Naturfriedhof noch keine Beschlüsse gibt.

Alternativ würde nach aktuellem Stand mittelfristig die alte Seeburger Chaussee ab Einmündung Ritterfelddamm für die Ortsumgehung reaktiviert.

Von Volker Oelschläger

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