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Potsdam Die unheimlichen Neuen der AfD
Lokales Potsdam Die unheimlichen Neuen der AfD
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20:01 27.05.2014
Potsdam

"Der Vorwurf des Rechtsradikalismus" gegen die AfD sei "aus der Luft gegriffen", "europakritisch bin ich auch", sagt Peter Schultheiß (Potsdamer Demokraten). Er kann sich die Bildung einer Fraktion mit der Alternative für Deutschland (AfD) vorstellen. SPD und Linke, Grüne und "Andere" wollen dagegen auf Distanz gehen, CDU/ANW, Bürgerbündnis und FDP  wollen zumindest eine Zusammenarbeit mit der seit der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 im Potsdamer Rathaus vertretenen AfD in Sachfragen nicht ausschließen. Übergreifend ist der Vorbehalt, dass man die Neuen, den Studenten Dennis Hohloch (25), die Ärztin Sylke Kaduk (50) und den Verwaltungswissenschaftler Lothar Wellmann (38), noch gar nicht kennt.

Der politische Werdegang von Kaduk und Wellmann ist höchst unterschiedlich, doch eines weisen beide für sich und die AfD zurück: den Vorwurf des Rechtspopulismus. Die gebürtige Rostockerin Kaduk studierte Augenmedizin, kam 1990 nach Potsdam, arbeitete 20 Jahre am Klinikum "Ernst von Bergmann", eröffnete vor drei Jahren in Bornstedt ihre eigene Praxis. Zeit für die Politik hat sie erst, seit die heute 22 und 23 Jahre altern Kinder aus dem Haus sind. Kaduk ging zu Veranstaltungen der Grünen, der CDU und im April 2013 zum Gründungsparteitag der AfD in Berlin. Dort hatte sie "das Gefühl, das sind Menschen, die ähnlich denken wie ich": "Ich habe gedacht, hier geht es um den gesunden Menschenverstand".

 

Von der kommunalpolitischen Arbeit hat Sylke Kaduk bislang nur verschwommene Vorstellungen. Sie wünscht sich eine Verwaltung, die wie sie als Ärztin versuche, immer das beste für die Menschen herauszuholen. Der Bürger sei im Rathaus viel zu oft in der Rolle des Bittstellers. Wellmann interessiert sich für Stadtentwicklung und Finanzen. Das kreditfinanzierte, 160Millionen Euro teure Schulneubauprogramm sei verantwortungslos, weil der Stadt in einer Hochzinsphase der Finanzkollaps drohe. Man hätte schrittweise in Tranchen vorgehen sollen, statt ein einziges Paket zu beschließen.

Der Vorwurf des Rechtspopulismus empört die Augenärztin: "Ich habe noch nicht herausfinden können, wo die Quelle dieses Vorwurfs ist." Dass mit AfD-Wahlforderungen wie "Keine Problemviertel und Parallelgesellschaften in Potsdam" Vorurteile und Ängste geschürt werden, überrascht sie. Schließlich sei sie davon ausgegangen, dass das recherchiert worden sei. Wellmann sagt, dass es sich dabei nicht um eine Feststellung, sondern um eine Warnung handele. Nach seinem Wahlkampf am Stern und in Drewitz wisse er allerdings: "Viele Menschen dort fühlen sich abgehängt."

Der Vorwurf des Rechtspopulismus ist Wellmann präsent: Er beobachte das selbst "sehr aufmerksam": "Ich versuche dazu beizutragen, dass das in dieser Partei keinen Raum hat." Dass ihn Gegner im Wahlkampf als "Nazidreck" beschimpften, sei "wirklich furchtbar". Diese Beschimpfung sei im Umkehrschluss eine "Verharmlosung der Nazis".

Kaduk kommt als Lernende in die Politik: "Ich möchte etwas ändern, aber dazu muss ich erst einmal lernen, wo und wie ich etwas ändern kann." Wellmann kommt mit dem Selbstbewusstsein eines Mandatsträgers, der mit 1835 Stimmen im Wahlkreis VI. auf Platz zwei nach Stadtrekordhalter Hans-Jürgen Scharfenberg (Linke/8785 Stimmen) und stadtweit auf Platz 16 gewählt wurde.

EINIGE DER AFD-FORDERUNGEN FÜR POTSDAM

Stadtentwicklung und Infrastruktur: „Höhere Ausweisung von Wohnungsbauflächen“; „schnellere Entwicklung von Wohngebieten (z.B. Krampnitz)“.
Finanzen: „Einstellungs- und Beförderungsstopp in der Stadtverwaltung“; „deutliche Reduzierung der Kosten des Schulneubauprogramms“; „stärkere Gewinnabführung städtischer Unternehmen an die Stadt“.
Bildung und Kultur: „Ideologiefreie Jugendarbeit“; „für mehr Jugend- und Sozialarbeiterstellen an Potsdams Schulen“.
Zuwanderung und Integration: „Kein Flüchtlingswohnheim im Staudenhof“; „keine Problemviertel und Parallelgesellschaften in Potsdam“.
Bürgernähe und Transparenz: „Dezentralisierung des Bürgerservice“, „Veröffentlichung aller Nebeneinkünfte des OBs und der Beigeordneten auf der Homepage der Stadt“; „Fachleute statt Parteispezis!“
Familie: „Reale Familienpolitik statt Gendermainstream!“; „für einen besseren Betreuungsschlüssel in Kitas“.

Von Volker Oelschläger

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