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Potsdam Pomadenstyling erobert Babelsberg
Lokales Potsdam Pomadenstyling erobert Babelsberg
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22:00 10.04.2016
Von der Reeperbahn nach Potsdam: Jens Steinmeier in seinem Salon mit dem besonderen Charme. Quelle: Fotos: B.G.
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Babelsberg

Eine Modepuppe posiert in Pelz und Perlen, rote Samtvorhänge im Hintergrund, Pomadedosen und Pin-Up-Figuren stehen im Schaufenster. Passanten gehen in der Rudolf-Breitscheid-Straße meistens nicht weiter als bis zum Kino Thalia. Dabei gibt es dafür allemal Grund – das Schaufenster des Friseursalons „A Sense of Decadence“ von Jens Steinmeier.

Der 43-Jährige hat seinen Friseur-und Barbiershop in Babelsberg im Januar eröffnet. Steinmeier ist spezialisiert auf Frisuren der 20er- bis 60er-Jahre. Dazu gehören die sogenannten Pincurls à la Marlene Dietrich und bombastische Hochsteckfrisuren der Rock’n’Roll-Ära und die Elvistolle. Tollen ohne Pomade? Undenkbar! 17 verschiedene Pomaden hat Steinmeier in seinem Laden zu stehen. Die nach Zitrone, Ananas oder Sandelholz riechenden Gemische aus Wachs und Fett halten letztendlich die ganze Frisur.

Auf der Suche nach einer dörflichen Großstadt

Seit seiner Lehrzeit 1995 in Freiburg begeistert sich Jens Steinmeier für die 50er-Jahre. Der Seniorchef hat ihm viele Frisuren „von damals“ beigebracht. „Alles Moderne basiert auf Klassik“, sagt Jens Steinmeier. Nach der Friseurausbildung setzte er den Meister drauf und betrieb bald einen eigenen Salon. Zuletzt arbeitete der gebürtige Baden-Württemberger drei Jahre in einem Friseurladen auf der Reeperbahn in Hamburg. „Mein Mann und ich sind in Hamburg aber nie richtig angekommen“, sagt Jens Steinmeier. „Wir haben uns nach einer dörflichen Großstadt gesehnt.“ Die Wahl ist auf Potsdam gefallen, weil Steinmeiers Mann ursprünglich aus Brandenburg stammt und in Berlin eine Dozentenstelle erhalten hat. Der Name des Salons „A Sense of Decadence“ geht auf das ursprüngliche Verständnis von „Decadence“ zurück – der Verfall und Ruin von Sprache und Kultur.

Der Friseursalon im denkmalgeschützten Weberhaus soll die 20er- bis 60er-Jahre neu auflebenlassen. „Es kommen aber nicht nur Rockabilly-Fans zum Haareschneiden, sondern auch Rentnerinnen mit Föhnfrisur“, sagt Jens Steinmeier. Neben dem gelernten Handwerk versteht er auch etwas von Perückenknüpfen und Schneidern. Sein Geschick als Maskenbildner verfeinert Steinmeier in Workshops und kreiert teilweise gruselige Masken.

Außergewöhnlich sind auch die Öffnungszeiten des Salons – von 14 bis 21 Uhr in der Woche. Das hat auch einen bestimmten Grund: den Hund. „Vormittags nehme ich mir für unseren Schäferhund Sid zwei bis drei Stunden Zeit“, sagt Jens Steinmeier, der seit 23 Jahren im Friseurgeschäft ist. Für den Meister ist eine gute Beratung seiner Kunden wichtig. „Wir diskutieren hier offen über Wünsche und Vorschläge“, sagt Steinmeier. Bisher ist „A Sense of Decadence“ eine One-Man-Show. Aber innerhalb der nächsten zwei Jahre könnte sich ein Angestellter dazu gesellen.

Die Elvistolle

In den 50er-Jahren steht neben dem Petticoat die Elvistolle als Symbol für die Popkultur dieser Zeit. Die Trendfrisur verleiht den Männern einen gewissen Macho-Charme, von dem die Frauen sich angezogen fühlen.


Nicht nur Elvis Presley war ein Fan der „Schmalztolle“, sondern auch Johnny Cash und James Dean liebten sie.

Die Konturen im Nacken und am Ohr werden mithilfe eines Kamms und einer Schere leicht gekürzt. Das Deckhaar darf nicht zu lang sein (höchstens sechs Zentimeter).

Mit einem Toupierkamm streicht man gegen den Strich, um Volumen am Ansatz zu erzeugen. Dann wird die Partie frisiert und anschließend vorsichtig nach hinten gekämmt und mit Pomade fixiert.

Von Lisa Kalkkuhl

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