Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Planschen gegen „Patrioten“ in Potsdam

Tolerante Potsdamer weit in der Überzahl Planschen gegen „Patrioten“ in Potsdam

Erst blockieren planschende Protestler den Luisenplatz, dann ist es lange ruhig am Demo-Samstag. Heiß wird es erst, als „Pogida“-Kopf Christian Müller mit einem Großraumtaxi Bratwürste liefert und die „Freien Patrioten“ den Grill anschmeißen. Dann geht alles relativ schnell – und als dann der große Regen kommt, war alles vorbei.

Luisenplatz, Potsdam 52.3992826 13.0465888
Google Map of 52.3992826,13.0465888
Luisenplatz, Potsdam Mehr Infos
Nächster Artikel
Mit Schirm, Charme und Kostümen


Quelle: Julian Stähle

Potsdam/ Innenstadt. Nass und heiß waren die Höhepunkte bei den Demonstrationen am Samstag auf dem Luisenplatz. Für 14 Uhr hatten die „Freien Patrioten Potsdam“ dort eine Kundgebung und einen Demonstrationszug angemeldet.

Allerdings: Der Luisenplatz war schon am Mittag von Protestlern besetzt.

Bereits gegen 10 Uhr hatten sich dort die ersten linken Demonstranten zu einem „antifaschistischen Frühstück“ getroffen. Gegen 13:30 Uhr hatten es sich rund zwei Dutzend „Picknicker“ auf dem Platz gemütlich gemacht. Es ist heiß und schwül und ehe man sich versieht, steht die Gruppe im Brunnen.

Planschen als Protest gegen die „Patrioten“, die sich personell stark mit der gescheiterten Pogida-Bewegung überschneiden. Den Platzverweisen der Polizei kommen die Demonstranten nicht nach, die Feuerwehr pumpt schließlich den Brunnen ab. 25 Personen, darunter acht Frauen, werden abgeführt.

Gegenüber des Luisenplatzes hat zur gleichen Zeit das Bündnis „Potsdam bekennt Farbe“ Stellung bezogen. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) eröffnet die Veranstaltung und findet in seinem Plädoyer für Menschlichkeit und Toleranz die richtigen Worte. Es sei wichtig, sich gegen die „Nazis“ zu positionieren, so Jakobs. Man wolle deutlich machen, „dass Potsdam mit „Rechtsradikalen – wie auch immer sie sich nennen – nicht in Verbindung gebracht werden soll.“

Dann passiert erst mal lange nichts. Die „Patrioten“ sind eingekesselt von parkenden Polizeifahrzeugen, Hamburger Gitter und etlichen postierten Polizisten.

In der Brandenburger Straße schlendern, shoppen und speisen die Passanten unbeeindruckt.

Heiß – im wahrsten Sinn des Wortes – wird es erst, als „ Pogida“-Kopf Christian Müller mit einem Großraumtaxi kommt und Getränke und Bratwürste liefert. Die Gruppierung schmeißt den Grill an, baut Bierzeltgarnituren auf und macht es sich gemütlich. „Nein zum Islamterror, Gedenken für Terroropfer in Deutschland, Europa und der Welt“, das ist diesmal ihr Motto. Wander-Redner „Graziani“ ist auch vor Ort. 700 „Patrioten“ hatte die Gruppierung im Vorfeld angekündigt. Doch mehr als 60 Anhänger kommen nicht zusammen.

Als Sprecher der Bewegung präsentiert sich Jens Lorek. Der Dresdner Anwalt war auch Pogida-Sprecher und trägt wie immer einen markanten Cowboyhut und eine dunkle Kutte. „Kern ist diesmal das Totengedenken für die Opfer von Anschlägen mit eindeutig islamistischem Hintergrund“, sagt Lorek. Anmelderin der Demo sei diesmal übrigens eine Katja Kaiser aus Dresden gewesen, so der Anwalt.

Nach einigen Reden, deren Inhalte am Rand in Pfiffen und Sprechchören untergehen, machen sich die „Patrioten“ gegen 17 Uhr flankiert von zahlreichen Polizisten und Gegendemonstranten zügig auf ihre – für den Verkehr zeitweise gesperrten – Demonstrationsroute. Der Weg wird ohne große Zwischenfällen vom Luisenplatz über die Schopenhauerstraße, die Breite Straße und über die Zeppelinstraße zurück, absolviert.

Vereinzelte Böller bremsen die Gruppierung nicht. Am Luisenplatz werden noch Reden gehalten – und dann ist die Veranstaltung vorbei.

Der einsetzende Regen beschleunigt die Abreise aller Demonstranten. Wenig später erinnert nur noch das von den „Picknickern“ zurückgelassene Sofa an die Demonstrationen.

Die Polizei, die mit bis zu 700 Einsatzkräften aus Berlin und Brandenburg im Einsatz war, zieht ein positives Fazit: Die Proteste „verliefen weitestgehend friedlich“. Auch das Fazit der die Stadt fällt positiv aus: „Wir haben den nur 50 Rechten mit gewaltfreien Mitteln erneut gezeigt, dass sie in der Landeshauptstadt nicht willkommen sind“, sagte der Bündnisvorsitzende, Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs.

» Der Liveticker zum Nachlesen

Von Michaela Grimm

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam
Potsdams Innenstadt - vor und nach dem Krieg

Der 14. April 1945 ist ein sonniger, warmer Frühlingstag – ein Sonnabend.  Um 22:15 Uhr ertönen die Sirenen, Bomben fallen auf Potsdam und wenig später marschiert die russische Armee in Potsdam ein. Das Stadtbild ist ein anderes geworden.

Das Protokoll zum Luftangriff: www.maz-online.de/Nacht-von-Potsdam

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg