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Polizist überlebte nur knapp die Messerattacke

Prozess am Landgericht Potsdam Polizist überlebte nur knapp die Messerattacke

Er kann bis heute nicht wieder arbeiten, leidet noch immer unter den Folgen des Angriffs: Im April 2015 war ein 30 Jahre alter Polizist bei einem Einsatz in Potsdam lebensgefährlich verletzt worden. Ein Student stach ihn nieder. Nun steht der Angreifer vor Gericht - wegen versuchten Mordes.

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Polizisten untersuchen die Attacke auf ihren Kollegen.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Weihnachten kam die Geschichte bei vielen wieder hoch. Nach der tödlichen Messerattacke Heiligabend auf einen Polizisten im hessischen Herborn wurde in Potsdamer Polizeikreisen wieder viel über den jungen Kollegen geredet, der am 15. April 2015 zu jener Streifenwagen-Besatzung gehörte, die zu einer Erdgeschosswohnung am Schillerplatz in der Brandenburger Vorstadt gerufen worden war. Die Polizei hatte Hinweise bekommen, dass dort von einem 25-Jährigen Mann eine Bedrohung für sich selbst und andere ausgehen könnte. Als die Beamten mit ihm redeten, rastete der Mann plötzlich aus und zückte ein Messer: Er traf den jungen Polizisten am Hals.

Der Beamte überlebte nur im Haaresbreite

Der Beamte überlebte nur um Haaresbreite und musste notoperiert werden. Die Klinge soll die Halsschlagader nur um Millimeter verfehlt haben. Die physischen und psychischen Folgen der Attacke sind so gravierend, dass der Polizist bis heute nicht in den Dienst zurückgekehrt ist. Der Angriff habe ihm auch seelisch schwer zugesetzt, heißt es im Kollegenkreis. Neun Monate nach dem lebensgefährlichen Einsatz beginnt nun am Donnerstag vor dem Landgericht Potsdam der Prozess gegen den Studenten Dominic B. Der Tatvorwurfe: versuchter Mord. Ursprünglich war wegen des Verdachts des versuchten Totschlags ermittelt worden.

War Dominic B. schuldunfähig?

Der 25-jährige B. sei zum Tatzeitpunkt schuldunfähig gewesen, heißt es in der Anklageschrift. Über das Intranet seiner Hochschule soll B. Todesdrohungen versendet haben. Deswegen war gegen ihn Strafanzeige wegen Bedrohung erstattet worden. Insgesamt drei Polizeibeamte suchten den Studenten in seiner Wohnung auf, um ihm zur Polizeiinspektion zu bringen.

Küchenmesser in den Hals gerammt

Mit einem 30 Zentimeter langen Küchenmesser stach er dem jungen Polizisten in den Hals- und Nackenbereich, so dass dieser blutend zusammenbrach. Danach soll Dominic B. versucht haben, auch einen zweiten Beamten mit dem Messer zu attackieren. Doch dieser zog seine Dienstwaffe und forderte den Angreifer auf, das Messer wegzulegen, sonst werde er schießen. Daraufhin soll es den beiden unverletzten Polizisten gelungen sein, Dominic B. zu überwältigen, der dabei verletzt wurde und unter Bewachung im Krankenhaus behandelt worden war.

Die Frage der Schuldfähigkeit

Ihm droht nun eine lange Haftstrafe oder die Unterbringung im Maßregelvollzug für psychisch kranke Straftäter. Mit entscheidend für den Prozessausgang wird , wie die Schuldfähigkeit des Studenten eingestuft wird. Die Staatsanwaltschaft Potsdam hatte nach der Attacke beantragt, dass der Angreifer in einer Psychiatrie untergebracht wird. Für den Prozess sind sechs Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil könnte am 22. Februar fallen.

Dass Polizisten zu Opfern werden, ist in Brandenburg keine Seltenheit. „Die Beamten stoßen im Dienst auf aggressives Verhalten aller Art“, heißt es beim Innenministerium. 2013 wurden 1121 Polizeibeamte attackiert.

Gefährlicher Dienst

Polizisten werden immer häufiger selbst Opfer von Attacken.

1995
starb der Potsdamer Polizist Martin Heinze im Dienst. Er wurde im Kirchsteigfeld von einem Einbrecher mit einem Messerstich mitten ins Herz getötet. Der damals 46-jährige Polizeihauptmeister war der erste Brandenburger Polizist, der im Dienst ermordet worden ist.

2007
war ein Potsdamer wegen fahrlässiger Körperverletzung und vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs verurteilt worden: Er hatte den Polizisten Reinhold Hüpkes im August 2006 bei einer Verkehrskontrolle an der Schiffbauergasse umgefahren und lebensgefährlich verletzt. Der Fahrer hatte 1,58 Promille im Blut. Hüpkes konnte erst drei Jahre nach dem Vorfall wieder in den Vollzugsdienst zurückkehren.

Auch im Vorjahr gab es mehrere Angriffe auf Potsdamer Polizisten. Im November ging ein Mann auf einen Beamten los und verletzte ihn im Gesicht und an einer Hand. Der Polizist war zum Otto-Hahn-Ring gerufen worden, weil der Mann in der Wohnung randalierte.

Im September 2015 hatte ein Betrunkener in Drewitz zwei Polizisten mit einem Küchenbeil und einem Messer bedroht. Verletzt wurde niemand.

1121 Polizeibeamte wurden im Land Brandenburg 2013 im Dienst Opfer von Übergriffen. Laut Innenministerium waren das 56 mehr als im Jahr zuvor.

Von Marion Kaufmann

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