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16:05 14.03.2018
"Langeweile 12" – Im Sommer 2015 übernachtete ich im Kongresshotel Potsdam. Das Gelächter einer unter dem freien Himmel feiernden Gesellschaft hielt mich bis kurz vor Mitternacht wach. Gleich nach dem Aufstehen ging ich auf den Balkon und sah unten, auf dem Hotelhof, diese beinahe zu perfekte „Installation“ Gilberto Pérez Villacampa/Detlev Scheerbarth
Potsdam

Vier großformatige Motive gegenüber dem Eingang empfangen den Besucher im Foyer des Treffpunkt Freizeit am Neuen Garten. Sie wirken aus der Ferne wie farbenfrohe abstrakte Gemälde. Aus der Nähe erkennt der Betrachter, dass hier tatsächlich Farbe fotografiert wurde, Wandfarbe, meist auf Beton. „Pfusch“ nennt der Fotograf und Grafiker Gilberto Pérez Villacampa seinen Zyklus von Alltagsbeobachtungen. Mit geübtem Blick findet er immer wieder Unregelmäßigkeiten an öffentlichen Bauten und verdichtet sie mit der Kamera zu abstrakten Kompositionen.

Pérez Villacampa wurde 1961 in Sancti Spíritus auf Kuba geboren. Er studierte Philosophie im weißrussischen Minsk und lebt seit 1991 in Deutschland. Zur Zeit arbeitet er als Werbegrafiker in Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern). Unter dem Titel „Doppelseiten“ widmen ihm die privaten Initiatoren der Fotogalerie Potsdam jetzt eine ihrer vier Ausstellungen dieses Jahres. Das „Doppel“ bezieht sich dabei auf die beiden Medien Bild und Text, die einander zugeordnet sind. „Ich habe vor einigen Jahren entschieden, meine Bilder nicht ohne Text zu zeigen. Ich bin ein Erzähler, ich fotografiere, um zu erzählen“, erklärt Pérez Villacampa.

Gilberto Pérez Villacampa. Quelle: Detlev Scheerbarth

Ein Doppel ist auch jedes der kleineren Motive an den anderen Wänden der Eingangshalle. Pastellfarbene geometrische Formen, klar komponiert, oft mit schwarzen Akzenten kontrastiert. Die Flächen sind rau mit Spuren der Verwitterung. „Residual“, spanisch für „Reste“ ist der gemeinsame Titel dieser farbenfrohen Arbeiten. Die Aufnahmen waren zunächst „Reste“ auf der Festplatte, aussortierte Motive. Bei der späteren Durchsicht erkannte Pérez Villacampa das Potenzial, durch Kombination zweier Motive ein neues ausdrucksstarkes Bild zu finden. Es sind immer genau zwei Ausgangsbilder, nie mehr. Aus den spielerischen Übungen entstanden innerhalb von zwei Jahre gut 100 Arbeiten, gedacht als persönliche Erinnerungen.

Doch dann kam die Anfrage aus Potsdam, genau diese Serie in einer Ausstellung zu zeigen. So erhielten die Motive nachträglich kleine Texte, persönliche Assoziationen oder Erinnerungen an das frühere Leben auf Kuba. „Ich lebe seit 27 Jahren in Deutschland, aber deutsche Texte zu schreiben bleibt eine Herausforderung. Zur Hälfte bin ich weiter Kubaner“, gesteht der 56-Jährige. Während er die Serie „Residual“ als abgeschlossen betrachtet, möchte er das Projekt „Pfusch“ noch weiter verfolgen.

Ein einziges Bild ist nicht einer der beiden Fotoserien zugeordnet, es trägt den Titel „Langeweile 12“. „Ich fotografiere eigentlich meistens aus Langeweile“, meint der Bildautor schmunzelnd. Die Draufsicht grauer Bodenflächen mit einem einsamen rotgedeckten Tisch entstand bei einem Hotelaufenthalt in Potsdam. Es ist nach Einschätzung des Künstlers „das beste Foto, das ich je aufgenommen habe“.

Die Fotogalerie Potsdam ist ein Zusammenschluss von elf ambitionierten Freizeitfotografen. Seit vielen Jahren bereichern sie das Potsdamer Kulturleben mit sorgfältig kuratierten Ausstellungen von hochwertiger künstlerischer Fotografie, gerne auch mit experimentellen Sichtweisen. Der gemeinnützige Treffpunkt Freizeit stellt den öffentlich zugänglichen Raum zur Verfügung.

Auch wenn die ausgestellten Werke käuflich sind, erhält die Gruppe keine Anteile und ist frei von kommerziellen Absichten. Zur rechtlichen Absicherung ließ sich das Kuratorenteam kürzlich ins Vereinsregister eintragen. Die Ausstellungseröffnungen sind regelmäßig ein gut besuchter Treffpunkt der Potsdamer Fotoszene.

Info Ausstellung „Doppelseite“, Fotogalerie Potsdam im Treffpunkt Freizeit, Am Neuen Garten 64. Geöffnet noch bis zum 24. April, Mo bis Fr 8 bis 21.30 Uhr.

Von Detlev Scheerbarth

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