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Potsdam Die ungewöhnlichen Schlosser von Sanssouci
Lokales Potsdam Die ungewöhnlichen Schlosser von Sanssouci
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12:15 10.09.2018
Werkstattleiter Andreas Ziehe (2.v.r.) und seine Jungs, die das Tor im Triumphtor gebaut haben. Quelle: BBW
Potsdam

Gut Ding will Weile haben, heißt es. Das war auch in diesem Falle so, denn es ging um ein ganz großes Ding: Die Oberlin-Werkstätten wollten das Hauptportal für den Winzerberg von Sanssouci bauen, eine große, gewichtige, komplizierte Arbeit für Jugendliche, denen das Lernen eher schwer fällt. 2,08 Meter hoch ist das Gitter, 4,18 Meter breit; jede Hälfte wiegt 230 Kilogramm. Aber die Jungs um Metallbau-Werkstattchef Andreas Ziehe hatten sich auch herangepirscht an die Herausforderung.

Bei einer Winzerbergveranstaltung waren Denkmalpflege-Unternehmer Roland Schulze und Ziehe ins Gespräch gekommen über Dinge, die noch getan werden mussten am Berg: Der hatte auf seinen Terrassen Brunnen, die man sichern musste gegen Abstürze von Menschen. Keine geschlossenen Gullideckel sollten es sein, sondern begehbare und anhebbare Gitter in Kreisform. Ziehe sagte zu und lieferte perfekte Ware ab. Das machte Mut, sich auch an die Tore in den beiden Schrägwegen nach oben, an die Geländer dieser Wege und ans Tor zum Garten des Winzerhauses zu machen, das war schon eine ganz andere Hausnummer. Die Tore nämlich waren extrem zerrostet, die einfache Restaurierung des noch vorhandenen Materials war unmöglich.

„Das war abenteuerlich“

Im Fußbereich der Gitterkonstruktionen musste man die teils weggebrochenen Stäbe absägen und durch neues Material ersetzen, das aber so aussehen musste wie die alten Stäbe, die ja des Rostes wegen nur noch halb so dick waren wie früher. Wie die Tore ursprünglich ausgesehen hatten, konnte man kaum mehr erkennen. „Das war abenteuerlich“, sagt Ziehe. Nur alte Fotos gaben Anhaltspunkte für die Rekonstruktion. Auch diese Aufgabe erfüllten die Werkstätten mit Bravour. Und empfahlen sich für Höheres: Das Tor im Triumphtor.

Nach 11 Jahren Sanierung ist der Winzerberg von Sanssouci fertig; er hat sogar das schmiedeeiserne Portal im Triumphtor wieder. Lehrlinge des Berufsbildungswerkes des Oberlinhauses haben es gebaut.

An dem wurde 18 Monate getüftelt und probiert und vieles im Lauf der Zeit verworfen und neu geplant. Kaum einer der Lehrlinge des Anfangs ist heute noch dabei. Für das Tor konnte man zwar Pfeiler und Stangen als Meterware und einige Zierelemente in Serie kaufen, doch war millimetergenaues Kürzen nötig, das Umschmieden von Zierteilen, der Neuguss von Elementen, zum Teil erledigt durch eine Fachfirma in Berlin. Und alles musste vernietet werden, nicht verschweißt oder gar geschraubt. Unsichtbar sollten die Nieten sein. „Das hat mir einige graue Haare beschert“, gibt Ziehe zu, doch die motivierte Truppe schaffte auch das.

Begeistert vom Ergebnis

Roland Schulze war begeistert über das Ergebnis, der scheidende Stiftungs-Generaldirektor auch: „Großartig, super, sowohl die Truppe als auch das Ergebnis!“ schrieb Hartmut Dorgerloh, inzwischen Generalintendant der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss der MAZ: „Ganz herzlichen Dank!“

Seit 2007 wird der Weinberg in einem breit angelegten bürgerschaftlichen Engagement saniert; am 8. September nun wird er der Öffentlichkeit und der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg übergaben, auch wenn noch nicht alle Arbeiten beendet sind. Das Tor wurde bereits am Freitag eingebaut und sofort verhüllt. Die Gäste der Zeremonie werden es so durchschreiten, dann wird es geschlossen. Nach den Übergabe-Reden schwenken Scheinwerfer aufs Tor, von dem die Verhüllung abgezogen wird. Zur Feier des Tages spielt das Filmorchester Babelsberg.

Von Rainer Schüler

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