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Polizeigefängnis Bauhofstraße

Potsdamer Zeitgeschichte Polizeigefängnis Bauhofstraße

Eine Werkstattausstellung zum Polizeigefängnis in der Priester-, später Bauhofstraße wird in der kommenden Woche in der Gedenkstätte Lindenstraße 54 eröffnet. Über die 1925 errichtete und 1939 beträchtlich erweiterte Haftanstalt, die 2002 abgerissen wurde, ist heute kaum noch etwas bekannt.

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Abriss des Polizeigefängnisses in der heutigen Henning-von-Tresckow-Straße im Jahr 2002. Heute befindet sich dort ein Parkplatz.

Quelle: Privat

Potsdam. Das Gebäude ist groß wie ein Puppenhaus. Das Dach ist ebenso abnehmbar wie die Etagen, die hinter der Sperrholzfassade aufeinander gestapelt sind. Das Obergeschoss gibt den Blick frei auf den Zellentrakt der Männerabteilung. Im Stockwerk darunter waren die Frauen, das Behandlungszimmer und die Gefangenenküche. Im Erdgeschoss die Werkstatt. Im Keller die Bunkerzellen mit den Betonpritschen. Hier wurden Menschen gefoltert. Zur Hinrichtung brachte man sie nach Brandenburg-Görden und Berlin-Plötzensee.

Das Polizeigefängnis auf dem Hof des Polizeipräsidiums in der Priesterstraße ist 1925 errichtet und Ende der 1930er Jahre auf 124 Zellen vergrößert worden. Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) der Nazis hatte allein einen Bedarf von „100 bis 90“ Zellen für „Sonderaktionen“ angemeldet. Der Vermerk fand sich in einer Akte im Landeshauptarchiv. Die Gestapo teilte sich das Gefängnis mit der Kriminalpolizei und der Schutzpolizei.

Das Modell mit dem Dachgeschoss und dem Zellentrakt der Männerabteilung

Das Modell mit dem Dachgeschoss und dem Zellentrakt der Männerabteilung.

Quelle: Christel Köster

Das Modell des Polizeigefängnisses wurde 1980 von Häftlingen für Brandschutzübungen angefertigt. Der ehemalige Häftling Bernd Hübner und Hannes Wittenberg, der stellvertretende Direktor des Potsdam-Museums, bargen es kurz vor dem Abriss des Baus. Sie verwahrten das Modell und eine aus den Trümmern geklaubte schwere Zellentür aus dem Frauentrakt im Depot des Museums.

Nächste Woche werden diese Zeitzeugnisse in einer Sonderausstellung „,Sechs Wochen sind fast wie lebenslänglich...’ – Das Potsdamer Polizeigefängnis Priesterstraße/Bauhofstraße“ in der Gedenkstätte Lindenstraße 54 gezeigt. Das Polizeigefängnis, neben der Lindenstraße und der Leistikowstraße die dritte große Haftanstalt in Potsdam, ist für Historiker eine Leerstelle. Es gibt dazu fast keine Informationen, fast keine Bilder, sagt Astrid Homann, die in den vergangenen Monaten im Auftrag der Gedenkstätte Lindenstraße forschte. Selbst die Umstände des Abrisses 2002 lägen völlig im Dunkeln.

Zum Thema wird das Polizeigefängnis nun erstmals im Zusammenhang mit der Ausstellung „Das Leben ist Glühn. Der deutsche Expressionist Fritz Ascher“, die ab Freitag im Potsdam-Museum zu sehen ist. Der jüdische Künstler (1893-1970) war 1938/1939 in der Priesterstraße inhaftiert, wurde unter Auflagen entlassen und überlebte das NS-Regime in einem Versteck in Berlin-Grunewald. Die Ausstellung in der Gedenkstätte Lindenstraße, die am 13. Dezember eröffnet wird, flankiert die Ausstellung im Potsdam-Museum.

Astrid Homann mit der geborgenen Zellentür aus der Frauenabteilung des Polizeigefängnisses

Astrid Homann mit der geborgenen Zellentür aus der Frauenabteilung des Polizeigefängnisses.

Quelle: Christel Köster

Acht Häftlingsschicksale hat Astrid Homann recherchiert – sechs davon aus der NS-Zeit. Lidia T., eine ukrainische Zwangsarbeiterin, wurde wegen eines Briefs über den Krieg von der Gestapo verhaftet. Hildegard Bromberg und Eugen Herman-Friede waren in der Widerstandsgruppe Gemeinschaft für Frieden und Aufbau aktiv. Hermann Pünder und Hansjoachim von Rohr kamen mit der Verhaftungswelle, die dem Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 folgte. Von Rohr erlebte die Auflösung des Gefängnisses mit dem Nahen der Roten Armee. Die Wachen schlossen die Zellen auf und zogen ab. Erzählt werden die Geschichten von Werner Sperling und Helga Scharf, beide wurden Anfang der 1950er Jahre verhaftet.

Die Ausstellung soll der Auftakt für umfangreichere Forschungen zum Polizeigefängnis sein. Noch sei nicht einmal sicher, bis wann die Haftanstalt in Betrieb war: „Bis 2000 saßen da noch Leute ein – ist zu vermuten“, sagt die Historikerin, die auf weitere Zeitzeugen und Dokumente hofft. Sie vergleicht die Werkstattschau mit einem Stein, den man ins stille Wasser wirft.

Von Volker Oelschläger

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