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Potsdam Einsatzkommando beendet Polterabend mit Gewalt
Lokales Potsdam Einsatzkommando beendet Polterabend mit Gewalt
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17:24 13.08.2018
Die Braut Celine L. nach der Pfefferspray-Attacke der Polizei. Quelle: Privat
Nauener Vorstadt

In der Puschkinallee ist am Freitagabend ein Polizeieinsatz offenbar aus dem Ruder gelaufen. Nach Vorwürfen eines entfernteren Nachbarn wegen Ruhestörung durch einen Polterabend rückte gegen 22.19 Uhr eine vierköpfige Einsatzgruppe in Schutzausrüstung an und forderte die etwa 15 Partygäste im Hof auf, die Musik leiser zu drehen und ins Haus zu gehen, wo sich weitere fünf aufhielten. Julia Hüller aus Caputh berichtete der MAZ, Polizei und Gäste hätten sich geeinigt, die „ohnehin nicht sehr laute Musik“ im Hof noch leiser zu stellen. „Das war Hintergrundmusik; wir konnten uns dabei gut unterhalten“, versichert Hüller: „Wir hatten nur eine kleine Bose-Box auf dem Buffet.“

Der Polterabend ist nach Darstellung seiner Gäste ganz unpolterig und ruhig verlaufen. Quelle: Privat

Das Publikum bestand zur einen Hälfte aus Gästen zwischen 35 und 40 und zur anderen aus Über-50-Jährigen, darunter den Eltern des Bräutigams, alles keine Krachmacher, heißt es; Fotos zeigen eine beschaulich wirkende Party.

Trotzdem war die Einsatztruppe 23.48 Uhr wieder da. Der Hauseigentümer verwehrte ihnen zunächst den Zutritt, doch wenig später waren sie trotzdem im Hof; sie müssen das Tor und einen Zaun überklettert haben. Den zehn noch verbliebenen Gästen befahlen sie, sofort alle zu gehen. „Das war wie bei einer Bombendrohung“, erzählt Hüller: „Die wollten alle vom Grundstück führen und haben das Haus dicht gemacht. Da schliefen aber kleine Kinder, zwei, vier und sechs Jahre alt. Die Eltern durften nicht mehr zu ihnen.“

Der Polterabend in der Puschkinallee weckte den Zorn eines Nachbarn. Die Polizei löste die Party auf.

Mehrere Gäste haben zu Protokoll gegeben, einer der Beamten habe gesagt „Jetzt zeigen wir es euch, ihr Anwaltssöhne“ oder „den reichen Anwaltssöhnen werden wir es mal zeigen.“ Die Polizei äußerte sich am Montag dazu nicht und erklärte, die Polizisten ihrerseits seien von einem 34-Jährigen beleidigt worden, offenbar dem Bräutigam.

Der erklärte der MAZ gegenüber, er habe entsprechend der polizeilichen Anweisung seinen Ausweis aus dem Haus holen wollen, sei aber daran gehindert worden und in Panik geraten. Drei Polizisten hätten ihn verfolgt, zu Boden gerissen, seinen Kopf verdreht, einen Arm auf den Rücken gedreht. Ein Polizist soll ihm das Knie auf die Kehle gedrückt haben, so dass er eine Weile keine Luft mehr bekam und um Hilfe schrie, als sich der Druck lockerte.

Christian M. und Celine L. feierten am Freitag Polterabend, machten aber heftige Bekanntschaft mit der Polizei, die ihre Party zwangsweise beendete. Quelle: Privat

Die Braut, die mit ihrem Ausweis aus dem Haus kam, habe die Schreie ihres Mannes gehört und sei zu ihm geeilt, berichtet ein Zeuge. Ein Beamter, den sie dabei streifte, habe ihr aus etwa einem Meter Entfernung ohne Vorwarnung Reizgas direkt in die Augen gesprüht. Auch ein weiterer Gast und der Hauseigentümer bekamen Reizgas ab. Jemand rief den Notarzt; der die Reizgasopfer behandelte.

Der Bruder des Bräutigams hat zu Protokoll gegeben, angesichts der verfahrenen Situation, in der Gespräche mit den Polizisten nicht mehr möglich gewesen seien, habe er sich am Buffet ein Brötchen schmieren wollen. Ein Beamter habe geschrien „Er hat ein Messer!“- der Gast ließ es fallen. Man legte ihm Handschellen an, führte ihn ab und nahm in zusammen mit dem Bräutigam in Einzelzellen in Gewahrsam. Beide wurden gegen Morgen entlassen.

Die Polizei schildert das Geschehen völlig anders. Ihr zufolge hat der Bräutigam nicht etwa seinen Ausweis aus dem Haus holen, sondern sich der Personalienfeststellung entziehen wollen. Er habe sich dann mit Tritten gegen die Polizisten gewehrt, was die Partygäste als klaren Versuch sehen, sich unter Atemnot wieder Luft zu verschaffen.

Ein 36-Jähriger sei mit dem Messer auf die Beamten zugegangen, lautet die Interpretation der Polizei für das Brötchenschmieren: Man stoppte den Mann mit Pfefferspray und rief weitere Einsatzkräfte zur Hilfe. Die Polizei leitete Strafverfahren gegen die beiden festgesetzten Männer ein.

Von Rainer Schüler

Toralf Drewitz ist Schiffsführer bei der Weissen Flotte in Potsdam. Die MAZ hat ihn an einem typischen Arbeitstag für die Serie „Arbeiten, wo andere Urlaub machen“ begleitet. Er hat eine ganz eigene Sicht auf Potsdam.

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