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10:59 06.04.2016
Endlich: Die Poller sollen den illegalen Durchgangsverkehr stoppen. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Innenstadt

Ein inoffizieller Ehrengast war am Dienstagvormittag extra von Trebbin (Teltow-Fläming) aus angereist, um dem historischen Ereignis beizuwohnen. Ex-Revierpolizist Joachim Pfeifer wollte unbedingt dabei sein, als vier Poller an der Ecke Dortu-/ Brandenburger Straße von Mitarbeitern des Bauhofs ins Pflaster eingelassen wurden. Denn nun heißt es: Stopp für Verkehrssünder! Von dieser Radikal-Maßnahme hatte „Sheriff“ Pfeifer während seiner aktiven Dienstzeit lange genug geträumt. Aus leidvoller Erfahrung weiß er, wie viele Autofahrer frohgemut illegal über die „Brandenburger“ preschten, ohne den Verkehrszeichen irgendeine Beachtung zu schenken – eine Art Bermudadreieck für nichts ahnende Passanten in der ausgeschilderten Fußgängerzone.

Ex-Revierpolizist Joachim Pfeifer war eigens angereist, um die Poller-Aufstellung zu begleiten. Quelle: Bernd Gartenschläger

Pfeifer hat in seiner langjährigen Innenstadt-Karriere unzählige Sünder auf frischer Tat ertappt. „Manchmal dachte man tatsächlich, dass man auf einer Hauptverkehrsstraße steht“, erzählte Pfeifer, der ohne seine Polizeiuniform in der legeren Freizeitkleidung einen ungewohnten Anblick für Kiez-Kenner bot. Beim Poller-Premieren-Termin erinnerte er sich gar nicht nostalgisch:„Es gab Stoßzeiten bis neun Uhr früh – da sind alle eingeflogen; ab 15 Uhr ging es dann in umgekehrter Richtung. Am Wochenende ging es dann ständig hoch und runter.“ Manchmal kam es sogar vor, dass Fußgänger, die nicht gleich Platz machten, angehupt wurden. Der Ex-Kiez-Cop kann soviel Unverfrorenheit immer noch nicht recht fassen.

Das Ausmaß des verkehrswidrigen Durchgangsverkehrs wurde sogar einmal von der Verwaltung erhoben. Am 25. April 2013 gab es 29 illegale Überfahrten – nur von 8.20 bis 9.20 Uhr!

„Es war schrecklich, wenn die Autos rübergebrezelt sind“, berichteten am Dienstag auch Vivien Schendel von „Farben Naumann“ und Gisela Schmidt (Galerie Sanssouci) über das Vor-Poller-Drama. Jetzt ist das Aufatmen am „Boulevard“ förmlich spürbar. Auch Buchhändler Carsten Wist und seine Frau sind froh, dass die Kreuzung an ihrem Laden zur rigorosen Tabuzone für Autos wird – endlich Schluss mit dem Sicherheitsrisiko, besonders für die Kinder.

Wünsche der Bürger

Die Verkehrsberuhigung erfolgt im Vorgriff auf die Umsetzung des derzeit in Bearbeitung befindlichen Innenstadtverkehrskonzeptes. Bei verschiedenen Beteiligungswerkstätten und in der politischen Diskussion wurde der Einbau von Pollern in dem Bereich der Fußgängerzone Brandenburger Straße von den Bürgern als Wunsch an die Verwaltung herangetragen.

Eine Einfahrt für Lieferverkehr in die Brandenburger Straße ist künftig nur noch über Gutenberg-/Dortustraße und die Charlottenstraße/Hermann-Elflein-Straße möglich.

Die vier 85 Zentimeter hohen Poller sind allerdings keine undurchdringliche Barriere. Einer kann abgeknickt werden, um den Winterdienst- und Entsorgungsfahrzeugen der Step die freie Zufahrt zu ermöglichen. Nachdem die Säulen glücklich verankert waren, zogen die Bauhof-Mitarbeiter weiter zur Hermann-Elflein-Straße. Auch hier machen jetzt Poller die „Brandenburger“ zur No-Drive-Area für Autos. Derzeit bieten noch Jägerstraße und Lindenstraße Schlupflöcher für regelresistente Autofahrer. Aber auch damit ist im Laufe des Jahres Schluss.

Von Ildiko Röd

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