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Potsdam Frontalangriff des OB verwundert Experten
Lokales Potsdam Frontalangriff des OB verwundert Experten
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19:21 03.08.2015
Museum Barberini – so soll das Foyer aussehen. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Innenstadt

Der Frontalangriff von Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) auf Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) wegen des geplanten „Kulturgutschutzgesetzes“ und dessen mögliche Konsequenzen für das Museum Barberini könnte zum Eigentor werden. Im Kulturstaatsministerium quittiert man den harschen Vorstoß des Potsdamer OB gestern mit Gleichmut – und einem gehörigen Seitenhieb: „Herr Jakobs scheint von den inhaltlichen Schwerpunkten der Gesetzesnovelle sehr uninformiert zu sein und sollte sich vor öffentlichen Dramatisierungen besser erstmal sachkundig machen“, erklärte Grütters’ Pressesprecher Hagen Philipp Wolf gestern. Mäzen Hasso Plattner, der schwerwiegende Konsequenzen des geplanten Gesetzes für sein Museum Barberini befürchtet, werde „über die anstehenden Regelungen fachlich fundiert informiert werden“, betonte Wolf.

Domizil für DDR-Maler

Das bei einem Luftangriff 1945 zerstörte Palais Barberini am Alten Markt wird mit historischer Fassade wieder aufgebaut. Das ehemalige Bürgerhaus in bester Lage wurde einst nach italienischem Vorbild gestaltet.

Die Fertigstellung des Museumsbaus ist für Ende 2016 geplant. Das Gebäude gibt der Kunstsammlung Hasso Plattners von Malern aus der ehemaligen DDR ein eigenes Domizil. Daneben soll die Potsdamer Kunstwelt mit wechselnden internationalen Ausstellungen bereichert werden. Auch ein museumspädagogisches Konzept für Kinder und Jugendliche ist vorgesehen.

Jakobs hatte in einem Brandbrief an Grütters eine Rücknahme des Gesetzes gefordertt. Er wirft der Bundesregierung eine „Bevormundung und staatliche Kontrolle“ vor, die „unabsehbare Folgen“ für Galeristen und für Museen haben werde. In Potsdam bahne sich ein„kulturpolitischer Skandal allerersten Ranges“ an. Hintergrund für Jakobs’ Breitseite in Richtung Grütters war die Drohung von Mäzen Hasso Plattner, dass seine Kunstsammlung in den USA im kalifornischen Palo Alto bleiben würde, sollte der Gesetzentwurf von Kulturstaatsministerin Grütters Wirklichkeit werden. Die Sammlung soll eigentlich nach seinem Tod dauerhaft im Museum Barberini gezeigt werden. „Das Gesetz würde sie aber um einen erheblichen Teil ihres Wertes berauben“, befürchtet Plattner. Seine Bedenken formulierte er auch in einem Brief – unter anderem adressiert an Oberbürgermeister Jakobs, der wiederum umgehend auf die Barrikaden stieg.

Aber nicht nur Jakobs’ Parteifreundin, die Potsdamer SPD-Bundestagsabgeordnete Andrea Wicklein, mahnt derzeit zu Besonnenheit und zum Abwarten, wie das geplante Gesetz letztlich tatsächlich aussehen wird.

Der frühere Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) ist auch kein Freund von Schnellschüssen. „Er hat ebenfalls einen Brief von Herrn Plattner bekommen, möchte sich aber zunächst den Sachverhalt genauer ansehen“, sagte Platzecks Mitarbeiter Wieland Eschenburg gestern.

Unverhohlene Kritik am Rathaus-Chef kommt von Linken-Kreischef Sascha Krämer. Er würde sich wünschen, dass sich „der Oberbürgermeister doch immer nur so schnell und tatkräftig für die Interessen der Potsdamer engagieren würde wie im Falle Plattner“, moniert er: „Es ist erstaunlich wie sich Herr Jakobs für bestimmte High-Class-Interessen einsetzen kann, aber die Kultur- und Kunstszene in Potsdam völlig im Regen stehen lässt.“ Der Oberbürgermeister müsse sich gerade hier stark machen; sonst drohe ein Ausbluten der alternativen Kunst- und Kulturszene. Linken-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg – auch er ein Empfänger von Plattners Brief – will sich mit den ihm zur Verfügung stehenden politischen Mitteln für die Belange des Mäzens einsetzen.

Grünen-Mitglied Saskia Hüneke, die von Hause aus Kunsthistorikerin ist, „erscheint es dringend geboten, erst einen autorisierten Gesetzentwurf zur Grundlage der öffentlichen Diskussion zu nehmen“. Im Moment gehe „alles durcheinander“, so ihr Eindruck: „Dabei sind offenbar Leihgaben gar nicht betroffen, ist der Kunsthandel über Europa hinaus längst geregelt und bildet Deutschland innerhalb Europas ein Schlusslicht.“ Welche Folgen das für Plattners Kunstwerke hat, sei noch unbekannt. Hünekes Hoffnung: „Dass hier ein Weg zur Klärung gefunden wird, der die Belange seiner Stiftung genauso berücksichtigt wie das notwendige Anliegen des Schutzes von höchstrangigem nationalem Kulturgut.“

Zur inhaltlichen Zukunft des Museums Barberini hüllen sich die Macher derzeit in Schweigen. Bekanntlich hat Gründungsdirektor Peter Joch im Frühjahr dieses Jahres noch vor Auslaufen seines Vertrags den Hut genommen. Ob im gegenseitigen Einvernehmen oder im Dissens, ist bis heute unklar. Keine Auskunft bekommt man derzeit auf die Frage, wie weit die Nachfolgersuche nun gediehen ist. „Wir machen im Moment keine Statements“, erklärte Bauherrenvertreter Willy Athenstädt gestern kurz und bündig auf Nachfrage.

Von Ildiko Röd

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