Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam „Nicht mit dem Finger aufs Humboldt zeigen!“
Lokales Potsdam „Nicht mit dem Finger aufs Humboldt zeigen!“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:26 29.11.2018
Hauptkommissar Alexander Gehl ist Leiter des Sachgebiets Prävention bei der Polizeiinspektion Potsdam. Quelle: Jana Einecke
Potsdam

Der Leiter des Sachgebiets Prävention bei der Polizei stellt nach dem Cannabis-Fund am Humboldt-Gymnasium klar, dass die wenigsten Potsdamer Schüler mit Drogen zu tun haben. Aber: „Die Neugier gehört zum Menschen dazu“, sagt Alexander Gehl (57).

Sie sind in Sachen Prävention an den Potsdamer Schulen unterwegs – wie groß ist das Interesse der jungen Menschen an Drogen?

Alexander Gehl: Das Interesse ist normal – es ist nicht übermäßig groß, es ist aber auch kein Desinteresse.

Wollen Schüler überhaupt über Drogen aufgeklärt werden?

Bei mir ist jedenfalls noch nie ein Schüler eingeschlafen. Und die Aufmerksamkeit ist besonders hoch, wenn ich zur Querverbindung Führerschein komme. Alle Jugendlichen wollen den Führerschein machen. Die wenigsten wissen aber, dass eine Überprüfung ihres physischen und psychischen Zustands erfolgt, wenn sie ein Betäubungsmitteldelikt begangen haben. Erwischt die Kriminalpolizei jemanden mit Drogen, schickt sie diese Information an die Straßenverkehrsbehörde – das ist ein Muss! Und es ist richtig, dass die Überprüfung vorgeschrieben ist. Ich bin im 40. Dienstjahr. Ich habe viele Todesnachtrichten an Eltern überbracht, deren Kind von jemandem totgefahren wurde, der unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen stand. Wenn ich das erzähle, wird es im Klassenraum sehr still.

Wie und wo beginnt Prävention?

Prävention beginnt im Elternhaus und setzt sich fort über die Schule und die Schulsozialarbeit – eine wunderbare Installation an unseren Schulen. Prävention fängt übrigens schon an, wenn mich mein Kind fragt: Weshalb rauchst du?

Was kann Schule in Sachen Prävention wirklich leisten? – Und wird dort genug dafür unternommen?

Wir, die Polizei, bieten Drogenprävention ab der 7. Klasse an. Mein Einsatz beginnt mit einer Elternversammlung, in der ich vorstelle, was ich den Schülern alles berichten werde. Einziger Unterschied: Ich zeige den Eltern echte Drogen, denn sie sollen im Fall der Fälle erkennen können, womit sie es zu tun haben. Der tatsächliche Effekt der Präventionsstunden lässt sich nicht messen. Es ist aber nie verkehrt, dieses Thema zu besetzen – es ist keine vergebene Zeit. Der Stellenwert der Schule ist beim Thema Prävention meiner Erfahrung nach sehr hoch, denn Lehrer und Schulsozialarbeiter sind für die Jugendlichen Vertrauenspersonen, an die sie sich wenden können, wenn sie wirklich mal Mist gebaut haben. Das ist bei mir nicht so – als Polizeibeamter bin ich verpflichtet, tätig zu werden. Eine gute Anlaufstelle ist auch der Verein Chill out, den empfehle ich sehr, denn dort kümmert man sich um die jungen Leute in einem geschützten Raum.

Was können – oder müssen – die Eltern übernehmen?

Eltern müssen immer die Hauptverantwortung für ihre Kinder übernehmen. Sie sind diejenigen, die als erstes die Chance haben zu erkenne, wenn das Kind mit illegalen Drogen zu tun hat, denn das passiert ja nicht von heute auf morgen, das ist ein längerer Prozess. Meine große Bitte: Versuchen Sie, sich jeden Tag mindestens 30 Minuten direkt mit ihrem Kind auszutauschen. Die Basis sollte immer Ehrlichkeit sein. Es kommt einfach eine Phase – mit 14, 15, 16 Jahren –, da kommt man schlecht ran an die Kinder. Genau dann ist der Kontakt so wichtig.

Gerade steht das Humboldt-Gymnasium im Fokus: Ist davon auszugehen, dass auch an anderen Potsdamer Schulen mal ein Joint rumgeht?

Es gibt in Potsdam keine Schule, die als Drogenumschlagplatz bezeichnet werden kann. Aber keine Schule sollte von sich behaupten, sie habe nichts mit Drogen zu tun – das wäre unrealistisch. Ich betone: Auch das Humboldt-Gymnasium ist trotz des Vorfalls kein Drogenumschlagplatz. Niemand sollte mit dem Finger aufs Humboldt zeigen!

Gibt es dennoch eine Entwicklung, die Ihnen Sorgen bereitet?

Es sind neue Drogen im Umlauf. Die Hersteller sind im Moment wieder am Experimentieren – und das ist wirklich gefährlich. Mein Rat an Lehrer und Eltern: Holen Sie bei Anzeichen, die nichts mit dem normalen Ablauf zu tun haben, unbedingt den Arzt! In so einem Moment ist die 112 wichtiger als die 110.

Mehr Funde an Potsdamer Schulen

Die Drogenfunde an Potsdamer Schulen weisen laut Polizei eine leicht steigende Tendenz auf. Im schulischen Bereich – das betrifft sowohl Turnhallen, Schulen und auch Schulhöfe – wurden in der Landeshauptstadt im Jahr 2016 vier Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz registriert, 2017 waren es 13 Fälle, 2018 werden es noch mehr sein. Allerdings können diese Fälle auch außerhalb des Schulbetriebes festgestellt worden sein.

Wie häufig die Polizei an Potsdamer Schulen nach Drogen sucht, wird statistisch nicht erfasst.

Am Hauptbahnhof und auf der Freundschaftsinsel hat die Polizei in diesem Jahr vermehrt Kontrollen durchgeführt, wodurch auch mehr Verstöße festgestellt wurden, was wiederum zu einem Anstieg der Fallzahlen geführt hat. Die Polizei wird dort weiterhin – sichtbar, aber auch verdeckt – präsent sein. nf

Von Nadine Fabian

Das „Leander“ im Holländischen Viertel ist der populärste Treff der schwul-lesbisch-alternativen Szene in Potsdam. Touristisches Markenzeichen des „Leander“ ist der Queensday zum alljährlichen Tulpenfest.

02.12.2018

Zwei Mädchen sind in der Straßenbahn zwischen Brandenburger Vorstadt und Babelsberg von einem unbekannten Mann belästigt worden. Es war nicht der erste Fall dieser Art in der jüngeren Vergangenheit.

29.11.2018

Die Linke in der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung will den Angergrund-Kleingärtnern zur Seite springen – gegen die Pläne eines Investors.

29.11.2018