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Popstars Wanda feiern sich in Potsdam

Ausverkauftes Wanda-Konzert um Waschhaus Popstars Wanda feiern sich in Potsdam

Wanda aus Wien gelten als Band der Stunde. Beim ausverkauften Konzert am Samstagabend im Waschhaus festigten sie ihr Image als Meister des versoffenen Entertainments. Am Ende feierten die Fans die Band, die Band feierte sich selbst. So soll es sein und darauf wurden viele Schnäpse getrunken.

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Wanda auf der Bühne in Potsdam.

Quelle: Christel Köster

Potsdam. Auf seinem Weg zum Schnapsglas gleitet Marco Michael Wanda über Mittelscheitel und Halbglatzen, passiert ein paar Pferdeschwänze, lässt sich am Bauch streicheln – und landet auf dem Tresen. Der große Saal im Waschhaus ist seit Wochen ausverkauft, bei so vielen Fans lässt es sich locker auf ihren Armen und über ihre Köpfe hinweg surfen. Der Sänger der Wiener Band Wanda hebt das Glas, die Meute schreit „Prost“, als seien sie Sauftouristen beim Oktoberfest. Die vier auf der Bühne gebliebenen Musiker lassen den passenden Song „Ich will Schnaps“ jazzig vor sich hin mäandern, in den Pausen trinken sie Wein aus Flaschen und nutzen das Privileg des Künstlers, auch im Club paffen zu dürfen.

Wanda-Kosmos = Suff, Ekstase und Bauchgefühl

Suff, Ekstase und immer schön aufs Bauchgefühl achten – darum geht’s im Wanda-Kosmos am Samstagabend im Waschhaus. Die Songs der Wiener wären der perfekte Soundtrack zu einer Kneipenschlägerei, die Texte ähneln den Erinnerungsfetzen einer durchzechten Nacht. Die Gründe für den Hype – ausverkaufte Touren, Vertrag beim Riesenkonzern Universal, Vergleiche mit den Beatles und Falco – werden auch beim Konzert in Potsdam sichtbar: Im völligen Gegensatz zum Diskurspop à la Tocotronic kommen Wanda in Wort und Ton herrlich direkt rüber. Mit dem Titel ihres Debütalbums „Amore“ liefern sie auch noch so etwas wie eine Weltanschauung, einen Slogan, der einen durchs Leben manövriert. Und dann wäre da noch die Exotik, der Schmäh des Österreichischen, der je nach Stimmung süffisant oder schmierig wirkt.

Die Jungs feiern sich

Die Jungs feiern sich.

Quelle: Christel Köster

Wanda liefern ausschließlich Hits vom ersten Album, dabei läuft im Radio bereits die neue Single „Bussi Baby“, aber den Song dürfen sie live noch nicht spielen, sagt Marco. Nanu, haben die da etwa einen Knebelvertrag unterschrieben? Egal, die Songs von „Amore“ reichen mitsamt charmanter Mitgröl-Spielchen und der Schnaps-Einlage auch so für eine gute Stunde. Mit „Luzia“ in beschleunigter Rockversion machen die fünf Jungs gleich klar, wo es langgeht. Zu traurigen Sätzen („Am Ende seines Lebens wird ein jeder einsam sein“) wird fröhlich mit der Hüfte gewackelt.

Leid und Liebe auf den Punkt

Wie eine rauflustige Gang stehen Marco Michael Wanda und seine Jungs da oben, Bassist und Keyboarder mit offenen Hemdknöpfen und Goldkettchen sehen aus wie im Italo-Porno. Besonders wuchtig wirkt die Musik, wenn sie sich auf den Rhythmus reduziert und die wunderschön simplen Zeilen des Sängers im Raum stehen. Da geht’s um Liebe und Leid, so wie es sich im Pop gehört - und um das eigene Unvermögen: „Sag nicht alles so kompliziert, ich versteh das garantiert nicht. Denk nicht alles so kompliziert, weil ich versteh, dass das nix wird und keiner schaut sich raus.“ Marco Michael Wanda ist auf eine Art dumm, wie es nur schlaue Menschen sein können. Was so herrlich hirnlos wirkt, wird erst möglich, weil er die Gabe hat, (Selbstmit-)Leid und Liebe textlich auf den Punkt zu bringen. Es hat wohl einen Grund, dass die Wörter Virtuose und Spirituose einander so ähnlich klingen.

Fans werfen Sänger ihre Kippen in die Hände

Spätestens nach dem Transfer zum Schnapsglas haben Wanda die Meute fest im Griff. Als dem Sänger die Zigaretten ausgehen, werfen Fans ihm haufenweise ihre entgegen. Dem dürren Kerl, dessen Lederjacke zu kurz und das offene Jeanshemd zu lang ist, scheint’s zu gefallen in Potsdam. Mal wackelt er wie beim Ententanz, mal schreitet er in der Parodie einer Drohgebärde auf die Meute zu wie ein Revolverheld im Spaghetti-Western. Das macht allen Spaß, der Halbstarken-Gang auf der Bühne und den Menschen davor.

Liebe und Leid gibt es bei Wanda auf den Punkt

Liebe und Leid gibt es bei Wanda auf den Punkt.

Quelle: Christel Köster

Als letzten Song vor den Zugaben, singen sie alle gemeinsam „Bologna“, die Wanda-Hymne, in der es um verbotene Lust, die Liebe an sich und ein paar ominöse Verwandte geht: „Tante Ceccarelli hat in Bologna Amore gemacht! Amore, meine Stadt.“ Die Fans feiern die „Amore“, Wanda und sich selbst. Schließlich wurde sie Zeugen einer Band, die demnächst nicht mehr in Klubs, sondern in Arenen spielen wird. Darauf einen Schnaps!

Wie hat es dem Publikum gefallen?

Christoph Kuchinke, 47

Christoph Kuchinke, 47: „Es war sehr gut und viel besser als ich erwartet hatte. Die hatten einfach Freude an der Musik. Das Konzert war ein ehrlicher Spaß, echt super, wie Après-Ski im August - und ohne ohne DJ Ötzi.“

Quelle: Wojach
Christoph Reischer, 27

Christoph Reischer, 27: „Ich komme aus Wien. Wanda sind immer gleich gut, egal ob sie in Österreich oder Deutschland spielen. Heute war es auch richtig cool. Die Musik ist so unkompliziert und nicht so kopflastig.“

Quelle: Wojach
Kai Dehning, 53

Kai Dehning, 53: „Das war super! Das war ein Abend wie 1981, nicht so eines von diesen Konzerten mit tätowierten Affen, die so tun als ob. Ich bin echt angenehm überrascht.“

Quelle: Wojach
Florian Lechner, 34

Florian Lechner, 34: „Ich fand’s gut. Für die Show hätte ich es aber fast noch besser gefunden, der Sänger wäre richtig betrunken gewesen. Dann wäre die Show noch unkontrollierter geworden.“

Quelle: Wojach

Von Maurice Wojach

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