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Die zweite Nacht: Elias (6) bleibt verschwunden

Polizei lobt Engagement der Potsdamer Die zweite Nacht: Elias (6) bleibt verschwunden

Seit Mittwochabend wird der 6-jährige Elias aus Potsdam vermisst. Die Suche nach ihm ist bislang erfolglos - aber auch ein Beispiel dafür, wie eine Stadt zusammenstehen kann. Hunderte Anwohner unterstützen die Polizei. Bislang gibt es 40 Hinweise, wo Elias sein könnte. Allein - konkrete sind nicht darunter.

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Die Suche nach Elias geht in die zweite Nacht.
 

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Er ist wie vom Erdboden verschluckt - seit Mittwochabend wird der 6-jährige Elias aus Potsdam vermisst. Auch eine großangelegte Suche brachte bislang keinen Erfolg.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Elias ist am Mittwochabend im Wohngebiet Schlaatz zuletzt gesehen worden. Er war auf einen Spielplatz in Sichtweite seiner Wohnung gegangen, kam aber nicht wie verabredet zurück.
  • Gegen 19.15 Uhr hat die Mutter die Polizei verständigt, kurz danach lief die Suchaktion an.
  • Der Polizei liegen bislang 40 Hinweise vor, konkrete sind aber nicht darunter.
  • Die Polizei glaubt nicht an ein Verbrechen.
  • In Potsdam wurden 3000 Handzettel verteilt.
  • Polizisten und andere Helfer haben am Donnerstag bis zum Einbruch der Dunkelheit Felder und Wiesen abgesucht. Danach haben sich die Polizisten auf die Befragung von Anwohnern konzentriert.
  • Ein Polizeisprecher lobte das außergewöhnliche Engagement der Potsdamer bei der Suche nach Elias.
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Seit Anfang Juli wird in Potsdam nach dem 6-jährigen Elias gesucht. Viele Anwohner und besorgte Eltern beteiligten sich an der Suche. Die Polizei setzte unter anderem einen Hubschrauber für die Suche ein.

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Suche nach Elias bisher erfolglos

Seit Mittwochnachmittag fehlt von dem 6-jährigen Elias jede Spur. Er wollte nur zum Spielen vor die Tür, kam aber nicht wie verabredet zum Abendbrot zurück. Am Abend verständigte die besorgte Mutter schließlich die Polizei. Die leitete noch in der Nacht eine große Suchaktion ein. Hunde durchkämmten den Schlaatz, wo Elias mit seiner Familie lebt. Ein Hubschrauber schwebte über dem Stadtteil. Doch der junge tauchte nicht auf. Auch die Suche am Donnerstag blieb ergebnislos.

Lob für Anwohner

So tragisch der Fall Elias ist - er zeigt aber auch, wie solidarisch die Potsdamer in Krisensituationen zusammenstehen. Viele Anwohner unterstützen die Polizei bei der Suche nach dem vermissten Jungen. "Das ist beeindruckend", sagt Polizeisprecher Heiko Schmidt. So etwas habe er noch nicht erlebt. Am Donnerstagabend durchsuchten 150 Anwohner in orangenen Warnwesten das Wohngebiet Schlaatz. Man sehe, wie sich die Potsdamer in Krisensituation unterstützen und zusammenstehen, sagt Schmidt. Die Polizei sei dankbar für diese Unterstützung. Aber er unterstrich auch, dass die Ermittlungshoheit bei der Polizei liege. Das bedeute auch, dass Gebiete auch dann überprüft werden müssen, wenn bereits Anwohner dort gesucht haben.

Rund 40 Hinweisen geht die Polizei inzwischen nach. Ein konkreter auf den Verbleib des Jungen sei bisher nicht dabei, sagte Polizeisprecher Heiko Schmidt am Donnerstagabend auf MAZonline-Nachfrage. Man werde die Suche nach dem Jungen auch in der Nacht fortsetzen. Nach Einbruch der Dunkelheit werde man sich vor allem auf die Befragung der Anwohner im Schlaatz konzentrieren. Viele Anwohner waren tagsüber arbeiten und sind erst am Abend nach Hause gekommen. Bis kurz vor Einbruch der Dunkelheit haben Helfer der Feuerwehr nocheinmal die Nuthewiesen abgesucht. Zu Fuß durchkämmten Feuerwehrleute außerdem die Nuthe vom Schlaatz bis zur Friedrich-Engels-Straße.

Am Donnerstagmittag setzte die Polizei wieder einen Hubschrauber ein, außerdem suchten Taucher die Nuthe ab. "Wir suchen den Flussgrund mit Stangen ab. Mit Booten sind diese Stellen nicht gut einsehbar", sagte Polizeisprecher Axel Schugardt. Auch der Aradosee und eine Kleingartenkolonie wurden abgesucht.

Bisher keine Hinweise auf ein Verbrechen

Es gebe im Moment keine Hinweise auf ein Verbrechen, betont die Polizei. Sie geht vielmehr davon aus, dass sich Elias in einer hilflosen Lage befindet. Eine Möglichkeit sei, dass der Junge vom Spielplatz zur nahgelegenen Nuthe gelaufen sei. Wie lange die Suche nach Elias noch in dieser Intensität durchgeführt werde, könne noch nicht gesagt werden, sagte Polizeisprecher Heiko Schmidt. Man werde alle Hinweise prüfen, allen Möglichkeiten nachgehen. Erst, wenn sich daraus keine Spur ergebe, werde man weitere Schritte überdenken. Die Suche sei danach ausgerichtet, Elias lebend zu finden.

Facebook

Viele Helfer organisieren sich über Facebook. Vor allem über die offene Gruppe "Suche Elias". Binnen weniger Stunden hat die Gruppe mehr als 9000 Mitglieder gewonnen. Dort werden Hilfs- und Suchaktionen gepostet.

Die Suche nach Elias ist für die Polizei eine wahre Mammutaufgabe. Es werden unzählige Überwachungskameras überprüft, nahezu alle Nachbarn von Elias befragt, außerdem geht die Polizei viele mögliche Wege ab, die der Junge gelaufen sein könnte. Im Einsatz waren am Donnerstag 150 Polizisten.

Etwa 40 Hinweise sind bei der Polizei bisher eingegangen. Eine konkrete Spur hat sich daraus aber nicht ergeben. Einem Hinweis, dass Elias in einen Schacht gefallen sein könne, sei man nachgegangen, sagt Polizeisprecher Heiko Schmidt. Ein Ergebnis gebe es aber nicht. Anwohner berichteten, unter dem Wohngebiet befinde sich ein altes Heizungsschachtsystem, dass an manchen Stellen nicht richtig gesichert sei.

Das ist Elias

Elias, 6 Jahre.

Quelle: Privat

Elias ist sechs Jahre alt. Er ist rund 1,10 bis 1,20 m groß und schmächtig. Er hat kurze blonde Haare und blaue augen. Letztmalig wurde Elias gegen 17 Uhr im Inselhof gesehen, als er die Wohnung verließ, um bis zum Abendbrot draußen zu spielen. Bei seinem Verschwinden trug er ein weißes T-Shirt mi langen Armen und hellblauem Adidas-Schriftzug, hellblaue Jeans und dunkelblaue Turnschuhe mit weißer Sohle.

Der Junge wird als aufgeweckt und freundlich beschrieben. Er ist darüber aufgeklärt worden, wie er sich verhalten soll, wenn er von Fremden angesprochen wird.

Polizei bittet um Hinweise

Wer Hinweise auf den Verbleib von Elias geben kann, melde sich bei der Polizei unter Tel. (0331) 5508 1108 .

Seit Mittwochabend vermisst

Der kleine Elias, der im Inselhof im Wohngebiet Schlaatz lebt, wird seit Mittwochabend vermisst. Seine Mutter hatte sich um 19.13 Uhr bei der Polizei gemeldet. Seitdem sucht die Polizei intensiv nach dem Kind. Die ganze Nacht über kreiste ein Hubschrauber über dem Wohngebiet. Auch ein Hund der Rettungshundestaffel wurde bei der Suche eingesetzt.

An der Suche nach dem Jungen hat sich laut Polizei auch die Mutter beteiligt. "Sie ist sehr, sehr mitgenommen", sagte Polizeisprecher Heiko Schmidt. Man habe ihr psychologische Hilfe und Unterstüzung angeboten, sagte Schmidt weiter.

Ein Kiez fühlt mit

Viele Menschen im Schlaatz sind bewegt von der Nachricht des vermissten Kindes. Die Sorge der Menschen ist so groß, dass sich viele freiwillig an der Suche beteiligen. Es sind ständig Suchtrupps von bis zu sechs Menschen unterwegs. Sie sind gut organisiert: In der Nähe der Rewe-Kaufhalle werden sie von der Polizei eingewiesen, einige begeben sich aber auch auf eigene Faust auf die Suche. Die meisten Helfer sind selbst Eltern.

Gerüchte, Ängste und Solidarität bei Facebook

Bei Facebook werden Ängste geschürt, so wird unter anderem vor einem schwarzen Van gewarnt. Ein Aufruf auf einer privaten Facebook-Seite hatte in kurzer Zeit die Potsdamer aktiviert. Der Post wurde zig-fach geteilt, viele Menschen drücken ihre Betroffenheit und ihr Mitgefühl aus – und halfen schon in der Nacht aktiv bei der Suche, ausgerüstet mit Taschenlampe und Regenschirm. Ein Augenzeuge berichtet von bis zu 50 freiwilligen Helfern. Inzwischen ist eine eigene Facebook-Seite "Suche Elias" eingerichtet. Sie hatte am Donnerstagabend rund 8500 Likes gesammelt.

Ein freiwilliger Helfer erzählt

Einer der freiwilligen Helfer ist Markus Latein. Der 36-Jährige, der auch im Schlaatz wohnt und selbst zwei Kinder hat, hatte am Abend auf Facebook von der Suche erfahren und sich mit anderen Helfern am Rewe getroffen. Bis 5.30 Uhr ging die Suche. "Es gibt keinen Fleck, wo wir nicht gesucht haben", sagt er. Eine Zusammenarbeit der Polizei habe es aber nicht gegeben, so Latein. "Wir haben mehrmals unsere Hilfe angeboten, aber die Polizisen sagten, wir sollten nichts unternehmen. Wir haben dann auf eigene Faust gesucht", sagt Latein. Er kennt die betroffene Familie nicht, er habe sich aus Solidarität an der Suche beteiligt. Und aus Angst um die eigenen Kinder, die acht und zehn Jahre alt sind. "Darum habe ich meine Kinder heute früh zur Schule gefahren und hole sie auch wieder ab."

Auch in Sachsen-Anhalt ein Kind vermisst

Auch in Sachsen-Anhalt wird ein Kind vermisst. Bereits seit Mai sucht die Polizei nach der 5-jährigen Inga. Ihr Spur führt nach Brandenburg. Einen Zusammenhang zwischen beiden Fällen schließt die Polizei aus.  mehr >

Von MAZonline

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Riesige Anteilnahme über die Stadt hinaus

Der 6-jährige Elias aus Potsdam wird vermisst. Seit Mittwoch fehlt jedes Lebenszeichen von dem Jungen. De Polizei sucht ununterbrochen nach dem Kind, viele Potsdamer unterstützen die Suche. Bei Facebook posten zudem Tausende Hinweise oder drücken ihr Mitgefühl aus. Aber auch böse Gerüchte machen im Internet die Runde.

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